Background U20-WM 2005/06

Zurück zur Übersicht U20-WM



Die Kanadier und die Schiedsrichter

Von Urs Berger, Fotos von Thomas Oswald

In den Zeitungen steht es geschrieben. In den Gesichtern der Journalisten steht es geschrieben. Der Sportfernsehsender TSN versteht die Welt nicht mehr. Die Kanadier suchen die Schuld nicht in ihrem Team oder ihrem Coach sondern bei den...... Schiedsrichtern. Kanada ist unzufrieden mit den Schiedsrichtern. Und da Kanada das Land des Eishockeys ist, und nur sie wissen, wie das Spiel gespielt werden muss, ist die Empörung gross, seit der IIHF die strikte Auslegung des Regelbuches auf internationalem Niveau eingeführt hat. Doch eigentlich sollten dies die Kanadier kennen, was international nun Standard ist, ist es doch die NHL, die diese Auslegung der Regeln angestrebt und umgesetzt hat.

Seit dem 25. November wird in der Schweiz die striktere Regelauslegung angewendet. Was mit Misstönen angefangen hat, wird in der zwischen Zeit fast selbstverständlich angeschaut. Die Schweizer Meisterschaft wurde besser, die läuferisch stocktechnisch besseren Spieler kommen mehr zur Geltung und das Spiel selber wurde vom vielen halten und behindern des Gegners befreit. Es kommt mehr Spielfluss auf und die Mannschaft, die weniger auf die Spieler setzt, die bisher auf destruktives Spiel aus waren, sind nun im Vorteil. Dies widerspiegelt in der Schweiz auch die Tabelle. Jene Mannschaften, die mehr auf das Läuferische setzen und mit spielerischen Mitteln den Erfolg suchen, wurden seit dem Wechsel besser, diejenigen, die nur auf die physische Kraft ihrer Spieler aufbauten schlechter. Dadurch wurde aber das Mittelfeld breiter. Spiele mit physischen Mannschaften werden von vielen Strafen überschattet, während Spiele unter lauf- und spielstarken Teams mit wenigen Strafen auskommen.

Tabelle ab Einführung der
strikteren Regelauslegung:
GPG
1Rapperswil-Jona Lakers81228:18
2Bern81227:15
3Lugano91235:26
4Davos81029:18
5Kloten91025:28
6Fribourg9927:27
7Ambri9831:27
8Zug9831:36
9Basel8617:26
10ZSC Lions7522:28
11Genève-Servette8420:30
12SCL Tigers8422:35

Diese Aussage wird durch die spezielle Tabelle seit dem 25. November gestützt. Natürlich sind nur 8 oder 9 Spiele gespielt, dennoch zeichnet sich ein Trend auf. Die Mannschaften, welche in ihren Reihen läuferisch starke Spieler haben, wie der SC Bern mit Ivo Rüthemann, Christian Dubè oder Andrè Rötheli haben einen Vorteil. Andere Teams, wie zum Beispiel der HC Genf-Servette, welche mit viel Muskelkraft und kaum läuferisch überlegenen Spieler agieren, zieren das Tabellenende. Oder ist doch nur alles Zufall? Fest steht, dass man erst nach Ende der Saison in der Schweizer Liga ein erstes generelles Schlussfazit ziehen kann. Vorher ist noch zu vieles auf spekulativem Boden gewachsen.

An den Juniorenweltmeisterschaften der unter 20-jährigen sieht alles wieder anders aus. Die Schweizer, welche sich in der Nationalliga an diese neue Regelauslegungen gewöhnen konnten, haben, wie im Spiel gegen Kanada gesehen, einen Vorteil. Die Kanadier bauen immer noch auf ihre physischen Spieler. Es zählt immer noch Grösse und Gewicht vor spielerischem Können. Noch, kann man getrost anfügen. Denn in den Junioren Ligen in Kanada wird auf die nächste Saison hin ebenfalls die härtere Gangart umgestellt. So kann es nicht erstaunen, dass die besten Spieler der Liegen sich mit der an den Internationalen Turnieren nun strenger geahndeten Vergehen teilweise überfordert sind, nicht wissen, was sie nun dürfen und was nicht. Dies ist auch einer der Punkte, die der kanadische Coach Brent Sutter zu berücksichtigen hat. Der Besitzer, General Manager und Coach der Red Deer Rebells in der Western Hockey League, muss sich neu orientieren, wenn er im nächsten Jahr in Schweden die Krone des Juniorenweltmeisters aufsetzen will. In diesem Jahr wird er es wohl kaum schaffen, spielen doch die Ostblockländer, allen voran die Russen, besser als vor einem Jahr. Auf internationalem Niveau ist somit zu erkennen, das die neue Regelauslegung eindeutig den läuferisch, spielerischen Ländern Vorteile verschaffen gegen über Ländern, welche bisher nur mit hartem physischem Spiel brillieren konnten. Eine neue Zeitrechnung hat begonnen. Auch wenn das die Journalisten aus Kanada nicht sehen wollen. Denn noch ist Eishockey ihr Spiel, noch wissen sie alles besser. Die Frage ist nur, wie lange werden sie sich hinter den Schiedsrichtern verstecken, ehe sie merken, dass der Coach oder die Spieler das Problem sind und nicht der internationale Eishockeyverband? Spätestens nach dem olympischen Spielen werden wir es wissen.


    [zum Background-Portal]