75. Spenglercup in Davos (26.12. - 31.12)
Zurück zu den Hintergrundberichten
 |
Hintergrund TPS Turku |
TPS Turku: Der Talentschuppen der NHL
Turun Palloseura Turku, wie TPS Turku mit ganzem Namen heisst, ist in Finnland nebst Jokerit Helsinki jene Mannschaft, die am meisten NHL-Profis herausgebracht hat. Jahr für Jahr hat der aktuelle finnische Meister Abgänge Richtung Nordamerika zu verkraften. Diese kompensiert er entweder mit Spielern aus der eigenen Nachwuchsabteilung oder dann mit Rückkehrern aus der Liga der «unbegrenzten Möglichkeiten».
Der Klub ist zu bewundern: Jahr für Jahr verliert er wertvolle Spieler an die NHL oder anderen Ligen. So verliess diesen Sommer ein gewisser Kimmo Rintanen - er war der wichtigste Spieler der Meistermannschaft 2000/01 - den Verein Richtung Kloten, und auch WM-Starstürmer Timo Pärssinen (zu Anaheim) ist nicht mehr dabei. Mit Linksverteidiger Martti Järventie (Montreal), Niko Kapanen (Dallas) sowie Henrik Tallinder (Boston) packten drei weitere Teamstützen ihre Koffer und zogen Richtung NHL. Was in anderen Vereinen für hellen Aufruhr sorgen würde, lässt den TPS-Trainerstab kalt wie Eis. Zu sehr hat man sich in den vergangenen Jahren an diese Situation gewöhnt.
Starke Nachwuchsabteilung
Doch wie ist dieser alljährlich eintretende Aderlass überhaupt zu verkraften? Da wäre einmal das für europäische Verhältnisse grosse Budget von 10 Millionen Franken, mit dem man auf dem Transfermarkt doch einiges bewirken kann. TPS Turku verfügt auch über eine grosse und starke Nachwuchsabteilung, aus der immer wieder Spieler für die erste Mannschaft rekrutiert werden können. Hinzu kommt die Tatsache, dass die meisten TPS-Spieler nach ihrem NHL- oder Auslandabenteuer zum Klub zurückkehren (Kai Nurminen, Mika Alatalo etc.). Und da wäre auch noch der Stadtrivale Kiekko 67 Turku, von dem sich TPS Turku immer wieder die grössten Talente ins Haus holt. So etwa Tommy Hannus oder Jere Lehtinen, der heute in der NHL bei den Dallas Stars eine tragende Rolle spielt.
Das Aushängeschild und sein talentierter Bruder
TPS ist nach Jokerit Helsinki der Verein, der die meisten Finnen in die NHL gebracht hat. Der wohl berühmteste unter ihnen ist Saku Koivu. Der krebskranke Held der Canadiens wird in Montreal auf Grund seines Talentes und seiner Willenskraft, mit der schlimmen Krankheit gut umzugehen, verehrt wie ein Popstar. Und es ist nur eine Frage der Zeit, bis sein Bruder Mikko von Turku in die NHL wechselt. Der 1,88 m grosse und 82 kg Modellathlet gilt als einer der begehrtesten Jungstars der Welt. So war der 18-jährige Stürmer in der Entry-Draftrunde die erste Wahl der Minnesota Wilds. Da Mikko Koivu für die U20-WM aufgeboten worden ist, wird er am Spengler Cup aber nicht zur Verfügung stehen. Wie wichtig Mikko Koivu für TPS Turku ist, beweist die Tatsache, dass sich die Finnen für das Davoser Jubiläumsturnier temporär mit Petteri Nummelin (HC Lugano), Kimmo Rintanen (Kloten Flyers) und Petri Varis (ZSC Lions) verstärkt haben.
Zur Zeit spielen nicht weniger als 13 ehemalige TPS-Turku-Spieler in der NHL. Die bekanntesten sind Kimmo Timmonen (Nashville), German Titov (Calgary), Mikko Eloranta (Boston), Antti Aalto (Anaheim), Tomi Kallio (Atlanta) und Aki Berg (Toronto). Und auch zwei NHL-Torhüter durchliefen bei TPS Turku die Nach-wuchs-abteilung: Es sind dies Jani Hurme (Ottawa) und Mikka Kiprusoff (San Jose). Beide sind Torhüter der jüngeren Generation und als Backups zweier Spitzenvereine der NHL potenzielle Zukunftshoffnungen.
Nicht nur Abgänge
Aber wie bereits erwähnt, kehren immer wieder NHL-Spieler nach Finnland zurück - und landen dabei oft (wieder) bei TPS Turku. So zum Beispiel der Ex-Davoser Kai Nurminen, der in Finnland immer noch eine grosse Nummer ist. Oder dann Peter Schaefer. Der Vertragspoker in Vancouver ging für einen der besten Spieler der letzten NHL-Saison überraschend schlecht aus. Der Topskorer, der massgeblich an Vancouvers Playoffqualifikation beteiligt war, musste sich gleich nach Saisonbeginn einen neuen Arbeitgeber suchen - und fand ihn in Finnland bei TPS Turku. Für den finnischen Meister ist der Stürmer ein Glücksgriff: Denn Schaefer hat solides NHL-Format und ist keinesfalls ein «aussortierter NHL-Spieler». Der linke Flügel besticht trotz kleiner Gestalt durch eine starke Physis. So schnitt der 24-Jährige bei allen Tests in Vancouver in den Top 3 ab. Auch die Zahlen sprechen für Schaefers Qualitäten: In seiner NHL-Karriere machte er in 178 Spielen 75 Punkte - und dies trotz häufigen Einsätzen in der «Checker Line».
Eine weitere schillernde Figur in den Reihen von TPS Turku ist Mika Alatalo. Vor drei Jahren liess er sich im fortgeschrittenen Alter von 28 Jahren auf das Abenteuer NHL ein. In Phoenix stieg er schnell zu einem wichtigen Stammspieler auf und erzielte in 152 Spielen 46 Punkte. Alatalo ist zwar keine Skorermaschine, aber ein wertvoller «Special Teamer», vor allem im Boxplay. Eigentlich wollte man den Stürmer in Arizona halten, doch Alatalo entschied sich trotzdem zur Rückkehr nach Finnland.