Sparta Prag: Östliches Eishockeywunder mit westlichen Geldern
Seit dem Fall der Berliner Mauer und der damit zusammenhängenden Liberalisierung des Marktes haben viele «Multis» aus dem Westen, aber auch Neo-Multis aus dem Osten, Gefallen an Investitionen bei Traditionsklubs gefunden. Ein Eishockeyklub, der von diesem Trend profitiert hat, ist der tschechische Vizemeister Sparta Prag.
Seit dem Jahr 1999 startet Sparta Prag auf dem Eishockeysektor - mindestens wirtschaftlich - durch. Zuvor profitierte der Klub lange auch von der Fussballabteilung, die mit ihren Champions-League-Prämiengeldern den Etat des polysportiven Vereins auffüllte. Heute ist die Eishockeysektion aber nicht mehr von den Erfolgen der Fussballer abhängig. Denn seit dem Einstieg des Vltava-Labe-Verlags, der zum deutschen Medienunternehmen Passauer Neue Presse gehört, geht es dem Klub ausgezeichnet. Die Kaufsumme soll damals rund 13 Millionen Franken betragen haben. Der Verlag tilgte zu diesem Zeitpunkt auch die Vereinsschulden von 22 Millionen Franken.
Aber damit noch kein Ende der Glücksgefühle für die Sparta-Familie: Die Anschutz Sports Holding Limited, die in München (Barons), Berlin (Eisbären), Genf (Servette) und London (Knights) innerhalb kurzer Zeit zahlreiche Engagements im Eishockey einging, hat vor zwei Jahren auch bei Sparta das Zepter übernommen. Sparta war das erste grosse Investitionsobjekt des Konzerns, weil der osteuropäische Markt für diesen offenbar speziell interessant erscheint.
Sportlich aufgerüstet
Gleichzeitig wurden bei Sparta auch Anschutznahe Firmen als Haupt- und Co-Sponsoren einbezogen (Siemens), was dem Klub erlaubte, das Jahresbudget auf geschätzte 7 Millionen Franken zu erhöhen. Damit ist der Etat fast doppelt so hoch wie etwa derjenige des tschechischen Meisters Slovnaft Vsetin. In Osteuropa können nur Klubs wie zum Beispiel Bars Kazan oder Magnitogorsk (beide Russland) mit diesen Zahlen mithalten.
Sportlich hat sich für Sparta dahingehend die Situation verbessert, als dass man sich unter solch finanziell komfortablen Bedingungen die besten Spieler aus der eigenen Liga leisten kann. Nicht zuletzt deswegen haben auf diese Saison hin gleich mehrere Leistungsträger von Hauptkonkurrent Vsetin die Fronten gewechselt. Zudem wurde von Budejovice der Nationalspieler und mehrfache Weltmeister Radek Belohlav mit einer für tschechische Verhältnisse hohen Summe geködert. Neben Belohlav hat Sparta weitere in der heimischen Liga sehr hoch dotierte Spieler neu verpflichtet: Radek Hamr, der letzte Saison bei Färjestads BK unter Vertrag war, den slowakischen Nationalspieler Robert Tomik und Valdemar Jirus, den Star von Stadion Liberec.
Doch der nach Belohlav am meisten beachtete Transfer war derjenige des Nationalspielers Jan Tomajko, den man von Meister Slovnaft Vsetin übernahm und der dort neben Jiri Dopita als der wichtigste Spieler im Team galt. Tomajko wurde in den Medien Tschechiens als einer der «begehrenswertesten Spieler der Liga» bezeichnet und in Prag goutierte man die Verpflichtung mit verbalem Applaus. Allerdings zahlte sich dieser Transfer insofern noch nicht aus, als dass Tomajko auf Grund verschiedener Verletzungen erst sieben Spiele für Sparta bestreiten konnte.
Der Mann im Hintergrund
Doch Sparta Prag ist für Investoren nicht nur wegen seines hochdotierten Kaders attraktiv. Vielmehr ist der Klub im ganzen Land sehr beliebt, und er kann auf eine grosse Anhängerschaft zählen. Die «Sportovni Hala», das Stadion Spartas, ist mit 14 000 Fans oft ausverkauft und die Direktübertragungen am TV werden im Durchschnitt von zwei Millionen Zuschauern verfolgt. Unter diesen Voraussetzungen lässt sich natürlich gut Geld generieren.
Das weiss auch Phillip F. Anschutz (59). Der Milliardär gilt nicht als geltungssüchtiger Multi, der mit seinen Stars protzt, Trainer und Manager wie Marionetten zappeln lässt und sich in den Vordergrund stellt. Vielmehr zieht er seine Fäden im Hintergrund - und er hat sich in der Sportwelt ein stattliches Imperium aufgebaut: So besitzt er den NHL-Traditionsklub Los Angeles Kings, die Basketballer der Los Angeles Lakers sowie drei der besten Fussballteams aus der Major Soccer League (L.A. Galaxy, Colorado Rapids und Chicago Fire). Der in Kansas geborene Unternehmer ist extrem medienscheu. Da er Interviews und Fototermine ablehnt, kann er unerkannt an Marathonläufen teilnehmen. Das US-Magazin «Fortune» bezeichnete ihn kürzlich als den «reichsten Amerikaner, von dem sie noch nie etwas gehört haben».
Einen guten Ruf hat sich die Anschutz-Gruppe in den vergangenen Jahren vor allem mit sogenannten «Real Estates» geschaffen, also der Planung und dem Bau von Immobilien und Stadien. So etwa baute Anschutz fdas wohl modernste Mehrzweckstadion der USA, das Staples Center in Los Angeles. So sehr sich Phillip F. Anschutz im Sportbusiness engagiert - das meiste Geld verdient er in anderen Branchen. Die grössten Investitionen tätigte er in der Telekommunikation (Qwest und Qwest Media), im Öl- und Gas-Geschäft (Union Pacific Resources) sowie im Railroad-Business (Union Pacific Corp.).