75. Spenglercup in Davos (26.12. - 31.12)

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Hintergrund
HC Davos


HC Davos: Zu viel spricht gegen Arnos insgeheimen Wunsch

Seit einigen Jahren hat HCD-Trainer Arno Del Curto einen insgeheimen Wunsch: nämlich sein Team beim Spengler Cup einmal ohne Verstärkungsblock spielen zu lassen. Damit wäre endlich einmal ein ungeschminktes Bild der wahren Stärkeverhältnisse des HC Davos im europäischen Vergleich möglich. Es gibt jedoch triftige Gründe, welche gegen diesen Versuch sprechen.

Als der HC Davos Mitte der 90er Jahre wieder in der vorderen Tabellenhälfte der Nationalliga anzutreffen war und auch im Spengler Cup wieder zu gefallen wusste, wurden plötzlich Stimmen laut, die man seit Jahrzehnten nicht mehr gehört hatte: «Wie wäre es, wenn der HCD wieder einmal ohne Verstärkungsblock am Turnier teilnehmen würde?», lautete die zentrale Frage. Es war unter anderem auch HCD-Trainer Arno Del Curto, der nicht abgeneigt war, einmal diesen Versuch zu wagen.

Genug stark für internationalen Vergleich

In der Tat gäbe es in der gegenwärtigen Verfassung des HCD gute Gründe, einmal auf den Verstärkungsblock zu verzichten. Einerseits wäre es eine sportliche Herausforderung, das Turnier mit der Meisterschaftsmannschaft erfolgreich zu gestalten. Andererseits wäre so eine Standortbestimmung im internationalen Vergleich möglich. Besonders in diesem Jahr, in dem die Mannschaft an der NLA-Tabellenspitze mitspielt und deshalb auch auf europäischem Niveau einiges zu bieten hätte: Reto von Arx und Michel Riesen sowie Juniorennationalspieler Fabian Sutter (an der U20-WM) wurden diesen Herbst «getradet» und werten das ohnehin schon starke Team zusätzlich auf. Hinzu kommt, dass mit Reto von Arx, Michel Riesen, Patrick Fischer und Thierry Paterlini noch einige Davoser um das Olympiaticket buhlen. Sie sind «unter Beobachtung» von Nationalcoach Ralph Krueger. Seine Worte sind genug deutlich: «Am Spengler Cup müssen diese Spieler beweisen, dass sie sich auf internationalem Niveau durchsetzen können und damit in Salt Lake City eine Rolle spielen können!»

Arno Del Curto ist jedenfalls überzeugt, dass der HCD gegen andere europäische Spitzenteams durchaus ohne Verstärkungen mithalten kann: «In den vergangenen Jahren haben sich die Schweizer Topvereine so gesteigert, dass sie international den Vergleich nicht zu scheuen brauchen. Deshalb würde ich es begrüssen, wenn wir einmal ohne Verstärkungen am Spengler Cup mitspielen könnten. Die Schweizer Fans würden auch so hinter dem HCD stehen.»

Warum man nicht auf Verstärkungen verzichten sollte!

Aber Arno Del Curto ist Realist genug, um zu wissen, dass hinter dem HCD-Verstärkungsblock mehr steckt als nur eine Tradition - nämlich mithin wirtschaftliche Überlegungen. Denn nicht zuletzt dem Verstärkungsblock verdankt der Spengler Cup seinen enormen Aufschwung. In der Tat sind die Vorteile der HCD-Verstärkungen sowohl im wirtschaftlichen als auch im sportkulturellen Sinne offensichtlich: Das Turnier und die Mannschaft werden sportlich aufgewertet, und der HCD ist - unabhängig von der Verfassung in der Meisterschaft - ein heisser Kandidat auf den Turniersieg. Dies wiederum motiviert die Schweizer im Team und die «regulären» HCD-Ausländer zusätzlich. Der Heimklub erlangt mit den Verstärkungen die «Depht» (Fachausdruck für «Tiefe im Team», bzw. sehr gute Mischung mit Potenzial auf allen Positionen) einer europäischen Spitzenmannschaft. Und ein HCD als Turnierfavorit lässt die Fans in Scharen ins Davoser Eisstadion strömen.

Die Verstärkungsspieler haben aber noch einen weiteren positiven Effekt: Viele Fans anderer Schweizer Klubs pilgern auf Grund der Teilnahme eines Spielers ihres Lieblingsvereins am Spengler Cup ins Landwassertal. Auf diese Fans kann und will man in Davos nicht mehr verzichten. Die «Verstärkungs-Mania» ging in den letzten Jahren sogar so weit, dass nicht nur der HC Davos und das Team Canada Selects, sondern auch die anderen Mannschaften Verstärkungen engagierten - so wie dieses Jahr TPS Turku und Adler Mannheim.

Beim HCD ist man jedoch auch aus rein praktischen Überlegungen auf Verstärkungsspieler angewiesen. Denn die Bündner verfügen - ihrer Klub-Philosophie entsprechend - über zahlreiche Nachwuchsspieler, die zum Stamm der ersten Mannschaft gehören. Da die «jungen Wilden» jedoch zwischen Weihnachten und Neujahr vom Verband an die U20-WM abbestellt werden, würde dem HCD ein ganzer Block fehlen. So muss Arno Del Curto dieses Jahr am Spengler Cup auf die U20-Internationalen Andres Ambühl, Andreas Camenzind, Beat Forster und Fabian Sutter verzichten, welche allesamt Stammspieler beim NLA-Tabellenführer sind. Und selbst Ersatzgoalie Jonas Hiller befindet sich auf der Pikettliste der U20-Nationalmannschaft.

«Das ist der zentrale Punkt: Wir können doch nicht fünf Matches in sechs Tagen mit nur drei Linien durchspielen, ohne dass dies im Januar in der Meisterschaft Konsequenzen hätte.» Mit Konsequenzen meint Del Curto das berühmte «HCD-Januarloch». Schon mit den Verstärkungen bekundete das Team in den vergangenen Jahren jeweils im Januar Mühe, weil es an Kraft und Spritzigkeit fehlte. Kaum auszudenken, was passieren würde, wenn die HCD-Cracks am Spengler Cup noch mehr gefordert würden. Speziell in dieser Saison, wo das Meisterschaftsprogramm auf Grund der Olympiapause im Februar noch dichter gedrängt ist. Deshalb wird der HC Davos auch in den nächsten Jahren am Spengler Cup auf einen Verstärkungsblock zurückgreifen müssen - und Arno Del Curtos heimlicher Wunsch nach dem «HCD unplugged» wird ein frommer Wunsch bleiben.