75. Spenglercup in Davos (26.12. - 31.12)

Zurück zu den Hintergrundberichten

Hintergrund
Team Canada


Team Canada Selects: Sprungbrett und Auffangbecken für NHL-Kandidaten

Der Spengler Cup Davos wartet jedes Jahr mit einer besonderen Eigenheit auf: Mindestens ein bekannter NHL-Crack ist meistens dabei, und es lauern im Team Canada Selects noch weitere Spieler, die das Traditionsturnier als Sprungbrett in oder zurück in die National Hockey League (NHL) benutzen. Diesbezüglich wurden in Davos schon viele Geschichten geschrieben.

Die Spieler des Teams Canada Selects zeichnet während des Turniers eine besondere Gabe aus: Der Spass an der Teilnahme gepaart mit einem unbändigen Siegeswillen. Die Mannschaft ist bunt zusammengewürfelt aus Europa-Profis - mehrheitlich aus der Schweizer Nationalliga und der Deutschen Eishockey Liga (DEL) - sowie einigen Team-Canada-Kaderspielern. Und sie ist mit vier Turniersiegen der erfolgreichste Spengler-Cup-Teilnehmer der vergangenen zehn Jahre.

Einige der Spieler gehen jeweils mit einem besonderen Hintergedanken an das Davoser Traditionsturnier: Es handelt sich um Cracks, die entweder den Sprung in die NHL (noch) nicht ganz geschafft haben und ein Überbrückungsjahr im Team Canada absolvieren oder auch um ehemalige NHL-Superstars, die den Ansprüchen der stärksten Liga der Welt vermeintlich nicht mehr genügen. Diese Spieler nutzen den Spengler Cup als Chance, sich wieder in Erinnerung zu rufen und für NHL-Clubs aufzudrängen. Bekannt ist nämlich, dass in Nordamerika die Leistungen einiger Spieler in Davos mit Argusaugen betrachtet werden.

Dank dem Spengler Cup zurück in die NHL

So erinnert man sich an den Torhüter Fred Brathwaite, den dunkelhäutigen Publikumsliebling der Spengler-Cup-Austragung 1998, der als wertvollster Spieler (Most valuable Player) und All-Star-Spieler des Turniers ausgezeichnet wurde. Brathwaite, zuvor in der NHL mit Edmonton mit wenig Erfolg behaftet, war damals der Garant für den Turniersieg der Kanadier und begeisterte Fans und Scouts gleichermassen. Die Kunde seiner starken Leistungen in Davos war bis nach Calgary durchgedrungen, wo man den zuvor ins dritte Glied zurückversetzten Torhüter gleich nach dem Turnier wieder einfliegen liess. Brathwaite, gestärkt und mit viel Selbstvertrauen, packte die neue Chance und wurde die Nummer Eins bei den Calgary Flames. Diese Saison ist er noch immer ein Star, auch nach seinem Wechsel zu den St. Louis Blues. Gerne erinnert sich der Keeper heute noch an den Spengler Cup zurück: «Das Turnier in Davos hat mich wieder ins Gespräch gebracht. Was für ein Glück, dass ich dort war!»
Von Andy Murray bis Dave King

Schillernde Persönlichkeiten findet man am Spengler Cup nicht nur unter den Spielern, sondern auch bei der Coaching Staff. Zwei der erfolgreichsten Team-Canada-Coaches am Spengler Cup waren Andy Murray und Dave King. Speziell Letzterer hamsterte nicht nur Spengler-Cup-Siege, sondern auch Weltmeistertitel und WM-Medaillen. Und auch er schaffte nach einem Spengler-Cup-Sieg den Sprung zurück in die NHL nach Calgary und später zum Expansion-Team Columbus Blue Jackets. Andy Murray, auch mal nicht sonderlich erfolgreich in Lugano tätig, konnte nach seiner Spengler-Cup-Teilnahme als Trainer der «Crazy Canucks» in der NHL Unterschlupf als Chefcoach der Los Angeles Kings finden, bei denen er die letzten drei Saisons mit gutem Erfolg gearbeitet hat.


Im gleichen Jahr war ein anderer Superstar dankbar, beim Spengler Cup teilgenommen zu haben: Doug Lidster! Der hochdekorierte und erfolgreiche NHL-Veteran fand keinen Verein mehr und heuerte beim Team Canada Selects an. Seine solide Leistung veranlasste die Dallas Stars, ihn für die Playoffs als Notnagel für das vierte Verteidigerpaar zu engagieren. Nach etwas Verletzungspech im Team des nachmaligen Stanleycup-Siegers mutierte Lidster in den Playoffs sogar zum Stammspieler. Damit vollzog er den Sprung vom «Abstellgleis» via Spengler-Cup-Turniersieg bis zum Stanleycup-Gewinner innerhalb nur einer Saison. Lidster weiss heute noch, was er dem Davoser Turnier zu verdanken hat: «Ohne den Spengler Cup hätte man sich nie an mich erinnert und ich hätte diese Chance zum Stanley-Cup-Sieg nie erhalten!»

Eine illustre Liste von Namen

Es gibt viele solche und ähnliche Geschichten von Stars, die den Grundstein ihrer Karriere oder des Wiederentdeckens beim Spengler Cup gelegt haben: Wayne Primeau, der Bruder von Keith, und Vaclav Varada spielten 1996 mit den Rochester Americans in Davos. Zwei Monate danach gaben sie ihren Einstand in der NHL für Buffalo und zwei weitere Jahre später standen sie mit Startorhüter Hasek im Stanley-Cup-Final. Im Team von Rochester war damals auch ein Spielertrainer engagiert, dessen Name bei den «Puristen» der 80er-Jahre entzücken hervorrufen wird: Charlie Huddy, Mitglied der stärksten Mannschaft aller Zeiten (Edmonton Oilers mit Gretzky, Coffey, Fuhr, Tikkanen, Kurri, McSorley, u.v.m.), gab sich in Davos die Ehre.

Die Namenliste mit Spielern, die am Spengler Cup für das Team Canada Selects spielten und gleich im Anschluss auf Grund ihrer Topleistungen in der NHL eine Chance erhielten, ist mittlerweile lang. Marty Murray, der zweimal am Spengler Cup teilnahm, spielt heute ebenso wieder in der NHL wie Benoit Hogue und Mike Peca, die beide im letzten Jahr mit ihren starken Leistungen für Aufsehen sorgten. Peca verletzte sich zwar gleich in seinem ersten Spiel. Nichts desto trotz wollte er aber das Turnier als ideale Vorbereitung für die NHL nutzen. Damals weigerte sich der mehrfach als bester Defensivcenter der NHL ausgezeichnete Spieler für Buffalo einzulaufen, weil die ihm offerierte Lohnsumme zu niedrig schien. Er hoffte (vergebens) auf einen baldigen Vertrag bei einem anderen Klub. Einen solchen erhielt er erst in dieser Saison bei den New York Islanders. Benoit Hogue (Stanley-Cup-Sieger 1998 mit Dallas) kehrte indessen direkt nach dem Spengler Cup nach Phoenix zurück und erhielt dort nochmals eine Chance. Auch ein gewisser Grant Ledyard - er kann auf über 14 Jahre NHL-Erfahrung zurückblicken - fand kurzfristig den Weg in die NHL zurück - via Spengler Cup natürlich...