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Niederlage nach Penaltyschiessen
Von Urs Berger
Es scheint als würden olympische Spiele unsere Eisgenossen beflügeln. Erneut forderten sie die Kanadier in einem packenden Spiel heraus. Diesmal hielten die Kanadier das bessere Ende für sich. Sie gewannen nach Penaltyschiessen mit 3:2.
Welch ein Spiel heute Nacht. Erst nach Penaltyschiessen konnten sich die Kanadier am Sieg erfreuen. Blenden wir zurück. Genau vor vier Jahren gewannen die Schweizer gegen die Kanadier mit 2:0 Und die Kanadier wollten Revanche nehmen. Die Frage war denn auch berechtig, ob sich die Kanadier an den Schweizern rächen würden oder nicht. Um diese Frage zu beantworten, versuchten die Kanadier von Beginn an mit ihren schnellen Angriffen und dem Körperbetonten Spiel den Schweizern den Schneid abzukaufen. In den ersten Minuten schien diese Rechnung denn auch aufzugehen. In der 10. Spielminute traf Dany Heatley nach einem erneuten Aussetzer von Yannick Weber zum 1:0 für die Einheimischen. Bereits im ersten Spiel hatte Weber zwei solche Aussetzer was den Schweizern schlussendlich die gute Leistung minderte. Die Schweizer versuchten nicht nur mitzuhalten, sondern auch aktiv am Spielgeschehen teilzunehmen. So wurde Martin Brodeur des Öfteren von den schnellen und wendigen Stürmern der Schweizer geprüft. Vor allem Martin Plüss und Ivo Rütheman waren dabei immer wieder auffällig. Ein sollte im ersten Durchgang für die Schweizer nicht fallen.
Zwei Tore im mittleren Abschnitt
Der mittlere Spielabschnitt begann aus der Sicht der Schweizer Nationalmannschaft unglücklich. Bereits nach 35 Sekunden konnte Shea Weber auf 2:0 erhöhen. Dabei profitierte der Verteidiger der Kanadier von seinem Team Kollegen Dany Heatley. Der Kanadier wurde so angeschossen, dass Weber nur noch direkt abziehen konnte und am verdutzen Hiller vorbei das Tor traf. Die Kanadier schienen, sich nun der Sache sicher zu sein. Die Schweizer kamen dadurch zu guten Chancen. Auffallend dabei war, dass die Linie Rüthemann, Plüss und Paterlini die besten Chancen hatten. So auch in der 25. Minute als Rüthemann, Plüss und der mitgelaufen Thomas Déruns an Martin Brodeur scheiterte. Die Schweizer konnten nun auf einmal mit mehr Platz auf dem Eis rechnen und setzen die Kanadier unter Druck. In der 29. Minute entwischte den Kanadiern Ivo Rüthemann nach einem schönen Zuspiel von Martin Plüss der ganzen Verteidigung der Kanadier. Mit einem satten Schuss auf die rechte Seite bezwang der Stürmer Brodeur ein erstes Mal. Die Kanadier blieben aber ihrem System treu und liessen den Eisgenossen nach wie vor viel Raum. Dies rächte sich 10 Sekunden vor Drittelsende als Patrick von Gunten sein erstes Tor dieses Turniers erzielen konnte. Via Schlittschuh von Patrick Marleau fand die Scheibe den Weg in das Tor.
Druck Kanadas nimmt zu
Der letzte Spielabschnitt versprach also Hochspannung. Wer nun dachte, die Schweizer liessen sich nur noch in die Defensive drängen, sah sich getäuscht. Immer wieder kamen die Eisgenossen zu guten Abschluss Möglichkeiten. Doch Brodeur hielt hinten dicht. Über mangelnde Arbeit konnte sich aber auch Jonas Hiller nicht beklagen. Immer wieder stand der Torhüter der Anaheim Ducks im Scheinwerferlicht der Kameras. Wie sein Gegenüber machte aber auch er, zusammen mit einer sehr guten Defensive, seine Arbeit gut. Und mit Fortdauer des Spieles wurden die Kanadier nervöser. Sie versuchten nun aus allen Positionen ein Tor zu erzielen. Die Eisgenossen konnten dadurch ihr gefährliches Konterspiel machen. Dies gefiel Mike Babcock nicht und er nahm in der 54. Minute sein Time-out. Nur eine Minute später musste dann Thierry Paterlini auf die Strafbank. Die Eisgenossen verteidigten das Tor gekonnt und liessen kaum gute Schüsse auf das Gehäuse von Hiller zu. Eine Verlängerung musste so die Entscheidung bringen. Diese wurde mit jeweils vier Feldspielern bestritten.
Penalty Glücklos
34 Sekunden waren gespielt, als Rick Nash alleine auf Jonas Hiller losziehen konnte. Dabei verlor der kanadische Stürmer die Balance und fuhr in Hiller. Dieser Griff sich an den Kopf und das Spiel wurde unterbrochen. So konnte Hiller weitere wertvolle Sekunden der Erholung für seine Mitspieler verschaffen. Kanada versuchte nun alles. Doch immer wieder blieben diese an der Schweizer Verteidigung hängen. Kurz nach der Hälfte der Spielzeit in der Verlängerung vergab zuerst Roman Wick und danach Romano Lemm aus guter Position den möglichen Siegestreffer. Sekunden vor dem Ablauf der Verlängerung waren die Kanadier am Siegestreffer nahe. Rick Nash scheiterte an Jonas Hiller ebenso wie zu vor Joe Thornton oder Dany Heatley. Ein Penaltyschiessen musste die Entscheidung bringen. In dieser waren die Kanadier mit dem insgesamt achten Versuch erfolgreich. Sidney Crosby erlöste eine ganze Nation, als er seinen Schuss platziert neben Jonas Hiller in das Tor schoss.
“Wir können es besser!“
Nach dem Spiel spürte und hörte man dann die Enttäuschung der Schweizerspieler. So liess in etwa Martin Plüss seinem Unmut mit einem lauten Ausruf freien Lauf. Auch die anderen Schweizer Spieler waren enttäuscht. „Trotz einer guten Leistung haben wir am Ende nicht gewonnen. Das ist sicherlich eine Enttäuschung. Dennoch dürfen wir mit der gezeigten Leistung zufrieden sein. Auf diese können wir für die kommenden Spiele aufbauen,“ führt etwa Jonas Hiller aus. Auch Ralph Krueger findet, dass seine Mannschaft in diesem Jahr eine bessere Leistung abgerufen hätten als in Turin vor vier Jahren. „Ich stufe diesen Sieg höher ein, als denjenigen vor vier Jahren. Wir mussten einem 0:2 Rückstand nachlaufen und mussten so das Spiel in die Hand nehmen. Dies haben wir mit einer guten Balance zwischen Verteidigung und Angriff gemacht. Nur dank dieser geschlossenen Leistung haben wir es zu verdanken, dass wir hier einen Punkt geholt haben. Jedoch, wenn ich ehrlich bin, hätten wir die beiden Punkte verdient gehabt.“ Nicht zufrieden zeigten sich auch die kanadischen Spieler. „Wir können uns noch steigern. Und das müssen wir auch, wollen wir weiterkommen. Es war lange ein offenes Spiel und Jonas Hiller hatte einige gute Paraden gezeigt,“ führt Ryan Getzlaf aus. Auch Scott Niedermayer war nicht zufrieden mit dem Spiel. „ Wir können besser spielen, als wir dies heute gezeigt haben. Wir müssen wirklich besser werden,“ führt er weiter aus. In das gleiche Horn stösst auch Mike Babcock. „Wir müssen noch mehr arbeiten, wollen wir hier den Tittel gewinnen. Aber ich denke, dass wir dies erreichen können. Denn am nächsten Samstag haben wir bereits gegen die USA die Chance zu zeigen, dass wir es besser können.“ Ebenfalls am nächsten Samstag spielen die Schweizer das nächste Gruppenspiel. Im abschliessenden Spiel trifft man auf Norwegen. Sollte man dieses Gewinnen, so würde man auf einen einfacheren Gegner treffen. Und damit dem Viertelfinale einen Schritt näher sein.
Telegramm:
Schweiz - Kanada 2:3 n.P. (0:1, 2:1, 0:0, 0:0, 0:1)
Canadian Hockey Place, Vancouver. - 17019 Zuschauer. - SR: Larue (USA)/Vinnerborg (SWE); Feola/Nowak(USA)).
Tore: 9:21 Heatley (Marleau, Toews) 0:1; 20:35 Marleau (Heatley, Weber; Ausschluss Weber) 2:0; 28:59 Rüthemann (Plüss) 1:2; 39:50 von Gunten 2:2; 65:00 Crosby 2;3.
Strafen: 7-mal 2 Minuten gegen die Schweiz, 1-mal 2 Minuten gegen Kanada.
Torschüsse: 23:47 ( 8:17, 9:10, 3:18; 3:1 ).
Bemerkungen: 54:43 Time-Out Kanada .
Penalty: Domenichelli verschiesst, Crosby verschiesst, Lemm verschiesst, Toews verschiesst, Wick verschiesst, Getzlaf verschiesst, Crosby trifft, Plüss verschiesst
Schweiz: Hiller (Stephan); Streit, Weber; Blindenbacher, Sbisa; Seger, Furrer; Diaz, von Gunten; Paterlini, Plüss, Rüthemann; Wick, Jeannin, Lemm; Domenichelli, Sannitz, Sprunger; Ambühl, Deruns, Monnet .
Kanada: Brodeur (Fleury); Weber, Niedermayer; Pronger, Boyle; Keith, Sebrook; Doughty; Igninla, Nash, Crosby; Marleau, Heatley, Thornton; Staal, Perryy, Getzlaf; Morrow, Toews, Richards; Bergeron.
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Fotos von Thomas Oswald © |Diashow anzeigen
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