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Peter Zahner: "Wir haben aus Salt Lake City gelernt"

Von Urs Berger, Fotos von Thomas Oswald

An den U20-Weltmeisterschaften in Vancouver konnten wir uns mit dem Direktor des Schweizerischen Eishockeverbandes (SEHV), Peter Zahner über die Olympiade in Turin, die verschiedenen Zielsetzungen der beiden Teams und den Lehren aus Salt Lake City unterhalten.

Peter Zahner, in 18 Tagen beginnen die Olympischen Spiele in Turin. Zum ersten Mal ist die Schweiz mit zwei Eishockey-Nationalmannschaften dabei. Welche Gefühle haben Sie bei diesem Gedanken?
Peter Zahner: Es ist eine grosse Herausforderung für uns. Wir hatten eine solche Situation noch nie. Die Olympischen Spiele sind immer etwas Spezielles. Wir waren 1992 in Albertville dabei und danach hatten wir eine Durststrecke, bis wir 2002 in Salt Lake City wieder dabei waren. In dieser zehnjährigen Absenz haben wir einiges an Kredit verloren, welchen wir uns wieder erarbeiten mussten. So ist es um so erfreulicher, dass wir mit den Herren und mit den Frauen an den Olympischen Spielen dabei sein können.

An den letzten Olympischen Spielen lief ja nicht alles nach Wunsch. Welche Lehren hat der Verband aus den damaligen Vorkommnissen gezogen?
Swiss Olympics hat uns vor Salt Lake City 2002 informiert, dass wir erst wissen, was Olympiade heisst, wenn wir dabei sein werden. Dies war denn auch so. Die Eindrücke an Olympischen Spielen sind anders als an Weltmeisterschaften. Diese Erfahrungen haben wir nun gemacht und daraus unsere Lehren gezogen.

Und welche Lehren sind das?
Nach den Spielen in Salt Lake City sind wir zusammen gesessen und haben einen Bericht verfasst. Die daraus resultierenden Ergebnisse haben wir nun in diese Vorbereitungen einfliessen lassen. Wir wollen so vermeiden, dass wir die gleichen Fehler, welche wir in Salt Lake gemacht haben, nicht wiederholen. Das heisst im Klartext, dass wir diese Fehler nicht mehr machen wollen, da wir diese hier (tippt sich an die Stirn) gespeichert haben. Wir wissen was wir falsch gemacht haben und das wollen wir nicht mehr wiederholen.

Was heisst das konkret?
Das heisst, dass wir uns nicht von allem Drum und Dran beeindrucken lassen dürfen. Dies ist vor allem für die Frauen-Nationalmannschaft enorm wichtig, welche ja das erste Mal den diesen Spielen teilnimmt.

Das heisst, dass der Direktor des SEHV sehr gefordert ist?
Ja, das ist er.

Wie machen Sie das?
Eine der Lehren, die wir daraus gezogen haben, ist die Information der Beteiligten. Wir senden den Spielerinnen und Spielern periodisch E-Mails. Dies Enthalten drei bis vier Informationen. Mehr nicht. Darin sind Informationen enthalten, wie die Akkreditierung abläuft, wie die Situation der Hotels ist, welche Kleidervorschriften gelten, dass man nur mit einer bestimmten Kreditkarte zahlen kann und anderes. All diese Informationen sind wichtig und dies muss man wissen, wenn man sich auf die Spiele vorbereitet. Denn wir wollen ja nicht einfach nur dabei sein, sondern auch eine gute Leistung erbringen und einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Welche Fehler wurden denn sonst noch gemacht in der Vorbereitung auf Salt Lake City?
Einer der Fehler war die Selektion der Spieler. Wir haben diese in einem zweistufigen Prozess gemacht. Zu erst haben wir 17 Spieler aufgeboten und danach die restlichen drei Spieler. Das hätten wir auch dieses Jahr so machen können. Aber das wollten wir vermeiden. So haben wir alle 23 Spieler zum gleichen Zeitpunkt nominiert.

In der Presse konnte man in den letzten Tagen sehr viel über den "Fall Reto von Arx" lesen. Was ist Ihre Meinung zu diesem Thema?
Es ist klar, dass dieses Thema die Journalisten interessiert und auch aufgegriffen wird. Doch es ist nicht korrekt, wenn man über eine Person schreibt, die in den letzen vier Jahren nicht mehr in der Nationalmannschaft war. Wir konzentrieren uns lieber auf den aktuellen Kader und dessen Spieler, als auf die Vergangenheit. Mehr möchte ich dazu nicht mehr sagen.

Die Zielsetzungen sind klar für die Olympischen Spiele. Bei den Herren wird ein Platz unter den ersten acht angestrebt, bei den Frauen einer unter den ersten sechs. Gerade bei den Frauen scheint uns diese Platzierung recht optimistisch zu sein.
Das sehe ich nicht so. Von den acht teilnehmenden Nationen sind sieben in der A-Gruppe. Italien, welche in der C-Division spielen, ist als Gastgeber gesetzt. Das heisst, dass wir vom Verband nicht die Zielsetzung herausgeben können, dass wir Siebter werden wollen. Denn so wären wir ja, ohne die Italiener beleidigen zu wollen, Letzte. Also mussten wir unsere Zielsetzung so wählen, dass wir einen Schritt nach vorne machen und uns verbessern können. Das sind unsere Überlegungen, welche wir uns gemacht haben.

Aber gerade im Frauenhockey ist es doch schwer, in die Phalanx der grossen Sechs vorzudringen?
Das stimmt. Man muss sehen, welche Nationen das Fraueneishockey dominieren. Das sind die Kanadierinnen und die Amerikanerinnen. Dies wird mit grösster Wahrscheinlichkeit auch das Spiel um den Olympiasieg sein. Dahinter, mit einem grossen Abstand kommen die Schweden, Finnen, Deutschen und die Russen. Wiederum mit einem gewissen Abstand, aber nicht so gross, kommen die Schweizerinnen. Im Dezember hatten wir gute Testspiele gegen die Russen. Dort haben wir je einmal gewonnen und verloren und ein Unentschieden erreicht. Dies zeigt doch auf, dass wir durchaus eine Möglichkeit haben, uns den sechsten Rang zu erarbeiten. Einen fünften Platz zu verlangen, das wäre dann zu viel gewesen.

Anders sieht es bei den Herren aus. Dort hat man das Erreichen der Viertelfinals als Ziel vorgegeben. Ist das nicht gefährlich, spielt man doch gegen Mannschaften, welche mit NHL-Spielern bestückt sind?
Nein, ganz im Gegenteil. Es liegt nun an uns, zu bestätigen, dass wir unter die grossen acht Nationen gehören. Aber ich stelle hier gerne eine Gegenfrage. Wenn wir nicht als Zielsetzung die ersten acht angeben, welche dann? Welche Zielsetzung sollen wir dann ausgeben?

Gute Frage. Wenn man realistisch sein will, dann stimmt die Zielsetzung.
Wieso sollten wir sie dann ändern? Wir wollen uns doch auch verbessern und nicht verschlechtern. Also haben wir diese Zielsetzung kommuniziert. Die Öffentlichkeit hätte uns ausgelacht, wenn wir gesagt hätten, Top zehn von zwölf Mannschaften. Zudem wollen wir und ja verbessern und weiter kommen. Wir können aber nur weiterkommen, wenn wir in den Top vier sind. Denn Top acht heisst einfach das Erreichen des Viertelfinals und nicht mehr. Wir wollen uns aber verbessern. Aber wenn wir dann sagen, wir wollen Olympiasieger werden, dann lacht man uns aus. Also ist das Erreichen des Viertelfinals ein realistisches Ziel. Aus diesem Grund stelle ich ja auch diese Gegenfrage.

Gehen wir auf unsre Schweizer Nationalmannschaftsspieler in der NHL ein. Wie schätzen Sie deren Leistungen ein?
Martin Gerber ist die klare Nummer eins in Carolina. Bei David Aebischer schwankt es zwischen Hoffen und Bangen, zwischen Einsatz und Bank. Bei ihm muss man aber ganz klar sehen, dass er in einer speziellen Situation ist. Er ist bei einem Trainer, der nicht unbedingt hinter allen Torhütern gleich steht, nicht nur auf David Aebischer bezogen. Zudem hat er nicht mehr die gleich starke Verteidigung vor sich wie dies zum Beispiel Patrick Roy hatte. Dies alles wirkt sich auch auf die Konstanz eines Torhüters aus. Mark Streit liefert sich einen interessanten Kampf um die Verteidigerposition Nummer sieben. Aber er ist der einzige Verteidiger der Montreal Canadiens, der an die Olympischen Spiele fährt. Das zeigt die Relationen auf, die in der NHL herrschen. Aber keines Falls schmälert das irgendeine Leistung eines unserer drei NHL-Spieler. Aber abgesehen davon muss dieses Thema nicht ich, sondern Ralph Krueger entscheiden, wer wann wo spielt und wer nicht. (lacht)

Peter Zahner. Herzlichen Dank für das interessante Gespräch. Wir wünschen Ihnen und der Delegation des SEHV erfolgreiche und gute Spiele an der Olympiade und viele positive Schlagzeilen.

Im zweiten Teil dieser Olympia-Serie haben wir mit Ralph Krueger über die Olympiade, seine Erfahrungen mit den Spielen und einem möglichen neuen Buch gesprochen.


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