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USA – Bereit Lake Placid zu wiederholen?

Von Urs Berger

22. Februar 1980, Lake Placid, USA, olympische Spiele. Die USA führen gegen die UdSSR in der Finalrunde mit 4 zu 3. Al Michaels, der damalige TV-Reporter von ABC, zählte die verbleibenden Sekunden des Spiels hinunter. "Elf Sekunden, noch zehn Sekunden, der Countdown geht jetzt richtig los... Morrow spielt zu Silk,... fünf Sekunden noch in diesem Spiel!.... Noch vier!... Glauben sie an Wunder? Ja!! Unglaublich!! Die USA gewinnt gegen die UdSSR!" Damit konnten die Amerikaner mit einem Punkt Vorsprung auf die UdSSR in das entscheidende Spiel gegen die Finnen antreten. Dieses gewann man denn auch 4 zu 2 und die Amerikaner gewannen die olympischen Spiele. Noch heute erzählt man sich die Geschichte des "Miracle on Ice". So auch dieses Jahr wieder. Die Vorzeichen sehen aber unterdessen anders aus als vor 26 Jahren, die Frage ist aber die gleiche wie damals. Kann man ein Miracle on Ice wiederholen?

Anders als Herb Brooks kann Peter Lavoilette dieses Jahr auf die Stars aus der NHL zählen. So kann der Coach der Carolina Hurricanes auf die besten Spieler aus Nordamerika zählen. Im Tor wird Lavoilette die Qual der Wahl haben. Soll er auf den wieder genesenen Robert Esche setzen? Der Schlussmann der Philadelphia Flyers spielte in dieser Saison 22 Spiele und kann zurzeit auf eine Statistik von 13 Siegen, 6 Niederlagen und 2 Unentschieden zurückblicken. Oder doch lieber auf Rick DiPietro (New York Islanders), der international die besseren Statistiken aufweist? Oder auf seinen dritten Torhüter, John Grahame, der beim amtierenden Stanley Cup Sieger, den Tampa Bay Lightning, zurzeit die Nummer eins im Tor ist? Alle drei Schlussmänner sind sicher in bestechender Form, aber keiner ist ein überragender Torhüter, dem man die Konstanz während eines solchen Turniers zutrauen kann. Hier wird sich Peter Lavoilette auf sein Gefühl verlassen müssen, welchen Torhüter er als die Nummer eins bringen will. Oder greift er in die Trickkiste und lässt die Torhüter rotieren? Auch dies wäre eine Möglichkeit, wenn auch eine etwas unkonventionelle Coaching-Massnahme.

In der Verteidigung zählt USA Hockey auf den zum vierten Mal an den olympischen Spielen teilnehmenden Chris Chelios. Chelios, der in Detroit ein eigenes Restaurant führt, ist im Spiel Mann gegen Mann kaum zu überwinden. Seine krachenden Checks an die Bande sind beim Gegner befürchtet, beim Publikum in Detroit beliebt. Er verfügt über ein sehr gutes Auge für den ersten Pass und ist denn auch für den Spielaufbau ein wichtiger Bestandteil im Team. Ob ihm aber die neue Regelauslegung des IIHF entgegenkommt, wird sich zeigen. Zudem ist er nicht mehr sehr schnell auf den Kufen und kann nicht mehr so viel Eiszeit absolvieren, welche er in den früheren Jahren gewohnt war. Dennoch ist er der wichtigste Spieler im Team. Anders sieht dies bei John-Michael Liles aus. Das "Kücken" im Team der USA hat sich bei den Colorado Avalanche zu einem wichtigen Spieler entwickelt. Er führt im Powerplay an der blauen Linie die Regie, verteilt die Scheiben und drückt auch Mal ab. Nicht nur im Powerplay erhofft sich Lavoilette Aktionen vom Liles, sondern auch bei Gleichstand der Teams. Dort soll er mit seinem Partner an der gegnerischen blauen Linie die Schüsse auf das Tor vorbereiten oder bei schnellen Breaks des Gegners die Lücken rasch schliessen und so die Tore verhindern. Keine leichte Aufgabe für den jungen Liles. Doch er ist dieser gewachsen. Ein weiterer Name, der auf der Zunge vergeht wie Eis an der Sonne, ist Brian Rafalski. Der Verteidiger der New Jersy Devils kann, ähnlich wie Liles, als Quarterback im Powerplay und als offensiver Verteidiger eingesetzt werden. Mit seiner Körpergrösse von 175 cm ist er der kleinste Verteidiger der Amerikaner. Dennoch kann er auf den grösseren Eisfeldern an Olympiade mehr erreichen, als auf den kleineren Eisflächen in der NHL. Die anderen Verteidiger der Amerikaner sind auch nicht ohne. So stehen Lavoilette die Verteidiger Derian Hatcher (Philadelphia Flyers), Jordan Leopold (Calgary Flames), Aaron Miller (Los Angeles King) und Mathieu Schneider (Detroit Red Wings) zur Verfügung. Doch können sie ihre Leistungen zurzeit abrufen oder bleiben sie blass? Die Fachwelt ist sich am streiten. Die US-amerikanische Presse wurde durch den nicht aufgebotenen Jeremy Roenick dazu "benutzt" seine Sicht der Dinge über den Kader verlauten zu lassen. Dies lies jedoch die Verantwortlichen von USA Hockey kalt und die Geschichte war um ein Intermezzo reicher. Doch sollten die US Boys keinen Erfolg haben, dann steht an erster Stelle der Kritiker Roenick mit der Bemerkung, dass sie ihn besser mitgenommen hätten als einen anderen.

Im Sturm sind die Amerikaner ausgezeichnet besetzt. Mike Knuble (Philadelphia Flyers) ist einer der besten Zweiwegstürmer der NHL. Knuble spielt schnell an den Banden entlang und liebt es, seinen Gegenspieler mit einem sauberen Check in die Bande zu hämmern. Im Penaltykilling ist er zusammen mit Brian Rolston einer der wichtigisten Spieler im Team der USA. Wie Knuble verfügt auch er über ein gutes Penaltykilling, hat einen ausgezeichneten Schuss und seine Koordination mit den Händen und den Augen ist eine der besten in der NHL. Die bisherige Schwachstelle von Rolston, der bei den Minnesota Wilds eine wichtige Rolle spielt, ist die Bereitschaft, in den Kampf Mann gegen Mann zu gehen und die Handschuhe fallen zu lassen. Dies sollte er an den olympischen Spielen nicht zu oft machen. Denn ansonsten sind diese schneller vorbei, als diese für ihn begonnen haben. Ähnliches kann man von Keith Tkachuk sagen. Auch er liebt den Kampf Mann gegen Mann, auch er muss aufpassen, dass er nicht zu viele dumme Strafen bekommt. Der mit Übergewicht in das Trainingscamp der St. Louis Blues eingerückte linke Flügel wurde trotz seinen Verletzungen nominiert und muss nun diese Nomination auch Gerechtfertigen. Doch mit seiner vierten Olympia Teilnahme sollte dies kein Problem sein, verfügt er doch über genügend Routine um allen Kritiker das Maul zu stopfen.

Die Amerikaner haben nicht nur "alte Herren" aufgeboten, sondern auch junge Spieler, welche hungrig sind. Mit Jason Blake (New York Islanders) und Erik Cole (Carolina Hurricanes) nimmt Peter Lavoilette auch Spieler mit, die in der Mannschaft nicht nur Ergänzungsspieler sind, sondern auch das eine oder andere bewegen wollen. So war den Cole im letzten Jahr in der DEL der Play-off MVP bei den Eisbären Berlin. Dort setzte er seine Schnelligkeit, seine Antrittsfreudigkeit in wichtige Tore um. Dies soll er den nun an Olympiade ebenfalls machen. Jason Blake wird wohl der schnelle und wendige Forechecker sein, der tief in der gegnerischen Zone die aufbauenden Verteidiger stören soll und so für Torchancen sorgen. Er ist, wie Cole, ein Energie Spieler, der viel Eiszeit braucht, um auf Touren zu kommen. Lavoilette wird dafür sorgen das er diese auch bekommt.

Die US Amerikaner sind bis auf die Position im Tor gut besetzt. Viele der Spieler haben internationale Erfahrungen oder sind in ihrem Team in der NHL in der Verantwortung. Doch wenn die US Boys vorne nicht die Tore schiessen und hinten die Torhüter die Tore nicht verhindern, dann wird es an den Spielen 2006 in Turin keine Medaille für sie geben. Gut möglich also, dass es wieder ein "Miracle on Ice" geben kann. Doch diesmal wir kaum Al Michaels die berühmten Worte sprechen. Denn er ist unterdessen schon im Ruhestand.

Im nächsten Teil: Schweden – Bereit für Gold?


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Short Notes

Einwohner: 290'342'554
Eingetragene Eishockeyspieler: 485'017
Eishallen: 2500

Beste Spieler: Chris Chelios
Zu beobachten: Eric Cole
Überbewerteter Spieler: Keith Tkachuk Coach: Peter Lavoilette

Was geschieht wenn.....
.... die USA schlecht abschneiden. Die Verantwortlichen von USA Hockey werden in der Presse ihr Fett abbekommen. Roenick wird wettern können und alle werden ihm recht geben. Danach wir es wieder ruhig sein und USA Hockey kann normal weiter arbeiten. Hockey ist eben unbedeutend.