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Tschechien – Bereit, Nagano zu wiederholen?

Von Urs Berger und Ivana Paulova

Der amtierende Weltmeister kennt nur ein Ziel. Olympiasieg und die Wiederholung des Traumes von Nagano 1998. In einem intensiven und spannenden Spiel gegen Russland behielt man dank einem Tor von Verteidiger Petr Svoboda in der 49. Minute mit 1 zu 0 die Oberhand. Das tschechische Volk feierte ihre Olympiasieger wie Helden und hoffte, dass sich das 2002 in Salt Lake City wiederholen würde. Die Geschichte lehrte uns aber, dass die Kanadier die Nase vorne hatten. Dieses Jahr, so hoffen die Tschechen, soll Gold wieder in ihren Händen landen. Können die Tschechen dieses Ziel erreichen?

Wien, 15. Mai 2005 kurz nach 22:30 in der Wiener Stadthalle. Die Spieler der tschechischen Republik liegen sich in den Armen. Der grosse, fast unbezwingbar scheinende Gegner Kanada, wurde mit 3 zu 0 besiegt. Die Mannschaft hat Grosses geleistet, wurde auf und neben dem Eis zu einem Team. Ein überragender Jaromir Jagr führte die Mannschaft zum Sieg. Nicht einmal eine Verletzung des Fingers konnte ihn zurückwerfen. Ganz im Gegenteil, er wurde noch stärker, noch wichtiger für sein Team. Dem damaligen Trainer Vladimir Ruzicka gelang das schier Unmögliche: er konnte Jagr in das Team einbinden und das Team akzeptierte die Rolle Jagrs. Ohne diese Einbindung wäre dies fast nicht möglich gewesen. Dennoch verzichtete der Coach darauf, die vielen tschechischen Stars an den diesjährigen olympischen Spielen zu betreuen und überliess dem international wenig erfahrenen Alois Hdamczik den Platz an der Bande. Hdamczik war Trainer der U20 Nationalmannschaft und erreichte mit dieser in Finnland 2004 den vierten Platz und ein Jahr später die Bronze-Medaille. Dennoch zweifeln die Fachleute nun an der Wahl des neuen Coaches. Die meisten sind der Meinung, dass er noch zu wenig Erfahrung auf internationalem Niveau hat.

Das Team an der diesjährigen Olympiade hat eine gute Mischung zwischen aufstrebenden jungen Spielern und erfahrenen Routiniers. Die jungen Spieler werden durch Rotislav Olesz angeführt, der auch schon an den letztjährigen Junioren-Weltmeisterschaften zu überzeugen vermochte. Dort war er Schlüsselspieler der Mannschaft. Dass er es in dieser Mannschaft wieder wird, ist kaum zu erwarten. Das kann eher Petr Prucha von den New York Rangers erreichen. Prucha gilt in der NHL als einer der schnellsten Läufer, der sehr häufig auf das Tor des Gegners schiesst. Dies zeigt auch seine Schuss-Statistik, landet doch jeder vierte Schuss im Tor. Somit führt er die Rangliste der Toreffizienz mit 27.2% an und ist mit 25 erzielten Toren in der NHL unter den Rookies zusammen mit Sidney Crosby auf dem dritten Platz.

Unter den erfahrenen Spielern des Teams muss man Jaromir Jagr nicht besonders vorstellen. Dahinter kommen die Torhüter Dominik Hasek, Tomas Vokoun und in der Verteidigung spielt Marek Zidlicky eine entscheidende Rolle. Alle drei waren schon an den olympischen Spielen 1998 in Nagano dabei und wissen, wie man die besonderen Umstände an solchen Spielen meistert. Auch der Angriff verfügt über erfahrene Spieler. Milan Hejduk, Robert Lang, Vaclav Prospal und Martin Rucinsky stellen das Gerüst, um das olympische Gold wieder zu erlangen, welches man in Salt Lake City verloren hatte. Dazu stellt man sich gerne in den Dienst des Teams, obwohl gerade dies eine der Schwächen der Tschechen zu sein scheint. Wenn der Teamgeist nicht von Anfang an stimmt, dann stürzt man rasch ab, wie die die Spieler in Salt Lake City gezeigt haben, als man "nur" siebter wurde. Eine Riesenenttäuschung für die Hockey verrückten Tschechen.

Als der neue Headcoach das erste Aufgebot bekannt gab, hatte er in der Presse einigen Gegenwind zu ertragen. Viele Spieler, die sich nicht im Aufgebot wiedersahen, benutzten die Presse, um Druck auf Hdamczik zu machen. Der Coach von Salt Lake City, Josef Augusta, nahm dann den neuen Trainer in Schutz. "Wenn ein Trainer die Nomination macht, dann ist dies nicht einfach. Er hat eine Idee, welche er mit seinen Assistenztrainern ausgearbeitet hat. Dies muss er nun in die Tat umsetzen. Zur selben Zeit hackt die Presse auf ihm herum, kommentiert jeden Entscheid und zweifelt seine Fähigkeiten an. Immer will die Presse noch den einen oder anderen Spieler im Team haben. Doch die Entscheidung liegt nicht bei ihnen, sondern beim Trainer. Dieser macht dann die definitive Entscheidung. Dies finde ich persönlich sehr gut. Er hat ein Team aufgestellt, dessen Spieler an der Weltmeisterschaft in Wien bereits die Goldmedaille gewonnen hat. Das Gerüst steht also. Um jedoch weiterzukommen, braucht es die folgenden Punkte: die ideale Zusammenstellung der Lininen, die richtige Arbeitseinstellung der Spieler, die Verfassung der einzelnen Spieler und das nötige Spielglück. Dies alles gehört in einem Turnier dazu, um den nötigen Erfolg zu haben."

Die Tschechen hoffen auf einen Rang unter den Top 3. Dies sollte möglich sein, verfügt man doch über ein breites und tiefes Kader, hat sehr gute Torhüter und eine stabile und erfahrene Verteidigung mit einem Durchschnittsalter von 29.2 Jahren. Der Sturm ist ebenfalls mit vielen international erfahrenen Spielern bestückt. Das Durchschnittsalter im Sturm liegt bei 28.4 Jahren. Dennoch bleibt ein Fragezeichen zurück. Kann die Mannschaft schnell genug zu einer Einheit finden oder, wie dies in Salt Lake City der Fall war, stehen nur individuelle Stars auf dem Eis, die nie zu einer Einheit finden? Sollte ihnen dieser Schritt gelingen, dann treten sie aus dem Schatten Russlands hervor und würden an die erfolgreichen Zeiten von 1999 bis 2001 anknüpfen, als man drei Weltmeistertitel in Serie ergatterte.


Im nächsten Teil: Kasachstan – Der Vertreter Asiens nur Kanonenfutter?


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Short Notes Tschechien
Einwohner: 10'249'216
Eingetragene Eishockeyspieler: 72'075
Eishallen: 90

Beste Spieler: Jaromir Jagr, Dominik Hasek
Zu beobachten: Petr Prucha
Überbewerteter Spieler: Tomas Voukon
Coach: Alois Hdamczik

Was geschieht wenn.....
... Dominik Hasek nicht gut spielt? Dann muss Tomas Voukon in die Bresche springen und Verantwortung übernehmen. Ansonsten steht der in der Extraliiga im Tor von Liberec stehende Milan Hinlicka bereit, um seinen Siegeszug der Weltmeisterschaften in Wien fortzusetzen. Hasek und Voukon würden dann wohl das letzte Mal im Team gewesen sein.