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Ralph Krueger: "Eine Medaille ist realistisch, aber nur mit einem Exploit"

Von Urs Berger, Fotos von Thomas Oswald

An den U20-Weltmeisterschaften in Vancouver konnten wir mit Ralph Krueger über seine Pläne sprechen, sein Buch, die Juniorenförderung und weshalb das Leben als Nationaltrainer seine Lebensqualität verbessert hat.

Ralph Krueger, die Olympischen Spiele beginnen in 17 Tagen. Mit welchen Gefühlen gehen sie in dieses Turnier?
Ralph Krueger: Ich habe ein sehr gutes Gefühl. Wir haben ein gutes Team aufgebaut, welches in den letzen vier Jahren an Tiefe gewonnen hat. Im Team sind wir auf allen Positionen gut besetzt, können gut in der Offensive spielen, haben eine gute Defensive und sind auch in den Spezialsituationen besser geworden. Das "Werkzeug" in der Gruppe wurde besser, die Dynamik verbessert. Ich persönlich freue mich sehr auf das Turnier in Turin.

Zurzeit veranstalten einige Medien einen Aufruhr wegen des ersten Aufgebotes. Es sei, so deren Interpretation, zu wenig Davoser im Team. Wie stehen Sie zu dieser Behauptung?
Ich habe in den letzen neun Jahren noch nie auf den Klub geschaut und werde dies auch in Zukunft nicht machen. Ich biete Spieler auf und nicht Klubs.

Das ist eine klare Aussage, die wir so akzeptieren. Wenn man in ihre Vergangenheit schaut, waren sie sowohl Spieler wie auch Trainer. Welchen Unterschied gibt es zwischen Spieler und Trainer?
Das ist ein recht grosser Unterschied, den man nicht unterschätzen darf. Als Spieler ist man in einer anderen Welt und schaut mehr auf sich. Als Trainer muss ich immer die ganze Mannschaft, das ganze Kollektiv sehen. Ich sage dem gerne das ganze Bild. Es ist auch so, dass ich als Coach, während einem Turnier, nie ganz loslassen kann, ich mich immer auf das nächste Spiel, auf den nächsten Gegner vorbereite. Als Spieler kann ich zwischen den Spielen etwas abschalten, Distanz gewinnen. Aber als Coach darf ich das nicht. Ich muss immer zu 100% konzentriert bleiben und das Turnierziel vor meinen Augen haben. Aber es gibt noch andere Unterschiede. Als Spieler muss ich körperlich bereit sein, als Coach muss ich im Kopf fit sein. Zudem muss man reifen und auch bereit sein für dieses Amt.

Als Spieler hatten Sie sicher auch Coaches, die sie nicht liebten und umgekehrt. Wie sind Sie in diesen Situationen umgegangen?
Das gab es sicher. Ich war immer sehr direkt und sehr offen mit meiner Meinung. So war es normal, dass wir nicht immer einer Meinung waren und es zu Meinungsverschiedenheiten kam. Dennoch versuchte ich mich als Spieler in das Team zu integrieren und nur das beste für das Team zu wollen. Dies hat aber nicht immer geklappt und so haben entweder ich oder der Coach den Verein gewechselt. Als Coach bin ich nun in einer anderen Rolle mit einer anderen Verantwortung.

Sie sprechen gerade die Verantwortung an. Als Trainer ist man immer im Rampenlicht. Welche Rolle ist schwieriger zu erfüllen, diejenige als Klubtrainer oder diejenige als Nationaltrainer?
Ich trage als Nationaltrainer die Verantwortung einer Nation auf meinen Schultern. Das ist ein Druck, den ich nicht mit dem Druck vergleichen kann, den ich als Klubtrainer hatte. Der Klub stellt Regeln auf, welche eingehalten werden müssen. Aber grösserer oder kleinerer Druck gibt es auf beiden Positionen nicht. Es gibt nur die grössere Verantwortung. Als Nationaltrainer habe ich eine grössere Verantwortung wahrzunehmen als diese eines Klubtrainers. Das ist der grösste Unterschied.

Welchen Einfluss hat der Beruf Nationaltrainer auf das Leben von Ralph Krueger?
Einen sehr grossen. Noch einmal, der Druck und die Verantwortung ist eine grosse Last, die ich aber gerne trage. Auf der anderen Seite konnte ich durch meinen Beruf mehr Freizeit gewinnen, welches sich auf meine Lebensqualität als Mensch positiv ausgewirkt hat. Ich habe nun mehr Zeit für meine Familie, kann mehr unternehmen mit ihr und bin dadurch mehr zu Hause. Das heisst nun aber nicht, dass ich während dieser Zeit nicht für die Nationalmannschaft arbeite (lacht). Ich kann einfach zu Hause besser abschalten, kann mir mehr Gedanken über das Spiel und die Nationalmannschaft machen, und kann auch besser philosophieren.

Sie sprechen gerade philosophieren an. Würden Sie das Buch, das Sie geschrieben haben (Teamlife), noch einmal schreiben?
Ja, ganz sicher, ich würde das noch einmal so machen. Es war ein Lernprozess und das Buch war ein Riesenerfolg. Diese philosophische Phase wurde auch durch den Erfolg bestätigt. Dieses Projekt des Buches wollte ich schon immer machen und es gibt sicher irgendeinmal wieder ein solches Projekt, das ich verwirklichen will. Es war für mich ein wunderschönes Erlebnis, angefangen beim Schreiben bis zu den Reaktionen der Leserschaft. Ich habe das nicht so erwartet und heute noch erhalte ich Feedback von Lesern und aus der Öffentlichkeit.

Wir sind hier an der Juniorenweltmeisterschaft in Vancouver. Welche Wege muss das Schweizer Eishockey noch gehen, um mit den grossen Nationen mithalten zu können?
Wir brauchen noch mehr Konkurrenz, noch mehr Spiele gegen die grossen Nationen. Ich weiss es selber nicht genau, wo man noch alles ändern kann. Aber die Nationalmannschaften im Juniorenalter brauchen noch mehr internationale Erfahrung und mehr Spiele. Das, was ich nun gesagt habe, ist nur die Arbeit auf dem Eis. Die Schweiz muss aber auch neben dem Eis besser werden. Dort ist das Hauptproblem. Wir müssen in diesem Bereich besser werden, müssen und dort professionellere Strukturen erarbeiten, mehr machen für die jungen Leute. Das liegt an jedem einzelnen der Beteiligten. Jeder muss jeden Tag daran Arbeiten, dass wir an die Weltspitze aufschliessen können. Denn wir sind noch nicht so weit, dass wir an den Juniorenweltmeisterschaften unter die Top sechs Nationen abschliessen können. Dies bedeutet, dass wir jeden Tag, die Spieler, Trainer, Funktionäre hart daran arbeiten müssen.

Wo liegt die Wurzel des Übels begraben? Bei den Klubs, welche teilweise nicht professionell geführt werden, oder an den jungen Spielern, welche sich auch sagen, ich kann ja dann, wenn ich nicht mehr will, etwas Anderes machen?
Es liegt an den Spielern. Jeder Spieler muss die Eigenverantwortung übernehmen. Jeder muss bereit sein mehr zu geben als sein Konkurrent, jeder muss an sich hart arbeiten, um zum Erfolg zu kommen. Natürlich haben wir sehr gute Ausbildner und Trainer in der Nachwuchsarbeit. Diese können aber nicht die Verantwortung der Spieler übernehmen. Diese Verantwortung liegt alleine bei den Spielern. Wenn diese dann auch von Ihnen wahrgenommen wird, dann entwickeln sich die Spieler weiter. Aber die Verantwortung liegt nicht beim Trainer, sondern beim Spieler.

Der Gewinn einer Medaille an den Weltmeisterschaften oder an den Olympischen Spielen ist sicher ein Traum eines jeden Trainers. Ist das auch bei Ihnen so?
Ich bin sehr stolz auf das Erreichte mit der Nationalmannschaft. Jeder Spieler, der in diesem Team ist, hat es verdient mit einem Exploit einmal eine Grosstat zu erreichen. Ein Medaillengewinn wäre das grösste aller Gefühle. Dies hätte auch dieses Team verdient. Jeder der hier spielt, darf mit Recht darauf stolz sein, was er und das Team erreicht haben. Aber mit oder ohne Gewinn einer Medaille, ich persönlich geniesse jede Minute mit dem Team und ich arbeite auch sehr gerne mit den Spielern zusammen.
Der Traum einer Medaille, um auf die Frage zurückzukommen, ist klein aber realistisch. Das wissen die Spieler, das wissen die Fans und das weis auch ich. Ich glaube, dass alle Beteiligten, wenn wir eine Medaille gewinnen würden, sei das nun in Turin oder wo auch immer, eine Riesenfreude haben würden.

Wagen wir noch einen Blick in die Kristallkugel. Die Eishockeyweltmeisterschaften 2009 finden in der Schweiz statt. Wird diese einen neuen Schub für das Schweizer Eishockey geben?
Das war schon 1998 so, als wir in Basel und Zürich die Weltmeisterschaften hatten. Dies gab dem Eishockey in der Schweiz Auftrieb. Ich hoffe natürlich, dass dies auch 2009 der Fall sein wird.

Ist Ralph Krueger auch an den nächsten Olympischen Spielen in Vancouver der Nationaltrainer?
Das ist eine lange Zeit und zurzeit zählt für mich nur die Olympiade in Turin. Aber wenn ich dabei sein darf, dann wäre ich sicher sehr glücklich.

Ralph Krueger wir wünschen Ihnen und dem Team viel Erfolg an den Spielen in Turin und danken Ihnen für das Gespräch.

Im dritten Teil dieser Olympia-Serie: Einführung in das Fraueneishockey und deren Turnierform.


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