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Kasachstan – Überraschung an Olympia möglich?
Von Urs Berger und Henrik Lundqvist
Die Kasachen qualifizierten sich mit nur drei geschossenen Toren und einer Tordifferenz von minus zwei im österreichischen Klagenfurt für die Spiele in Turin. Die Favoriten Frankreich und Österreich hinter sich lassend war das die Überraschung aller Qualifikationsturniere. Aber auch 1998 in Nagano konnten sie mit der Teilnahme an den Viertelfinals die Eishockeywelt das erste Mal düpieren. Gelingt ihnen auch dieses Jahr wieder ein Eintrag in den Geschichtsbüchern des Welteishockeys?
In den letzen Jahren pendelten die Kasachen zwischen der Division I und der A-Gruppe hin und her. Meistens mehr schlecht als recht. In der Zwischenzeit liegt man in der Weltrangliste auf dem 15. Platz. Geht es nach dem bekanntesten Spieler der Kasachen, Nikolay Antropov, so wird man Kasachstan noch lange in der A-Gruppe sehen können. Seit ihrem Wiederaufstieg konnten sie den Abstieg verhindern und letztes Jahr in die Zwischenrunde einziehen. Doch können die Kasachen, die eines der ältesten Teams stellen, sich in weiterhin in der A-Gruppe behaupten? Diese Frage stellt sich den Verantwortlichen zurzeit nicht. Man muss sich auf Turin konzentrieren, will man Erfolg haben und dort nicht nur als Kanonenfutter hinhalten müssen.
Im Tor haben die Kasachen zweit gute, aber nicht hervorragende Torhüter. Am meisten kennt man Vitaly Kolesnik, der bei den Colorado Avalanche ein Teamkollege von David Aebischer ist. Kolesnik weisst dabei in sieben Spielen mit der "Lawine" einen Gegentoredurchschnitt von 3.29 Toren pro Spiel aus. An der letzen Weltmeisterschaft war er sogar einer der Top-Torhüter und war auf dem dritten Platz mit 1.72 Gegentoren pro Spiel. Als gute und solide Nummer zwei wird wohl Vitaly Eremeev aufgestellt. Eremeev war einer der Schlüsselspieler im Meisterteam von Dynamo Moskau, als diese in der letzen Saison den Titel erlangen konnten.
In der Defensive sind die Spieler älter als der Durchschnitt aller teilnehmenden Länder. Im Schnitt sind die Spieler um die 30 Jahre und haben das Nationalteam schon in verschiedenen Turnieren vertreten. Die meisten der Verteidiger spielen denn auch nicht in der heimischen Liga, sondern in der russischen Liga, der RHL. Dort ist das Niveau sehr hoch, die Spiele intensiv und die Meisterschaft ausgeglichen. Verteidigungsminister im Team der Kasachen ist Aleksei Troschinsky, der bei Avangard Omsk spielt. Er ist denn auch der beste Plus/Minus Spieler in der RHL. Troschinsky nimmt, wie auch Vitaly Tregubov, zum zweiten Mal an olympischen Spielen teil. Tregubov ist denn auch mit Troschinsky der einzig verbleibende Verteidiger, der schon in Nagano 1998 dabei war.
Die Spiele werden auf diesem Niveau in der Verteidigung oder auf der Torposition entschieden. Dennoch müssen auch Tore erzielt werden, um ein Spiel zu gewinnen. Hier liegt das grösste Problem der Kasachen. Nur gerade drei Tore erzielten sie in der Olympiaqualifikation und nur deren fünf an den letzen Weltmeisterschaften in Wien. Am ehesten hat der bei den Toronto Maple Leafs spielende Nikolay Antropov die Möglichkeit entscheidende Tore zu erzielen. Schaut man aber die anderen Mannschaftsaufstellungen an, dann ist auch das wieder in die richtige Relationen zu setzen. Er hat in der laufenden Meisterschaft in der NHL erst sechs Tore geschossen. So wird denn auch er mehr gefordert sein als die anderen Spieler im Team.
Auch die Gebrüder Koreshkov, Aleksander und Evgeny, müssen das Tore schiessen wieder erlernen und Andrej Pchelyakov muss sich diesbezüglich wieder verbessern. Alle drei müssen an ihre Leistungen von Nagano anknüpfen und bereit sein, an die Grenzen zu gehen, denn ansonsten droht den Kasachen ein letzter Platz in der Gruppe B. Oder werden sie gegen die Letten aufdrehen und diesen zeigen, dass sie besser sind, als sie eingeschätzt werden? Die Spiele werden es zeigen.
Im nächsten Teil: Finnland – Kühle Rechner und Defense first
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