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Kanada – Nur Gold zählt

Von Urs Berger

Kanada ist das Land des Eishockeys. Nirgends auf der Welt wird so leidenschaftlich über das Eishockey debatiert wie im Staat mit dem Ahornblatt auf der Flagge. Die Entscheidungen von Wayne Gretzky werden kommentiert, kontrolliert und verglichen. TSN macht eine Sondersendung und Bill McKenzie kommentiert das Aufgebot giftig, aber mit Humor. Kein anderes Land hat diese Selbstverständlichkeit im Eishockey. Und das macht die Kanadier speziell. Speziell auch, um die achte Goldmedaille zu ergattern? Mit diesem Kader sicher nicht unmöglich. Dennoch weist es Schwächen auf und andere Spieler wären bereit gewesen, diese Herausforderung zu erfüllen. Ein Blick nach Kanada.

Kanadas Headcoach Pat Quinn ist nicht zu beneiden. Schon nach der Nomination seiner 23 Spieler blies ihm und dem Exekutive-Manager Wayne Gretzky ein steifer Wind aus der Presse entgegen. Doch dies dürfte dem erfahrenen Pat Quinn, er stand schon 2002 an der Bande der olympischen Spiele in Salt Lake City, egal sein. Er bildet sein Team nicht mit den besten, sondern mit den im Team effizienteren Spielern. Ausschlaggebend für ihn sind nicht die Skorerpunkte oder Namen, sondern die Kompatibilität mit den anderen Mannschaftsmitgliedern. So sagt denn auch Patt Quinn in einem Interview: "Einige Spieler sind besser und wichtiger als die anderen Spieler. Das ist normal. Aber, und das ist der Punkt, es hat nach wie vor mit dem Teamgeist zu tun. Ein ausgezeichneter Spieler kann nicht in einem Team spielen und punkten, wenn alle anderen nur Mittelmass sind. Sind aber nur Spieler dabei, die nur Starspieler sind, dann macht keiner die Drecksarbeit und wir als Team finden nicht zusammen. So muss ich denn die richtige Mischung finden." Dies hat er denn aus seiner Sicht auch mit dem jetzigen Kader. Jeder einzelne mag zwar ein Star sein, aber jeder einzelne hat auch seine Aufgabe und seine Rolle.

Eine der ersten Rollen wird den Torhütern zugewiesen. Marty Turco, Roberto Luongo und Martin Brodeur sind gefordert. Brodeur, bei seiner dritten Teilnahme an den olympischen Spielen, wird wohl als Nummer eins in das Turnier starten. Dies, obschon er nicht die besten Statistiken hat. Doch was zählt sind die Erfahrungen auf internationalem Niveau. Hier hat er mit den letzen olympischen Spielen und dem World Cup of Hockey einen kleinen Vorteil gegenüber Roberto Luongo. Doch Luongo ist die Zukunftshoffnung der Kanadier. Er spielte bereits an den letzten drei Weltmeisterschaften und gewann, bis auf letztes Jahr, immer Gold mit seinem Team. Aber was ist mit Marty Turco, der, statistisch gesehen, der beste der drei Torhüter in dieser Saison ist? Er wird sich in den internen Trainingsspielen gegenüber Luongo behaupten müssen und wird dies auch beweisen. So wird die Wahrscheinlichkeit gross sein, dass die beiden sich als Nummer zwei abwechseln werden. Dennoch ist die Entscheidung für Pat Quinn nicht einfach.

In der Verteidigung ist man mit guten offensiven wie defensiven Spielern bestückt. Eher in die Offensiv-Abteilung gehört Ed Jovanovski, Rob Blake und Chris Pronger. Alle drei können sich offensiv einschalten, gehen mit in den Angriff. Manchmal vergisst aber Jovanovski, dass sein Beruf das Verteidigen des eigenen Tores ist und nicht das Toreschiessen. Doch dafür sind ja die anderen Mitspieler da, wie Adam Foote, Robyn Regher oder Wade Redden. Alle drei sind defensiv verlässlich, wissen wie vor dem Tor aufräumen und können sich auch in der Offensive einmischen. Diese sind denn auch in den Spezial-Situationen gefordert. So wird Rob Blake im Powerplay ab der blauen Linie für Tempo sorgen, die Scheiben verteilen und selber auch mal den Abschluss suchen. Wadde Redden wird ihn in diesen Situationen unterstützen und nach hinten den Gegenkonter verhindern. In der zweiten Powerplay Formation wird voraussichtlich Scott Niedermayer spielen, der dort die Rollen von Blake und Redden übernimmt. Nicht nur auf dieser Position wird Scott Niedermayer viel Eiszeit bekommen. Er sichert nach hinten ab, kurbelt das Spiel nach vorne an und kann auch selber Tore erzielen. Er ist für die olympischen Spielen und deren grösseren Eisfelder wie geschaffen. Er ist ein exzellenter Schlittschuhläufer und ist ein toller Techniker.

Der Angriff wird durch Ryan Smyth angeführt. Er ist der Capitain der Nationalmannschaft. Er hatte diese Bürde bereits an sechs Weltmeisterschaften, einer Olympiade und einem World Cup of Hockey inne. Er wird aber in seinen Qualitäten als Spielmacher mehrheitlich unterschätzt und verfügt über einen direkten Zug auf das Tor. Das "Kücken" im Team der Kanadier ist Rick Nash. Mit seinen erst 21 Jahren verfügt er über eine Spielübersicht, die manchem in seinem Alter noch fehlen. Er ist sehr abgeklärt und ruhig und kann mit seinem harten Schuss jeden Torhüter zur Verzweiflung bringen. An seiner Seite wird, wie letztes Jahr beim HC Davos, Joe Thornton spielen. Nach seinem Wechsel von den Boston Bruins zu den San Jose Sharks ist er nicht mehr wieder zu erkennen. Er spielt vermehrt auf den Körper, setzt seine Spielmacher Qualitäten ein und spielt um einiges befreiter auf als in Boston. Ein weiterer alter Bekannter aus der Schweiz ist Dany Heatley. Nachdem er bei den Atlanta Trashers sein Anliegen eines Trades angebracht hatte und zu den Ottawa Senators getauscht wurde, blüht er wieder auf. Die dunklen Tage von Atlanta und seinen Verletzungen sind ausgestanden und er spielt befreit auf. Er kann das Spiel lesen, spielt den tödlichen Pass oder schliesst selber ab. Zudem kann er jeden Gegner in eins zu eins Situationen austanzen und alt aussehen lassen.

Zu Kritik anlass gab bei der kanadischen Presse die Nomination von Todd Bertuzzi, Adam Foote und Robyn Regher. Bei Todd Bertuzzi wurde immer wieder auf sein Foul an Steve Moore verwiesen. Doch Gretzky und Quinn hielten dagegen und nominierten den Powerstürmer für das olympische Unternehmen. Die beiden anderen Spieler wurde von der kanadischen Presse als nicht gerade die beste Wahl bezeichnet. Wäre es nicht besser, die jungen Spieler Erfahrungen sammeln zu lassen und so auch einem Brian McCabe, Eric Staal oder Jason Spezza die Erfahrungen zu ermöglichen? Gerade der letztgenannte harmoniert doch sehr gut mit Dany Heatley bei den Ottawa Senators. Wieso also ist er nicht im Aufgebot? Dies zu beurteilen ist nicht unsere Aufgabe. Wie sagte doch Pat Quinn so schön im Interview? "Ich muss die richtige Mischung finden." Hat er diese gefunden, fragt niemand in 20 Jahren nach den nicht Aufgebotenen. Hat er keinen Erfolg, dann haben die Kritiker bereits ihre Messer gewetzt und werden Pat Quinn mit unangenehmen Fragen konfrontieren. Denn in Kanada gilt: "Die Goldmedaille ist unser." Dies will man auf alle Fälle umsetzen. Ist man doch das Mutterland des Eishockeys. Und dies will man auch nach den olympischen Spielen sein.

Im nächsten Teil: Lettland – Aussenseiter mit Chancen

Korrigendum: aus den Hockeyfans-News:

Kanada muss an den Olympischen Winterspielen in Turin auf den Verteidiger Scott Niedermayer von den Anaheim Mighty Ducks verzichten. Sein verletztes Knie wird in der Olympia-Pause arthroskopisch behandelt. Er wird durch Jay Bouwmeester (Florida Panthers) ersetzt.

Für den ebenfalls ausfallenden Ed Jovanovski wurde Bryan McCabe (Toronto Maple Leafs) nachnominiert. Als weiterer Verteidiger käme Dan Boyle (Tampa Bay Lightning) im Falle von weiteren Verletzungen zum Zuge.

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Short Notes

Einwohner: 32'207'113
Eingetragene Eishockeyspieler: 574'125
Eishallen: 2501

Beste Spieler: Chris Pronger, Rick Nash
Zu beobachten: Robyn Regher
Überbewertester Spieler: Martin St. Lous
Coach: Pat Quinn

Was geschieht wenn.....
.... Die Kanadier keinen Erfolg haben? Die Journalisten-Meute steht bereit. Die Fehler wurden schon im Vorfeld ausgemacht. Eine Heimreise ohne Goldmedaille würde in Kanada nicht gut aufgenommen. Man würde den Kopf von Pat Quinn fordern. Wayne Gretzky würde zwar auch hinterfragt, dennoch würde er weniger abbekommen als Quinn. Er ist immer noch der beste Spieler auf Erden, auch wen er "nur" noch Coach der Phoenix Coyotes ist.