 Background Olympia 2006
Zurück zur Übersicht Olympia 2006
Schweden oder Finnland - Nur eine geschlossene Mannschaftsleistung bringt Gold
Von Urs Berger, Fotos von Thomas Oswald
Zum ersten Mal in der Geschichte von Olympia stehen sich die Schweden und die Finnen im Finalspiel gegenüber. Am Sonntag um 14 Uhr (live auf SF2, TSR2 und TSI2) wird die Entscheidung fallen, wer Olympiasieger wird. Die Finnen, welche keine Vorschlusslorbeeren bekamen und von denen man nichts erwartet hatte oder die Schweden, welche mit vielen Vorschlusslorbeeren in die Spiele gestartet sind und gegen die Slowaken die Chance nutzen und sich den Viertelfinal Gegner selber aussuchten? Sicher ist nur eins, dass es ein spannendes und abwechslungsreiches Spiel geben wird. Denn weder die Finnen noch die Schweden wollen verlieren. Es würde nicht überraschen, würde das Spiel erst mit einem Lucky Punch oder im Shooutout entschieden werden.
Die Finnen liessen an diesem Turnier noch nie so wenige Gegentore zu. Mit einem Schnitt von unter 0.71 Tore pro Spiel verfügt man über eine sichere Defensive und über sehr gute Torhüter. Sie beherrschen das Spiel in der neutralen Zone, machen die Räume eng und sind Konter stark. Doch nicht nur läuferisch sind sie bisher eine Augenweide. In den entscheidenden Spielen vermochten sie immer noch einen Gang höher zu schalten, dominierten und kontrollierten das Spiel. Mit sieben siegen in ebenso vielen Spielen ist man in diesem Turnier nun den auch der Favorit.
Anders die Schweden. Bei vielen Zuschauern büssten die Schweden an Popularität ein, als Bengt-Ake Gustaffsson verkündete man wolle lieber gegen "die einfachen Schweizer spielen. Diese Mannschaft können wir schlagen. Gegen die Russen oder die Tschechen hätten wir mehr mühe. Deshalb werden wir auch im Spiel gegen die Slowaken nicht zu 100% aufspielen." Die Schweden spielten den dementsprechend aus lustlos und man setze den Körper kaum ein. Doch verübeln kann man ihnen dies sicher nicht. Denn wer die Chance hat den Viertelfinalisten selber zu bestimmen ist im Vorteil. Hier müsste man sich beim IIHF Gedanken machen, wie man solche Rechenspiele in Zukunft unterbinden will.
Mit Peter Forsberg verfügen die Schweden den zurzeit komplettesten Spieler der Welt in ihrem Kader. Wer neben Forsberg aufläuft, wird automatisch besser. Dennoch ist er kein Einzelspieler, sondern ein Mannschaftsspieler. Er verfügt über ein gutes Auge für seinen Mitspieler, einen harten Schuss und ist in den entscheidenden Phasen heiss auf das Spiel. So kam er nach seiner Verletzung, welche er sich in der Vorbereitungszeit auf die neue NHL-Saison zuzog, auf 42 Einsätzen mit den Philadelphia Flyers. Seine Abwesenheit bei den Flyers vermochte man zu verspüren und nach dem er auf das Eis zurückkehrte ging es mit den Flyers auch wieder nach oben. Zurzeit liegt er nur einen Punkt hinter Simon Gagne auf dem zweiten Platz in der internen Skorerwertung der Flyers. Doch dies alles geht nur, wenn Petr Forsberg auch gesund ist. Zu viele Verletzungen haben den Center über die Jahre begleitet. Neben der Schulter und der Leiste waren auch Probleme mit seiner Hüfte immer wieder ein Problem für ihn. So musste er den auch in der Saison 2001/02 bis zu Beginn der Play-offs pausieren, ehe er wieder spielen konnte. Nun ist er aber wieder auf dem Eis und er zeigt eine der besten Leistungen auf dem Eis, arbeitet für die Mannschaft und versteht sic hausgezeichnet mit seinen Teamkollegen.
Doch auch Saku Koivu hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Wie Forsberg musste auch er die Saison 2001/02 aussetzen. Als er auf dem Flug von seiner Heimaststadt Turku nach Montreal war, musste er sich immer wieder auf der Toilette einschliessen, in welcher er Blut erbrach. In Montreal angekommen, suchte er das Montreal Central Hospital auf. Dort wurde ihm mitgeteilt, dass er an Krebs erkrankt sei. Der damals 27-jährige Koivu begab sich in die Behandlung und konnte den Krebs besiegen. Noch in der gleichen Saison bestritt er wieder 3 Spiele und die darauf folgenden Play-offs spielen. Dennoch konnte er das Ausscheiden der "Habs" in diesen nicht verhindern. Nun steht er morgen Abend mit seiner Nationalmannschaft auf der internationalen Ebene im Schaufenster der Welt. Wird er die Finnen zum ersten Olympia Sieg der Geschichte führen?
Die Finnen wie auch die Schweden strahlen zuversicht aus, dass die das Spiel gewinnen werden. Coach Bengt-Ake Gustafsson brachte es für die Schweden auf den Punkt: "Ich hoffe, dass wir ein Tor machen und sie keins. Dann gewinnen wir 1:0 und haben Gold. Wir dürfen danach einfach kein Tor mehr zulassen." Als er denn auch noch gefragt wurde, wie er denn das Turnier bis jetzt einschätzte, meinte er, dass man die anderen Teams unter den Top acht nicht unterschätzen sollte. "Es sind sehr viel gute Spieler auf der Welt. Die so genannten kleinen Länder schliessen jedes Jahr auf, werden stärker und um gegen sie zu gewinnen, braucht es eine gute Leistung. So wie wir eine gute Leistung gegen die Finnen benötigen werden." Ähnlich sieht es Daniel Alfredsson. Der rechte Flügel der Ottawa Senators sprach denn auch davon, dass das erste Tor das Spiel entscheiden könnte. "Das erste Tor zu erzielen ist sehr wichtig für den Verlauf des Spieles. Denn nur so können wir die Finnen überwinden und das Spiel auch gewinnen."
Naturgemäss anders sehen das die Spieler des Gegners. Teemu Selänne schrieb den Erfolg des Teams der Rolle zu, dass jeder in der Mannschaft seine Rolle akzeptiere nicht murre und das von den Coaches verlangte auch umsetze. Auch Jari Kurri, der General Manager für das Team Finnland stösst in das gleiche Horn. "Ich habe zwar mitgeholfen, das Team zu gestalten. Dennoch ist es nicht mein Erfolg. Das Team hat sich auf und neben dem Eis gefunden und jeder akzeptiert die Rolle, die er bekommen hat. Das macht uns stark." Doch auch der Einfluss von Saku Koivu auf und neben dem Eis hilft dem Team. So war den der Trainer der Finnen Erkka Westerlund voll des Lobes über seinen Kapitän im Team: "Er ist sehr emotional und hat schon manches Spiel für Finnland bestritten. Er weiss nicht nur was es braucht um erfolg auf dem Eis zu haben, er weiss auch, was es bedeutet neben dem Eis zu führen. Er versteht es auch sehr gut, mit seinen Mannschaftskollegen umzugehen, sie zu unterstützen und zu helfen. Es ist wirklich gut, einen solchen Spieler im Team zu haben."
Eines ist aber jetzt schon sicher, noch bevor die Scheibe zum entscheidenden Spiel eingeworfen wird. Beide Teams werden sich nichts schenken und die alte Rivalerie zwischen den Schweden und den Finnen wird einen neuen Höhepunkt erleben. Oder wie hat es Jari Kurri treffend formuliert? "Es ist wie wenn ich gegen meinen grossen Bruder spielen würde. Ich habe schon jetzt Gänsehaut, wenn ich daran denke, dass wir gegen Schweden spielen können. Das wird eines der besten Spiele für uns werden und hoffentlich die bessere Mannschaft gewinnen." Nach diesen Sätzen dreht er sich von den Journalisten ab, geht zu seinen Spielern, die er mitbestimmt hat und verlässt mit ihnen das Training. Geschlossenheit im Team könnte man nicht besser demonstrieren.
|
|