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"Bin nur ein kleines Mosaiksteinchen"

Von Urs Berger, Fotos von Thomas Oswald

Auf der Strasse würde man ihn nicht sofort erkennen, wenn man nicht ein Eishockey-Fan ist. Doch das wird sich in den nächsten Tagen womöglich ändern, wenn er zum EV Zug nach Hause zurückkehrt: der Doppeltorschütze gegen Kanada und Schweizkanadier Paul DiPietro. Einer der wohl ungewöhnlichsten Spieler im Team von Nationaltrainer Ralph Krueger. Ein Porträt über und mit Paul DiPietro.

Paul DiPietro ist nicht der grosse Geschichten-Erzähler, noch will er um jeden Preis im Medieninteresse stehen. "Ich mache nur meine Arbeit und habe dabei meine Freude, wie jeder andere das auch hat. Wenn es gut geht, bin ich mit meiner Leistung zufrieden wenn nicht, dann ärgere ich mich. Das gehört zum Leben." Dennoch musste er in seiner Karriere schon viele Rückschläge einstecken. Nur gerade eine Saison konnte der bald 36-jährige DiPietro in der NHL ganz durchspielen. Einen Stammplatz konnte er sich bei den Montreal Canadiens nur in der Saison nach dem Stanley Cup 1993/94 erkämpfen. Dennoch ist er berechtigt, den beliebten Stanley Cup Ring zu tragen. Doch wie so vieles in seinem Leben trägt er auch diesen nicht zur Schau. Es würde nicht zu ihm passen. Zu bescheiden ist er, zu sehr hat er mit seinem Leben in Canada abgeschlossen. Was für ihn nur noch zählt, ist die Schweiz. "Ich bin zwar ein Kanadier, aber ich bin nun schon seit 8 Jahren in der Schweiz, meine Frau ist eine Schweizerin, wieso sollte ich mich noch als Kanadier fühlen? Ich trage das Kreuz der schweizer Nationalmannschaft auf meiner Brust und das ist auch das Land, wohin ich gehöre."

Seine Karriere begann DiPietro, wie es sich für einen Kanadier gehört, zu Hause auf einem Weiher. Sein Ziel war denn auch schon rasch klar. Die beste Liga der Welt, die NHL, zu erreichen und dort zu spielen. Mit 16 Jahren debütierte er in der Ontario Hockey League mit den Sudbury Wolves. In vier Jahren konnte er in 325 Spielen 163 Tore erzielen und 281 Punkte verbuchen. Die Montreal Canadiens waren 1990 der Klub, welcher Paul DiPietro in der fünften Runde des Drafts zu ihrem Spieler erkürten. So fuhr er dann von seiner Heimatprovinz Ontario nach Fredricton, New Brunswick um dort mit dem damaligen Farmteam der Montreal Canadiens, den Fredricton Canadiens zu spielen. Auf seiner Reise in das 1'777 Kilometer entfernte Fredricton musst er denn auch durch Montreal fahren. In dieser Stadt, in welcher er in der Saison 1992/93 seinen bis dahin grössten Erfolg feiern konnte. Er gewann mit den Habs den Stanley Cup. Zuerst musste er sich aber im behäbigen und ruhigen 48'000 Seelenstädtchen von Fredricton einleben. Dies gelang ihm denn auch gut. Er konnte sich in das Team integrieren, spielte in 87 Spielen mit und konnte 81 Punkte buchen. Die Canadiens waren überrascht, liessen ihn aber noch etwas im Farmteam um seine Entwicklung in der Saison 1991/92 besser beurteilen zu können. In unregelmässigen Abständen kam er denn auch in der NHL zum Einsatz. Noch war er aber nicht soweit um eine Saisons durchspielen zu können.

Ein Jahr später sah es anders aus. Nur ganz knapp erreichte DiPietro nicht den Kader der Montreal Canadiens. So musste er die 812 Kilometer lange Strecke von Montreal zurück nach Fredricton unter die Räder nehmen. Aufgeben wollte DiPietro aber nicht. Sein Ziel blieb die NHL. In Fredricton reifte er dann zu einem guten NHL Spieler heran und die Canadiens kamen nicht darum herum, DiPietro in den Kader zu berufen. So durfte er dann in den Play-offs mit den Canadiens um den Stanley-Cup spielen. In den 17 Partien, welche er bestritt, steuerte er 13 Punkte bei und war nur gerade 8 Minuten auf der Strafbank. Die nächste Spielzeit verbrachte er dann immer mit den Habs. Er hatte aber nicht mehr den gleichen Erfolg mit dem Team und man schied früh aus den Playoffs aus. In der nächsten Saison entschieden dann die Canadiens, dass man DiPietro zu den Toronto Maple Leafs abgeben sollte. Die Zeit in der NHL lief langsam aus für Paul DiPietro und nach einem weiteren Wechsel zu den Los Angeles Kings entschied er sich nach der Saison 1996/97 zu einem Wechsel in die deutsche Eishockeyliga.

Bei den Kassel Huskies war er jedoch nicht die gewünschte Verstärkung, welche man sich erhofft hatte und DiPietro wechselte zum HC Ambrì-Piotta in die Schweiz. Doch auch dort schien er nicht zu reüssieren. Es schien, als reihe er sich in die Spieler aus der DEL ein, die in der Schweiz keinen Erfolg haben, um dann ein Jahr später in der DEL wieder zu brillieren. Doch anstelle eines Wechsels dorthin, entschied er sich, sein Hab und Gut durch den Gotthard zu tranportieren um nur 100 Kilometer weiter seine Zelte aufzuschlagen und dort Wohnsitz zu nehmen. Sein neuer Klub, der EV Zug, war sehr zufrieden mit seinen Leistungen und er verbrachte die letzen acht Jahre, mit Ausnahme der Saison 2004/05, bei den Innerschweizern. In der Innerschweiz fand er denn auch seine Liebe des Lebens und er heiratete eine Chamerin. Durch diese Heirat konnte er das Schweizerbürgerrecht beantragen, was er denn auch tat. So wurde denn aus dem Kanadier DiPietro ein Kanada-Schweizer, der nun in der schweizer Nationalmannschaft seine Tore gegen die Kanadier schiesst.

Paul DiPietro will aber nichts wissen davon, dass man ihn zu Hause in der Schweiz als einen Star feiern will. Sein Motto deckt sich auch den mit Kruegers. "Ich bin ein Teil eines Teams. Ich stand nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Das ist alles." Wenn man ihn dann konkret fragt, was er den denke, was in der Schweiz zurzeit los sei, meinte er nur, dass er das nicht wisse. Als man ihn aufklärte, meint er nur, dass er das nicht verstehen könne. "Wieso," so DiPietro, "ist das in der Schweiz so eine grosse Sache? Wir haben doch noch nichts gewonnen und "nur" die Kanadier geschlagen. Das ist doch bei Gott nichts Spezielles. Oder irre ich mich so sehr?" Als die anwesenden Journalisten ihm erklärten, dass dies einem Sieg der schweizer Fussball-Nationalmannschaft gegen Brasilien gleich käme, war er beeindruckt. Lachend fügte er dann an: "Das ist die eine Seite des Hockeys. Aber ich habe wirklich nicht gewusst, dass das so eine grosse Sache in der Schweiz ist. Das beeindruckt mich nun aber wirklich." Dennoch bleibt Paul DiPietro er selber, wenn er dann auf das Spiel angesprochen wird. "Das Team ist einfach sensationell. Alle arbeiten sehr gut zusammen. Die Trainer machen eine ausgezeichnete Arbeit, verstehen ihrer Arbeit und auch die Betreuer sind einsame Klasse. Wir haben zudem zwei sehr gute Torhüter, haben ausgeglichene Linien und sind bereit, für einander alles zu geben. Denn nur im Kollektiv können wir weiter kommen." Als einer der anwesenden Journalisten fragte, ob er denn mehr ein Kanadier oder ein Schweizer sei, schaute er diesen etwas verwundert an und meinte: "Ich habe die Kleider der Schweizer Delegation an, Spiele mit dem Kreuz der Schweizernationalmannschaft auf dem Dress. Ich bin mit meinem Herz ein Schweizer, durch und durch." Bei dieser Aussage leuchteten seine Augen auf. Der Schalk blitze aus seinen Augen und auch Stolz war zu sehen. Stolz, ein Schweizer zu sein. Ein Teil dieser Mannschaft. Ein kleines Mosaiksteinchen, das doch so wichtig sein kann, um einen der grössten Erfolge einer schweizer Nationalmannschaft zu verwirklichen. Oder war das erst der Anfang eines neuen "Miracle on Ice"? Wie sagte Paul DiPietro, bevor er im Athleten-Dorf verschwand? "Wir haben eine Chance in diesem Turnier weiter zu kommen. Also packen wir sie."


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