Ständerat macht Weg frei für Salärobergrenze

Dienstag, 11. Juni 2024, 21:16 - Martin Merk

Die Clubs der National League träumen von einem Financial-Fair-Play-System mit Salärobergrenze. Der Ständerat hat nun einer Änderung im Kartellgesetz für professionelle Sportligen zugestimmt.

Heute Vormittag war der Eishockeysport zu Gast im Ständerat in der Debatte über Anpassungen des Kartellgesetzes. Eine Minderheit der Kommission für Wirtschaft und Abgaben des Ständerats (WAK-S) beantragte in der heutigen Session eine spezifische Ausnahme für den Bereich der Ligen mit professionellem Spielbetrieb zu machen, namentlich für ein Financial-Fair-Play-System im Schweizer Eishockey. Über diese Idee hatten wir früher bereits berichtet. Es ist eine «weichere» Version der aus der NHL bekannten Lohnsummenobergrenze (Salary Cap) vergleichbar mit der abgeschwächten Lösung der russischen KHL, wo Clubs, welche die Lohnsumme überziehen, eine Art Strafsteuer zu Gunsten der anderen Clubs zahlt.

«Die Minderheit erhofft sich damit, die grossen Lohnsteigerungen zu stoppen, welche für die Clubs eine starke finanzielle Belastung darstellen. Denn teilweise würden diese Löhne inzwischen 75 bis 80 Prozent der Gesamtkosten ausmachen», berichtete im Namen der Kommission der Nidwalder Ständerat Hans Wicki. «Aus Sicht der Minderheit sind die Prinzipien des freien Marktes in diesem Segment nicht anwendbar, da es sich um sportliche Konkurrenten handelt, während der wirtschaftliche Aspekt untergeordnet ist. Die Clubs müssen in erster Linie wirtschaftlich überlebensfähig sein, um eine ausgeglichene Liga bilden zu können.» Eine Mehrheit der Kommission äusserte sich allerdings gegen einen solchen Markteingriff und Ausnahme für den Sport.

Der Vorschlag wäre, im Kartellrecht Artikel 6 einen Absatz 4 mit folgendem Wortlaut zu schaffen: «Durch Gründe der wirtschaftlichen Effizienz gerechtfertigt sind Abreden im Bereich der Ligen mit professionellem Spielbetrieb, die die finanzielle Leistungsfähigkeit der an den Ligen teilnehmenden Clubs sicherstellen, indem sie z. B. die Gesamtausgaben oder Teile davon (namentlich die Brutto-Lohnkosten) begrenzen.»

Dies würden Systeme wie das von der National League angedachte Financial Fair Play ermöglichen. Und auch wenn sich nur das Schweizer Eishockey in der Debatte dafür einzusetzen scheint, würde es für den gesamten Sport eine solche Möglichkeit eröffnen, beispielsweise auch für den Fussball.

Geschaffen wurde die Idee vom Bündner Ständerat Stefan Engler, einem HCD-Saisonkarteninhaber ohne Interessensbindung, und vorgetragen vom Tessiner Ständerat Fabio Regazzi, der beim HC Lugano im Verwaltungsrat Einsitz hat. Er sprach von einem durchschnittlichen Jahreslohn von über 300'000 Franken in der National League. Zwölf der 14 NL-Clubs würden einer Bruttolohn-Obergrenze zustimmen, so Regazzi. «Die einzigen, die eine solche Lösung bekämpfen, sind der ZSC Lions und der SC Bern, nicht per Zufall die zwei reichsten Clubs der National League», fügte Regazzi hinzu.

Die Clubs sollen so innerhalb der Liga eine adaptierbare Bruttolohn-Obergrenze mit einem Financial-Fair- Play-System einführen können, mit dem Hauptziel, einen moderaten Finanzausgleich zwischen Clubs aus wirtschaftlich stärkeren und wirtschaftlich schwächeren Regionen zu schaffen.

Engler begründete die Notwendigkeit einer Gesetzesänderung damit, dass die Wettbewerbskommission nicht mit Sicherheit sagen konnte, ob das von der Liga angedachte System gegen das aktuelle Kartellrecht verstossen würde oder nicht. Rechtssicherheit würde somit nur mit einer Anpassung im Kartellrecht geschaffen. «Letztlich geht es im Rahmen dieses Financial-Fairplay-Systems, das eingeführt werden soll, eigentlich nur darum, den wirtschaftlichen Vorteil der Spitzenclubs sehr moderat zu reduzieren. Auch nach Einführung des Financial-Fairplay-Systems werden die Spitzenclubs über deutlich mehr finanzielle Mittel verfügen als die Clubs aus den ärmeren Regionen», sagte er bezüglich Vorbehalte, die vom SC Bern und den ZSC Lions gemacht wurden.

Nach der Diskussion wurde der Antrag trotz der Nein-Empfehlung der Kommission und des Bundesrats deutlich angenommen mit 31 Stimmen bei 8 Gegenstimmen und 5 Enthaltungen.

Der Traum vieler Clubmanager im Eishockey hat damit einen grossen Sprung gemacht. Der Nationalrat müsste die Änderung aber auch zustimmen, damit die Gesetzesänderung – einem Referendum vorbehalten – eingeführt werden könnte. Die Kommission für Wirtschaft und Abgaben des Nationalrats wird im August über die Teilrevision des Kartellgesetzes befinden und der Nationalrat die Anträge voraussichtlich im September behandeln.