Covid-19: Einige Profis erwischt es härter

Dienstag, 24. November 2020, 08:56 - Martin Merk

Bei den körperlich fitten Eishockeyprofis geht das Coronavirus meistens schnell vorüber. Doch es gibt auch hier Ausnahmen wie Samuel Erni von den SCL Tigers oder Janik Möser vom DEL-Team Wolfsburg.

Die Covid-19-Meldungen folgen auch im Eishockey seinem Rhythmus. Mit dem SC Bern hat es gestern auch den letzten Club erwischt, der eine Infektion vermeldet und dessen Team in Quarantäne geschickt wird. Im strengen Kanton Bern reichte dazu bereits ein Fall aus. In Biel und Zug machte das Coronavirus gar zweimal die Runde. In der zweitklassigen Swiss League sieht es nicht viel besser aus.

Täglich kommen auch die Zahlen an Infektionen und Todesfällen vom Bundesamt für Gesundheit und den Kantonen. Wie bei einer Grippe kommen die Symptome bei vielen Eishockeyspielern und gehen wieder. Einige spüren sie nicht einmal. Die Todesfälle betreffen meistens Senioren oder Personen mit Vorerkrankungen. Zu ihnen gehörte der Schweizer Ex-Nationalspieler Roger Chappuis, der im Alter von 79 Jahren an den Folgen der Covid-19-Infektion verstarb.

Doch es gibt auch Ausnahmen jüngerer Menschen, im Eishockey wie auch in allen anderen Lebenslagen. Der Amerikaner Tyler Amburgey, ein Ex-Profi in unteren Ligen und früherer Junioren-Internationale, starb im Alter von 29 Jahren am Virus. In Europa gibt es Spieler, die nicht so schnell aufs Eis zurück können wie andere.

Atemnot bei Samuel Erni

Einer davon ist Samuel Erni, der sich im Interview mit MySports offenbarte. Am 30. Oktober kam die Meldung, dass die SCL Tigers in Quarantäne müssen. Die Emmentaler kehrten am 13. November in den Spielbetrieb der National League zurück. Doch dreieinhalb Wochen nach der Quarantänemeldung fehlt Erni immer noch.

Den 29-jährigen Verteidiger hat es in der National League am ärgsten erwischt. «Ich lachte am Anfang auch darüber und dachte, es sei eine Grippe, die jeden ein bisschen erwischte. Als ich positiv getestet wurde, begann es mit einer verstopften Nase, Kopfschmerzen, da dachte ich noch nichts dabei. In zwei, drei Tagen würde ich wieder fit sein und trainieren», sagt Erni.

Doch seine Lunge machte nicht mit. Er hatte Atemnot, die selbst auf dem Sofa kam. Auch auf dem Hometrainer konnte er während der Quarantäne nicht trainieren. «Als ich mit Widerstand trat, fiel ich fast vom Velo, das machte mir schon ein bisschen Sorgen», sagt Erni. «Normalerweise können wir den Puls raufjagen und es ist kein Problem. Auf einmal bringt man den Puls nicht über 140.»

Nun muss er den Profis – also Ärzten und Wissenschaftlern, wie er anfügt – vertrauen in einer Krankheit, deren Langzeitfolgen elf Monate nach dem Ausbruch nur bruchstückhaft erforscht sind. Er hätte sich lieber die Knochen gebrochen im Wissen, nach sechs Wochen wieder zurück zu sein, so Erni. Viel Kraft gebe ihm das Team. Der Zusammenhalt war da, auch während der Quarantäne mit Videotelefonie. Wann er wieder spielen kann, ist unbekannt. «Vielleicht in zwei Wochen», sagt Erni, doch so genau weiss das niemand.

Gestern liess er seine Lungen- und Herzfunktion prüfen. «Die Ärzte sagen, ich brauche Geduld. Doch das ist für einen Sportler nicht leicht», sagt er gegenüber Blick. «Man muss sich fast zwingen. Mein Körper braucht Ruhe. Für wie lange, kann mir niemand sagen. Corona darf man nicht unterschätzen.»

Samuel Erni im Zweikampf mit Zugs Lino Martschini. Foto: Philipp Hegglin

Bei Möser entzündete sich der Herzmuskel

800 Kilometer nördlich hat es Janik Möser, Eishockeyprofi bei den Grizzlys Wolfsburg, ärger erwischt. Die DEL bereitet sich als letzte grössere Liga Europas auf den Saisonstart vor. Da nicht vor Zuschauern gespielt werden darf, zögerten die Clubs lange und warteten auf bessere Aussichten, die nie kamen.

Auch der 25-jährige Verteidiger wurde im Oktober positiv getestet. Doch nach der Quarantäne fiel er durch einen Belastungstest. Er wurde ins berühmte Berliner Charité geschickt, wo eine Herzmuskelentzündung diagnostiziert wurde. Laut den Ärzten stehe diese «mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit» mit der Coronavirus-Erkrankung im Zusammenhang. Andere Auslöser hätten nicht festgestellt werden können. Die Möglichkeit von Langzeitfolgen für die Lunge und das Herz werden aufgrund von Einzelfällen vermutet, sind aber noch wenig erforscht.

Die Infektion war zuvor geheim gehalten worden. Doch als mahnendes Beispiel wollten der Club und der Spieler an die Öffentlichkeit. «Wir haben und gezielt dazu entschieden, diesen Krankheitsverlauf öffentlich zu machen, um für das Thema zu sensibilisieren. Der Spieler fühlt sich topfit, aber die Untersuchungen sagen etwas anderes», sagt der Club-Manager Karl-Heinz Fliegauf gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

Wie Erni kann auch Möser nicht mit dem Team trainieren und verpasst den Saisonstart in drei Wochen. Er wird im Januar wieder untersucht und hofft dann auf bessere Neuigkeiten. «Ich möchte mit meinem Fall andere Profi- und auch Hobbysportler darauf hinweisen, dass sie eine Corona-Infektion nicht auf die leichte Schulter nehmen dürfen», sagt Möser.

Währenddessen hoffen viele andere Betroffene, dass sie nicht zu mahnenden Beispielen werden, sondern die Krankheit wie eine Grippe verschwindet. Betroffen sind im Eishockey viele. Auch in Ligen anderer betroffener Länder wie Russland, Schweden oder Tschechien hat es schon die meisten Teams der höchsten Liga erwischt.