Historischer Sieg für Armenien

Mittwoch, 26. April 2006, 00:47 - Martin Merk

Die armenische Nationalmannschaft, welche durch hohe zweistellige Niederlagen Kultstatus erreicht hat, erringt bei ihrer dritten WM-Teilnahme ihren ersten Sieg. An der WM Division III in der isländischen Hauptstadt Reykjavik besiegten die Armenier Irland im dritten Duell gleich 6:0 (3:0, 3:0, 0:0).

Nein, eigentlich ist es nicht das Niveau von Eishockey, über welches wir zu berichten pflegen. Doch diesem Eishockey-Märchen wollen wir doch noch ein paar Zeilen widmen. Armenien, ein Land mit vier Eishockey-Clubs und zwei Eishallen, gehört zu den jüngsten Teilnehmern im WM-System des IIHF, das im Bereich der Ränge 40 bis 45 der viertklassigen WM Division III aufhört. 2003 am Turnier in Neuseeland tauchten die Armenier erstmals als Randnotiz auf: Aufgrund falsch ausgefüllter Visa-Anträge konnten sie gar nicht erst einreisen... 2004 in Island schafften sie die Hürde der Einreise und wurden punktelos mit 2:73 Toren aus vier Spielen Letzter. Grösster Erfolg: Die Fairplay-Trophäe. Noch schlimmer war es 2005 in Mexiko, wo sie dem Gastgeber gleich 0:48 unterlagen und in vier Spielen ein Torverhältnis von 5:142 erreichten. Beim 3:38 gegen Luxemburg brachten sie gar das Kunststück zu Stande, innerhalb einer Minute vier Gegentreffer zu kassieren. Die U20-Nationalmannschaft brach diesen Januar in Litauen gar den Rekord und unterlag Island 0:50.
Trotz aller Demütigungen waren die Armenier gute und geduldige Verlierer, traten 2006 ein weiteres Mal an. Wieder in Island, mit zahlreichen neuen Spielern und erstmals einem ausländischen Trainer (USA). Am Montag übertrafen sie sich und lösten in der Eishockey-Welt Erstaunen aus: Nur 3:8 gegen den Absteiger Türkei, der bislang grösste "Erfolg" der Verbandsgeschichte. Diese brisante Begegnung fand ausgerechnet am Gedenktag des Genozids an die Armenier statt, welcher von der Türkei bestritten wird. Und in der Nacht auf heute gelang im zehnten Länderspiel gar der historische Sieg gegen Irland, der zweitschlechtesten Nation im IIHF-Ranking von den teilnehmenden Ländern. In einem Spiel, das die meisten Amateurteams der Schweiz für sich entschieden hätten, zeigten die Armenier deutliche technische Vorteile, mehr Einsatz und sorgten für hängende Köpfe bei den Iren, welche ein Spiel auf diesem Niveau über einen Internet-Livestream erstmals in die gute Stube brachten. Und so durften die Turnierveranstalter das machen, woran sie kaum gedacht hätten, aber dennoch vorbereitet waren: Die armenische Hymne abspielen.