Janine Alder nach Koma zurück

Sonntag, 6. Oktober 2019, 16:53 - Martin Merk

Etwas unbemerkt von der Öffentlichkeit hatte die Nationaltorhüterin Janine Alder alles andere als eine normale Sommerpause. Sie wurde wegen eines epileptischen Anfalls nach einem Spiel an der Frauen-WM in künstlichem Koma versetzt und verarbeitete die schweren Monate nun mit einem Buch.

Es war am 7. April in Espoo (Finnland). Janine Alder teilte sich mit Andrea Brändli die anspruchsvolle Aufgabe die Nachfolge von Florence Schelling im Tor der Frauen-Nationalmannschaft zu übernehmen anlässlich der IIHF Frauen-Eishockey-Weltmeisterschaft 2019. Sie hielt bei der 1:2-Niederlage gegen Russland ihr Spiel im Team, war bei der 0:8-Niederlage gegen den Top-Favoriten USA aber machtlos.

Was weniger bekannt war als die Zahlen: Sie erlitt nach dem Spiel, bei dem sie 49 von 57 Schüssen abwehrte, im Teamhotel einen epileptischen Anfall, konnte ihren Körper nicht mehr kontrollieren. Sie musste in künstlichem Koma versetzt werden um sich zu erholen und Hirnschäden zu vermeiden. Dabei erlitt auch noch eine Lungenentzündung.

Sie wachte nach viereinhalb Tagen wieder auf und verbrachte zwei Wochen im Spital in Finnland bevor es zurück in die Schweiz ging. Aufs Eis kehrte sie erst drei Monate später wieder zurück. Unter Epilepsie hatte sie nie gelitten, vermutet aber, dass sie zu viel Wasser getrunken hatte in Kombination mit dem anstrengenden Spiel.

Ihre Erlebnisse hat sie nun in einem Buch verarbeitet, das als E-Book auf ihrer Webseite erhältlich ist. Denn die 24-jährige Zürcherin studiert Journalismus bei der St. Cloud State University, wo sie auf höchstem Level Collegehockey spielt.

«Es sind die ersten Gedanken, die ich hatte, als ich im Spital war nach einem epileptischen Anfall bei einem WM-Spiel. Wir gingen durch eine emotional harte Zeit, vor allem mein Umfeld. Danach entschied ich mich zum als eine Art Therapie und den Schmerz zu überwinden. Es war vor allem für meine Eltern gedacht. Und es ist eine Erinnerung dankbar für jeden einzelnen Moment zu sein», sagte Alder in einem Video der Universität.

Alder brauchte Zeit, um sich zu erholen. «Es lief sehr langsam. Ich war erst einmal froh, überhaupt zu leben. Ich machte Fortschritte und bin nun froh wieder eine Sportlerin zu sein», sagte sie. «Es war eines der grossartigsten Gefühle wieder im Campus zurück zu sein.»

Eine besondere Ehre: Obwohl sie Torhüterin ist, wurde sie zum Captain ihres Teams ernannt. Sie geht nun in ihr letztes von vier Jahren in der NCAA mit St. Cloud State. Letztes Wochenende gab sie ihr Comeback und kam in zwei Spielen zum Einsatz.

Janine Alder bei den Olympischen Winterspielen 2018. Foto: Andreas Robanser