Stunden der Wahrheit in der NHL

Samstag, 30. Juni 2007, 02:35 - Martin Merk

Dieses Wochenende werden in der NHL erste Personalentscheidungen fallen. Die Buyout-Phase geht zu Ende, die Free Agency-Phase beginnt und damit die grosse Transferzeit. Betroffen sind dabei auch die drei Schweizer Torhüter.

Am einfachsten ist die Situation beim Freiburger David Aebischer erklärt: Sein Vertrag bei den Montréal Canadiens läuft, entgegen anderslautender Meldungen in Schweizer Medien, dieses Wochenende aus. In den vergangenen zwei Jahren hatte er einen Vertrag mit Jahressalär über 1,9 Millionen US-Dollar, nun wird er aber nach der schwierigen Saison in Montréal wohl kleinere Brötchen backen und sich neu beweisen müssen. Im besten Fall könnte er in einem Team wie Phoenix, Boston oder Los Angeles landen, wo ausgeglichene Torhüter-Tandems zu erwarten sind und der Schweizer sich rehabilitieren könnte. Im weniger guten Fall müsste er als Backup-Goalie ausharren.

Komplexer ist die Situation bei Martin Gerber, der noch für zwei Jahre bei den Ottawa Senators unter Vertrag steht mit einem Jahressalär über 3,7 Millionen US-Dollar. In Ottawa hat ihn Ray Emery als Nummer eins verdrängt und man möchte mit Emery unbedingt verlängern. Weil dieser jedoch auch im Lohnpoker mit anderen Clubs wie Boston, St. Louis und Los Angeles steht und vor ein Schiedsgericht kann, werden die "Sens" das Jahressalär von 925000 auf wahrscheinlich 4 Millionen Dollar erhöhen müssen. Weil Gerber als Nummer zwei zu teuer ist, versucht man auch nach dem Führungswechsel weiterhin einen Tausch mit ihm zu machen. Doch bislang war niemand bereit, den teuren Vertrag bis 2009 zu übernehmen. Mit Phoenix, Los Angeles, St. Louis, Boston und Tampa Bay soll man verhandelt haben. Phoenix schlug einen Tausch mit dem Verteidiger Derek Morris vor, dessen Vertrag 3,9 Millionen US-Dollar wert ist. Dies wäre auch für Gerber kein schlechter Deal, hätte er bei weniger Rummel als in der kanadischen Hauptstadt in Phoenix die Chance, Stammtorhüter zu werden. Bis am Sonntag können die Senators zudem von der Option Gebrauch machen, ihn für 4,93 Millionen US-Dollar aus dem Vertrag herauszukaufen. Dann hätte man etwas mehr Platz im Salary Cap und Gerber könnte den Club frei wählen.

Von all den denkbaren Torhüterrotationen ist auch der Schweizer Neuling Jonas Hiller beim Titelverteidiger Anaheim Ducks betroffen. Noch ist er in der Teamhierarchie nur die Nummer drei hinter Jean-Sébastien Giguère und Ilja Bryzgalov. Doch der Russe, der für 1,2 Millionen Dollar weiter unter Vertrag stände, möchte in ein Team, wo er um die Nummer eins kämpfen kann und ist ein oft genannter Kandidat für einen Spielertausch, vor allem die Boston Bruins zeigen sich interessiert. Geht er weg, würde Hiller, wie er es sich erhofft, als Nummer zwei hinter dem Stargoalie Giguère in seine erste NHL-Saison starten, sofern die Ducks nicht sonst noch jemanden holen.