Tännler kritisiert Ämteranhäufung im Verband

Freitag, 7. März 2003, 00:00 - Si

Im Schlussbericht II zur Affäre "Werner Kohler" kritisiert Einzelrichter Heinz Tännler die Ämterkumulierung im Verband scharf. Weiter wirft er dem Zentralvorstand vor, die Kontrollaufgaben nicht richtig wahrgenommen zu haben.
Von einer strafrechtlichen Relevanz distanzierte er sich allerdings. Die detaillierte Abklärung des Einzelrichters hat sämtlichen von Kohlers Alleingang zur Millionen-Provision (und ins Verderben) betroffenen Stellen im Schweizer Eishockey-Verband (SEHV) kein gutes Zeugnis ausgestellt. Tännler zweifelte bei der Medienkonferenz in Zug ohne Umschweife an der Qualifikation der eingesetzten (Führungs-)Personen.
Der Zentralvorstand (ZV) habe sich als Drehscheibe und zentrales Gremium zu stark dem operationellen Part gewidmet. "Er (ZV) hat es unterlassen, den ihm nach der Strukturbereinigung im Jahre 1999 auferlegten Pflichten konsequent nachzukommen. Angesichts seiner wichtigen Stellung war er schlicht zu schwach besetzt", beurteilte Tännler schonungslos.
Als eigentliche Problemzone beschrieb Tännler die so genannte Ämterkumulierung. Tännler stellte in seiner grundlegenden Analyse die Existentz von "unverträglichen Doppel- und Mehrfachmandaten" fest. In der neuen Struktur des SEHV hätten verschiedene Personen (Werner Kohler, Direktor Peter Lüthi, Peter Müllhaupt) gleichzeitig mehrere Positionen besetzt und seien in mehreren Gremien gleichzeitig tätig gewesen.
Kohlers Gebaren mochte Tännler zwar nicht kommentieren, erklärte das lange unbehelligte Vorgehen des am 24. Dezember zurückgetretenen Verbandspräsidenten aber indirekt mit den vernachlässigten Kontrollaufgaben des ZV, der Geschäftsprüfungs-Kommission (GPK) und des Direktors. Sämtliche Verträge mit der Firma IMG (Rechteabwicklung sowie Rückabwicklung) und der ISA mussten seitens des Verbandes (nur) von zwei legitimierten Personen unterschrieben werden. Einer der Zeichnungsberechtigten war offenbar immer Kohler, die zweite Person meistens Direktor Lüthi.
"Die Vertragsunterzeichnung basierte mehr oder minder auf dem Prinzip des Vertrauens. Das ist zu kritisieren", erklärte Tännler. Das selbe - im Wortsinn - "blinde Vertrauen" warf der Einzelrichter im Zuge seiner internen ("Ich wünschte eine externe Abklärung" (Zitat Tännler) auch dem ZV vor: "Vieles, was der Zentralpräsident gesagt und gemacht hat, wurde als sakrosankt angenommen."
Aller grundlegenden Kritik zum Trotz hielt der Einzelrichter indes fest, dass den verantwortlichen Exponenten aller Gremien "keine zivil- und/oder strafrechtliche relevanten Vorwürfe gemacht werden können". Die vom Verband Mitte Januar gegen Werner Kohler eingereichte Strafanzeige bei der Bezirksanwaltschaft Zürich ist allerdings immer noch hängig; noch sind die Ermittlungen im Gang.
Konkret empfahl Tännler dem Parlament, zu Gunsten einer besseren Kontrolle und einer Verhinderung von Interessenskonflikten bei den nächsten Wahlen Anfang Juli auf Mehrfachmandate und Ämterkumulierung zu verzichten.