Keine Genfer Schützenhilfe für Lausanne

Montag, 17. Februar 2003, 00:00 -

Kommentar von Martin Merk

Dramatik pur gestern im Kampf gegen die beiden Playout-Plätze. Um 16 Uhr starteten die SCL Tigers, Lausanne und Zug mit je 30 Punkten ins Rennen um den rettenden zehnten Platz. Kurz vor 18 Uhr schien die Entscheidung gefallen zu sein: Lausanne schien in Bern engagiert nicht mehr als ein 1:1 herauszuholen wie auch Zug nicht in Rapperswil, für das es um nicht mehr ging, ausser um das Publikum noch einmal zu unterhalten. Dafür liess man sogar Daniel Giger nicht spielen, der zum Gegner wechselt. Lausanne hätte sich so den vorzeitigen Ligaerhalt gesichert, denn in Genf scheint es den SCL Tigers am schlechtesten zu gehen, denn Genf-Servette führt 3:1 und hat immerhin seit dem 11. Oktober kein Heimspiel verloren. Für die SCL Tigers träte das Horrorszenario ein, denn ohne Todd Elik wären sie ein Abstiegskandidat. Undenkbar, dass diese defensiv solide Mannschaft Servette die beiden Punkte noch hergibt.
Wirklich? Nun, für Servette wie auch für Rapperswil ging es um wenig, der sechste Platz stand bereits gestern fest. Zwischen Genf und Langnau gibt es dazu einige Freundschaften: Servettes Star-Verteidiger Jamie Heward, nicht selten gegen 40 Minuten auf dem Eis, soll für die kommende Saison einen Vertrag bei den Emmentalern haben und verbergte dies auch nicht so sehr, die Langnauer Benoit Pont und Thomas Künzi sollen zu Servette wechseln. Und dass der neue Langnauer Sportdirektor Jim Koleff† aus seiner Zeit in Lugano sehr freundschaftliche Kontakte zum Aufsteiger pflegt, ist bekannt. Solidarisieren sich die Genfer also mit den Langnauern statt mit den Lausannern, von deren Derbies sie finanziell doch sehr profitieren? Die Wahrheit werden wohl nur die beiden Teams kennen, doch die Lausanner sind entzürnt und wittern einen Pakt. "Wie kann eine solche Mannschaft wie Servette gegen ein Langnau 3:1 führen und dann 3:4 verlieren?" fragten sich die geschlagenen Lausanner. Denn 94 Sekunden vor dem Spielende nahm der SCL-Coach Ron Ivany den Torhüter Claudio Bayer raus und zu sechst auf dem Feld schafften die Emmentaler die Wende: Mike Craig traf in der Schlussminute zum 3:3 nach Sascha Schneiders 3:2-Anschlusstreffer in der 48. Minute. Nun wären die Emmentaler weiter, denn bei Punktegleichheit waren sie in den Direktbegegnungen besser als Lausanne und Zug. Und acht Sekunden später kam es noch dicker: Servettes Torhüter David Bochy liess einen Schuss Steve Hirschis von der Mittellinie passieren! Die Entscheidung: Den zehnten Platz konnten den Langnauern nun niemand mehr nehmen, auch nicht in der Verlängerungen in Bern und Rapperswil, keine Totomat-Szenen also in Genf. Wochenlang fielen die Langnauer immer tiefer und tiefer und in der letzten Minute der Qualifikation geschah dann das Wunder zu Genf. Eine bittere Enttäuschung für die Lausanner, denn sie sahen sich ihrem zehnten Platz beraubt. "Die Romands halten nicht zusammen," tönt es unisono, denn bereits vor einem Jahr wurde der Playoff-Platz verpasst, weil Fribourg gegen den direkten Konkurrenten Bern keine Schützenhilfe zu leisten vermochte. Doch eine Verschwörung zu wittern ist auch kein Sportsgeist, denn die Lausanner haben über die gesamte Saison hin enttäuscht und müssen sich an der eigenen Nase nehmen. Nun bietet sich gegen Zug die Gelegenheit zur Wiedergutmachung. Insgeheim hoffen natürlich beide Mannschaften, dass der NLB-Meister weder Basel noch Biel heissen wird und die Auf-/Abstiegsspiele so ausfallen. Doch wer auf den Totomat schauen muss statt auf das Eisfeld, braucht sich nachher nicht zu wundern, wenn die Ziele verfehlt werden.