Werner Kohler sieht sich als Opfer, nicht als Täter

Donnerstag, 26. Dezember 2002, 00:00 - Si

Werner Kohler sieht sich in der Affäre, wegen der er am Dienstagmorgen als SEHV-Präsident zurücktreten musste, als Opfer und nicht als Täter. Für den 57-jährigen Bündner brach eine Welt zusammen. Enttäuscht war Kohler darüber, dass ihm kein rechtliches Gehör gewährt worden sei, nachdem feststand, dass ihm vor zwei Jahren eine Million auf private Konten überwiesen worden war. "Da sieht man, wie wenig man wert ist. Irgendwelche Aussagen wurden einfach vorbehaltlos meinen gegenüber gestellt. Mir hat man keine Chance gegeben, solche Aussagen zu entkräften." Und das erklärt Kohler zu den Vorwürfen gegen seine Person. Vorwurf Nummer 1 - die Million Handgeld, die er von IMG Schweiz via die Senn Sportsmanagement (Dominik Senn) erhalten hat. Kohler: "Dieses Geld eine Provision an mich persönlich für das Gelingen des Deals. Es tangierte die Vertragssumme zu Gunsten des Verbandes nicht. Ich habe dem SEHV nie einen Franken weggenommen." Vorwurf Nummer 2 - die zweieinhalb Millionen Diskrepanz beim Rückkauf der Rechte ein Jahr später. "Dieser Vorwurf ist haltlos. Da spielt jemand eine ganz traurige Rolle. In Tat und Wahrheit wollte Biver nicht sechseinhalb, sondern zehn Millionen Franken. Glauben Sie denn, ich sei zu Biver gegangen und habe ihm gesagt, er soll nicht sechseinhalb, sondern neun Millionen Franken für den Rückkauf der Rechte verlangen? Kathrin Senn wollte mit den Aussagen und dem Abliefern einer Kopie des Zusatzvertrages wohl mehr ihrem Ex-Mann als mir schaden. Vor zwei Jahren, als der Verband die Rechte von der IMG zurückkaufte, waren die Zeiten noch besser. Das war noch vor dem 11. September. Später hätten wir diesen Deal nie und nimmer gemacht." Vorwurf Nummer 3 - angeblich überhohe Bezüge vom SEHV. Kohler: "Auch das stimmt schlichtweg einfach nicht! Aber jetzt wird mit Händen und Füssen versucht, alles, was ich gemacht habe, ins Illegale zu drehen - weil es den Nationalliga-Präsidenten so passt."

Die Vorwürfe an Werner Kohler

Einzelrichter Heinz Tännler erhielt am 10. Dezember schriftlich den Abklärungsauftrag vom SEHV. In den zwei Wochen seiner Ermittlungen hat er verschiedene Fakten zusammengetragen. Unter anderem fand er bei Kathrin Senn, der geschiedenen Ehefrau von Vermarkter Dominik Senn (Senn Sportsmanagement), jenes Dokument, das beweist, dass Werner Kohler am IMG-Deal eine Million Franken mitverdient hat.
Tännler lieferte Fakten und gab weiter, was er herausgefunden hat, beziehungsweise, was ihm erzählt worden ist. Er verzichtete dabei auf jegliche Bewertungen.
Gemäss Einzelrichter Heinz Tännler...
... haben zwei Personen ausgesagt, dass die Vertragssumme des IMG-Deal 65 Millionen Franken betragen habe. Offiziell vermeldete der SEHV im Sommer 2000 ein 64-Millionen-Franken-Deal.
... hat der SEHV der Firma Senn Sportsmanagement (SSM) für die Vermittlung des IMG-Deals eine Provision in der Höhe von einer Million Franken überwiesen. Diese Provision war längst bekannt.
... hat auch die IMG Schweiz der SSM eine Provision in der Höhe von einer Million Franken überwiesen. Diese Prämie wurde von der SSM an Werner Kohler in voller Höhe weitergegeben - in zwei Tranchen à 500 000 Franken. Diese Überweisungen gingen auf an je ein Konto in der Schweiz und im Ausland. Beim SEHV hat von diesen Zahlungen offenbar niemand etwas gewusst.
... liegt eine Aussage vor, wonach die IMG Schweiz beim Rückkauf der Rechte ein Jahr später 6,5 Millionen Franken verlangt habe. Je eine Million pro ausstehendes Vertragsjahr (5) plus anderthalb Millionen Rückzahlungen von Vorschüssen. Der Rückkaufwert der Rechte betrug letztlich anderthalb Millionen Franken pro Jahr plus die 1,5 Millionen Vorschuss-Rückzahlungen - oder anders gesagt: 9 statt 6,5 Millionen.
... hat Werner Kohler nach dem Rückkauf der Rechte, als die Senn Sportsmanagement (SSM) für das Marketing zuständig war, von der SSM Provisionen kassiert, von denen niemand im Verband etwas wusste.
... ist es eine Tatsache, dass Kohler Honorarbezüge und Spesen vom SEHV ohne schriftliche Grundlage kassiert hat. Es gab höchstens eine Art Notizen als Grundlage für die Honorierung. Erst im Sommer 2002 wurden Verträge und Zusatzverträge erstellt, welche Kohlers Bezüge regelten. Diese Verträge wurden für die Jahre 1997, 1998, 1999, 2000 und 2001 rückdatiert. Auch diese im Sommer erarbeiteten Verträge waren dem Zentralvorstand des Verbandes nicht bekannt. Erstellt wurden sie von der Geschäftsprüfungskommission.

Biver beteuert Unschuld

Marc Biver: "Für IMG lief der Deal legal ab"
Aus Südafrika, wo er momentan in den Ferien weilt, weist Marc Biver jede Mitverantwortung und Mitwisserschaft an der Kohler-Affäre weit von sich und seiner IMG Schweiz. Biver: "Wir haben nichts Illegales gemacht. Es ist wahr, dass wir mit Dominik Senn eng zusammengearbeitet haben. Er hat uns den Vertrag mit dem SEHV zugeschanzt. Es ist normal, dass wir ihn für diese Arbeit bezahlt haben. Die IMG Schweiz hat Senn effektiv eine Million Franken in zwei Tranchen überwiesen. Was Senn mit dieser Million gemacht hat, interessierte uns nicht mehr."

Senn nimmt Stellung zur Krise

Nachdem Marc Biver alle Schuld von sich gewiesen hat, nimmt nun auch Dominik Senn Stellung zu Bivers Worten.
Aus Südafrika, wo er momentan in den Ferien weilt, weist Marc Biver jede Mitverantwortung und Mitwisserschaft an der Kohler-Affäre weit von sich und seiner IMG Schweiz. Biver: "Wir haben nichts Illegales gemacht. Es ist wahr, dass wir mit Dominik Senn eng zusammengearbeitet haben. Er hat uns den Vertrag mit dem SEHV zugeschanzt. Es ist normal, dass wir ihn für diese Arbeit bezahlt haben. Die IMG Schweiz hat Senn effektiv eine Million Franken in zwei Tranchen überwiesen. Was Senn mit dieser Million gemacht hat, interessierte uns nicht mehr."
Diese Aussagen Bivers wurden am Stephanstag von Dominik Senn zum Teil dementiert: "Die Provisions-Zahlung von einer Million Franken in zwei Tranchen an SEHV-Präsident Werner Kohler fand klar auf Anweisung von IMG und Biver statt. Marc Biver und Werner Kohler haben diese Abmachung miteinander selbst getroffen. Ich leitete das IMG-Geld bloss an Kohler weiter, weil IMG nicht direkt an Kohler überweisen wollte und aufgrund interner Regelungen auch nicht durfte."

Kalender

<< Dezember 2002 >>
MoDiMiDoFrSaSo
      1
2345678
9101112131415
16171819202122
23242526272829
3031