Morgen starten die Frauen

9.2.2018 - Von Andreas Robanser und Simon Wüst

Am Samstag startet die Schweizer Frauen-Nati in das olympische Turnier. Nach der Bronzemedaille vor vier Jahren in Sotschi stehen sie wohl etwas mehr im Fokus als bei den vergangenen Turnieren, auch weil sie morgen mit dem historischen Spiel gegen das gesamtkoreanische Team ins Turnier starten.

Für Trainerin Daniela Diaz empfindet aber für die Mannschaft nicht mehr Druck. «Wir sehen dies als eine Chance wiederum tolles, attraktives Eishockey den Zuschauern zu bieten», sagt Diaz, deren Bruder Raphael mit dem Herren-Nationalteam in Südkorea ist.

Ähnlich sieht es auch Nicole Bullo, die wie zwölf andere Spielerinnen in Sotschi mit dabei war: «Was wir in Sotschi erlebt haben, gehört der Vergangenheit an, auch wenn wir sehr viel Schönes erlebt haben. Wir starten hier von Neuem und möchten unser Bestes zeigen. Persönlich hoffe ich, dass ich mein bestes Eishockey während dem Turnier abrufen kann um das Team bestmöglich zu unterstützen.»

Die Verteidigerin gehört zu den erfahrensten Spielerinnen an diesem Turnier, sie freut sich aber über ihre vierte Olympia-Teilnahme: Jedes Mal ist es eine neue Herausforderung und ebenfalls ein Abenteuer. Auch wenn es bereits meine vierte Teilnahme ist, ist es jedes Mal von neuem wieder ein tolles Gefühl mit Schmetterlingen im Bauch.»

Trainerin Diaz nennt aber auch Spielerinnen wie Christine Meier und Sabrina Zollinger, welche viele Länderspiele bestritten haben. So bringt das Team viel Erfahrung mit. Sie vergisst aber auch nicht die Spielerinnen, die erstmals dabei sind, so werden auch diese ihren Teil zum perfekten Teamwork beitragen. Nicole Bullo will dazu mit ihrer Erfahrung Ruhe und eine gute Stimmung in das Team bringen.

Schenkt man der mathematischen Logik glauben, werden die Schweizerinnen Olympiasieger. Es ist ganz einfach: 2006 (Turin) 7.Platz, 2010 (Vancouver) 5.Platz, 2014 (Sotschi) 3.Platz und demnach 2018 in Pyeongchang Platz 1. Aber diese verwegene Schlussfolgerung ist natürlich ohne die Nordamerikanerinnen aus Kanada und den USA gemacht. Sie sind besser als alle Teams aus Europa und die Fachwelt ist sich einig, dass die beiden den Titel wohl unter sich ausmachen werden, auch wenn sich Kanada letzten Frühling bei der Frauen-WM (gegen Finnland) und bei der U18-Frauen-WM (gegen Russland) plötzlich als schlagbar erwies.

Vielleicht kann ein europäisches Team ein Wunder vollbringen und ihnen die Suppe versalzen. Aber wer käme in Frage?

Wie bereits angerissen sind die Frauen aus Finnland momentan die stärksten Verfolgerinnen. Sie glänzen mit einer starken ersten Linie und guter Technik. Siie konnten bisher bei einem wichtigen Turnier aber noch nie über sich hinauswachsen. In der Olymipia- und WM-Geschichte gelang bislang nur einmal eine europäische Mannschaft ins Finale als Schweden in Turin 2006 überraschend die USA im Halbfinale im Penaltyschiessen bezwang. Dahinter kommen die Schwedinnen und die Russinnen, die nach dem Doping-Skandal als OAR (Olympische Athleten aus Russland) antreten. Erst danach kommen normalerweise die Schweizerinne.

Wie sieht es mit den Gegnerinnen des Schweizer Teams aus?

Zum Auftakt wartet Korea. Dies sollte wohl die leichteste Aufgabe sein. Korea ist der Aussenseiter und eine Überraschung wäre ein Märchen. Der einzige Pluspunkt ist der Heimvorteil, dass man in den letzten Jahren grossteils zusammen war und der Spirit der gemeinsamen Teilnahme, welcher ungeahnte Kräfte freisetzen könnte. Ansonsten sind die Spielerinnen aus Nordkorea keine wirkliche Verstärkung – eher eine Last, wenn es darum geht den Trainingsbetrieb mit 35 statt 23 Frauen zu organisieren um dann 22 Spielerinnen pro Spiel (inklusive mindestens drei Nordkoreanerinnen gemäss dem Abkommen) auswählen zu können. «Man freut sich schon auf dieses Spiel», so Trainerin Daniela Diaz. «Wir befinden uns nun in der letzten Vorbereitungstage, darum benötigt dieses Spiel keine spezielle Vorbereitungsphase.» Es dürfte vor vollem Haus und wahrscheinlich mit dem in Südkorea weilenden Bundespräsident Alain Berset im Publikum stattfinden.

Die weiteren Gruppengegenrinnen sind Japan und Schweden. Kurz kann man sagen Japan befindet sich im Aufwind sollte aber trotzdem schlagbar sein. Schweden, die Gegnerinnen in Sotschi um Platz 3 sind hingegen in einer leichten Abwärtstendenz. Trotzdem sind die schwedischen Frauen höher einzustufen. Ihre Liga wird immer besser mit mehr Spielen und einer wachsenden Zahl an internationalen Top-Spielerinnen, darunter auch mehrere Schweizer Nationalspielerinnen.

Trainerin Diaz zu den beiden Mannschaften: «Es handelt es sich hier ebenfalls um schwierige Gegnerinnen, Japan ist defensiv sehr diszipliniert, Schweden hat eher ein physisches Spiel und so werden sie auch auftreten. Wir werden vorbereitet sein und möchten natürlich beide Spiele gewinnen.»

Unsere Eisgenossinnen haben das Potential wieder den Halbfinal zu erreichen, aber es muss wie in Sotschi vieles zusammenpassen und Florence Schelling in den entscheidenden Spielen einen ausgezeichneten Tag im Tor haben. Dabei wäre es wichtig den Sieg in der Gruppe B zu erreichen. Anschliessend würden wohl die Finninnen oder die Russinnen im Viertelfinal warten, ehe die USA oder Kanada im Halbfinale zu erwarten sind.

Coach Daniela Diaz über die Chancen der Schweiz: «Fraueneishockey hat sicherlich in den letzten Jahren enorm entwickelt, aber es ist klar, die anderen Nationen schlafen nicht, auch sie haben sich weiterentwickelt. Wir werden Schritt für Schritt fahren und in einem ersten Schritt das Viertelfinale erreichen und von dort weg ist fast alles möglich.»

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Bullo

Nicole Bullo (rechts) im Duell gegen die Amerikanerin Alex Carpenter. Foto: Andreas Robanser