EVZ-Sportchef Reto Kläy im Gespräch

23.11.2017 - Von Fabian Lehner

Das Logo des EVZ mit dem Stier thront im Sitzungszimmer. Wir befinden uns auf der Geschäftsstelle des EV Zug, wo uns der Sportdirektor des EV Zug Red und Antwort über den NL-Club steht und über die Zukunft des Teams, welche im letztes Jahr gegründeten Farmteam EVZ Academy sowie der Hockeyakademie der Zuger steht.

Reto Kläy, wie zufrieden sind Sie mit dem Verlauf der Saison?

Stand heute sieht es nicht schlecht aus. Es war ein Auf und Ab. Wir kommen gerade aus einer Phase, wo wir nicht allzu viele Punkte holten. Wichtig ist aber, dass wir wissen, wieso wir diese Punkte nicht gemacht haben. Die Tabellenlage wiederspiegelt die Saison eigentlich gut. Was wir sicher positiv aus dieser Phase heraus nehmen, sind die Leistungen der jungen Spieler, welche der Absenzen wegen zwangsläufig mehr forciert werden konnten. Das gibt uns auf lange Sicht einen Vorteil in der Breite. Schade war, dass wir in der CHL nicht eine Runde weitergekommen sind. Das war wohl eine Belastung zu viel in dieser Phase. Das Ausscheiden im Cup war mehr als nur enttäuschend, es war eine Blamage.

Wo sehen Sie noch Potenzial nach oben?

Wir können uns in allen Bereichen verbessern. In den Spezialteams können wir noch konstanter werden. Wir machten zu viele Eigenfehler in Spielen, welche wir knapp verloren. Das zeigt wie viel Luft nach oben wir noch haben. Es ist wie überall: es sind die kleinen Dinge, welche den grossen Unterschied machen. Wenn wir diese über 60 Minuten gut machen, sind wir eine sehr gute Mannschaft.

Ihr habt die Verpflichtung von Jesse Zgraggen und Miro Zyrd bekannt gegeben. Was steckt hinter der Verpflichtung?

Der Weg mit den jungen Spielern ist ein Balanceakt. Diese brauchen Zeit, bis sie sich zu festen Grössen entwickeln. Das ist schwierig abzuschätzen, wann und wie das geschieht. Die meisten haben jetzt den 1. Schritt gemacht und diesen gilt es zu konsolidieren. Gleichzeitig wollen wir vorne mitspielen, in der Hoffnung, dass es einmal wieder bis ganz nach oben reicht. Das geht nicht nur mit Jungen. Dafür braucht es einen gewissen Grad an Erfahrung in der Mannschaft. Mit diesen beiden holen wir uns zwei junge Verteidiger, welche aber beide schon gute Rollen in ihren NL-Teams innehaben und doch schon Erfahrung in ihren jungen Jahren mit bringen.

Ist es nicht ein wenig ein falsches Signal an die Jungen im Sinne: Hey wir setzen auf euch, gleichzeitig setzt man ihnen aber zwei „externe“ Verteidiger vor die Nase?

Wir werden auch weiterhin im Kader Plätze für die Jungen frei halten. Es ist nicht möglich, das Ganze nur mit eigenen Junioren zu bewältigen. Dann müssten wir unsere Ziele ändern. Die Jungen werden ihre Rolle finden, aber man braucht einfach einen Kern von erfahrenen Verteidigern. Das haben wir jetzt schmerzhaft mit den Verletzungen gesehen. Sicher, wir haben die Spiele nicht wegen den Jungen verloren. Sie sind aber auch noch nicht so weit, dass sie Spiele für uns entscheiden können. Deswegen kann man nicht sagen, wir setzen ihnen einfach andere vor die Nase. Die Jungen haben jetzt einen Schritt nach vorne gemacht und können sich nun diesem Konkurrenzkampf nächste Saison stellen.

Hat bei der Verpflichtung auch der Gedanke mitgespielt, dass man sehr wahrscheinlich in naher Zukunft Tobias Geisser an die NHL verlieren wird?

Ja natürlich. Am Ende war es ein Sammelsurium von verschiedenen Überlegungen und Vorbereiten ist besser als nachher zu kaschieren. Es braucht einfach ca. 15 Stürmer und 10 Verteidiger, um eine Saison zu bestreiten. Wir sind sicher in der hervorragenden Situation, dass wenn einer gerade keinen Platz hat, er in der Swiss League spielen kann.

Danke für die Überleitung zu Academy. Wie sind Sie hier mit der Saison bis jetzt zufrieden?

Die Mannschaft hatte einen harzigen Start, aber man sieht, dass die Spieler Potenzial haben. Wenn wir es mit der letzten Saison vergleichen, ist doch eine Konstanz da. Man merkt, die Mannschaft ist reifer geworden. Da es eine sehr junge Mannschaft ist, gibt es halt diese Schwenker nach unten, wo sie Lehrgeld bezahlen. Gegen starke Mannschaften haben sie sich dennoch sehr gut verkauft. Es ist definitiv eine super Gelegenheit für unsere Jungen, in dieser Mannschaft spielen zu können.

Mir ist bei den Zusammenzügen der Juniorennationalmannschaften aufgefallen, dass man viel häufiger den Zusatz EVZ oder EVZ Academy sieht. Nicht nur bei der Schweiz, sondern auch bei anderen Nationen. Beispielsweise Petr Cajka oder William Hedlund. Scoutet ihr aktiv nach Ausländern oder sind das „Inland“-Ausländer?

Das machen wir grundsätzlich nicht. Es kommt immer häufiger vor, dass Ausländer bei uns anklopfen. Für uns muss die Verpflichtung eines solchen Spielers Sinn ergeben. Wenn wir einen Ausländer nehmen, der gut ist und die Chance auf den Schweizer Pass oder die Schweizer Lizenz hat, kann dies durchaus Sinn machen. Bei William Hedlund ist sein Vater Trainer in der Academy und Petr Cajka spielte bereits in der Schweiz. Das sind Beispiele, wo es sehr wohl Sinn machte. Grundsätzlich wollen wir aber mit Schweizern arbeiten und diese besser machen. Da sind wir in gewisser Hinsicht Hockeypatrioten. Wir wollen die Schweiz besser machen und nicht andere Nationen fördern. Wir sind hier auch nicht wie Genf oder die Tessiner Clubs auf Grenzgänger angewiesen.

Am Ende des Tages steht der Spieler im Mittelpunkt. Bei einem Ausländer ist das ganze komplizierter. Man muss eine gewisse Zeit in der Schweiz gespielt haben, um die Schweizer Lizenz zu erhalten. Wie kommt er mit der Kultur klar? Wie meistert er die Sprachbarriere? Das sind alles Hürden, welche man bei einem Schweizer Spieler nicht betrachten muss.

Gibt es Spieler, in der Academy, welche sich der EVZ-Fan merken soll?

Bei den Novizen, wo die Academy beginnt, haben wir einige starke und vielversprechende Spieler. Auch bei den Elite-A-Junioren und dem Academy-Team in der Swiss League. Wir sind auch froh, dass sehr gute Torhüter dabei sind. Aber einzelne Spieler will ich nicht erwähnen, da es sehr schwierig ist zu sagen, wann und ob aus einem Spieler etwas wird. Das ist neben dem, das der Sprung von den Elite-A-Junioren in die National League extrem gross ist, der Grund für unser Swiss-League-Team. Auch wenn ein Spieler mit 20 aus dem Juniorenalter raus ist, macht er häufig danach noch einen Sprung. Erst mit 24 kann man ungefähr sagen, ob das wirklich einer für die National League sein wird oder «nur» für die Swiss League.

Man darf auch nicht vergessen, selbst wenn einer das Potenzial hat, müssen am Ende viele Faktoren für einen Durchbruch stimmen. Neben der vielen Arbeit und eisernen Disziplin braucht es zuletzt noch eine Portion Glück zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Unser Ziel ist es sicher, NL-taugliche Spieler mit der Academy zu produzieren. Es ist nicht realistisch, dass alle Spieler bei uns den Durchbruch schaffen. Wenn sie es am Ende bei einem anderem NL-Team packen, freut uns das auch. Weiter kommt hinzu, die Academy (Ausbildungsprogramm) ist nun im 4. Jahr. Die ersten Spieler schliessen diese nun ab. Da fehlt uns momentan schlicht noch der Erfahrungswert. Wir können heute noch nicht mit ehemaligen Spielern Vergleiche ziehen. Wenn ich jedoch berücksichtige, dass wir uns noch in der Anfangsphase befinden, sind wir mit Sicherheit auf dem richtigen Weg.

Zurück zur Integration ins Fannionteam: Livio Stadler beispielsweise kam in letzter Zeit nur auf sechs Minuten Eiszeit. Liegt das am Spieler selber oder fehlt da auch etwas das Vertrauen?

Da hat es sicher immer zwei Seiten. Einerseits das Vertrauen, aber auch der Spieler selber. Das ein Junger nicht gleich sofort Specialteams spielt, ist normal. Da kann es vorkommen, dass er «nur» auf sechs Minuten Eiszeit kommt. Tobias Geisser und Thomas Thiry bekommen bereits Minuten im Boxplay und kommen so in der Regel auf ziemlich gute Eiszeiten. Manchmal waren es auch schon fast gegen 2o Minuten und das ist fantastisch! Wenn wir die Jungen als Gruppe betrachten, sind wir auf dem richtigen Weg. Und wenn wir jedes Jahr, so wie jetzt, Spieler nachziehen können, welche sich durchsetzen können, dann sind wir sogar auf einem sehr gutem Weg.

Harold Kreis hat den Ruf, dass er nicht so gerne auf Junge setzt. Können Sie dem zustimmen?

Nein, ich denke nicht. Es war ganz klar Teil der Vertragsverlängerung, dass er Junge einsetzten und weiterbringen muss. Dass kann man nicht an einem einzelnen Spieler fest machen und am Ende liegt es am Spieler selber seine Leistung zu erbringen. Wir sind diese Saison von acht auf sechs gestandene Verteidiger und von zwölf auf elf Stürmer runter. Die restlichen Plätze wurden bewusst für junge Spieler freigehalten. Der Coaching Staff hat den Auftrag, mit diesen Spielern zu arbeiten und diese weiter zu entwickeln.

Am Ende des Tages geht es auch darum, zu gewinnen und da setzt ein Trainer in der Natur der Sache gerade in engen Situationen noch mehrheitlich auf die gestanden Spieler. Ich habe noch selten einen Spieler gesehen, welcher in der ersten Saison bereits Spiele an sich reisst. Wir Schweizer haben in der NHL mit Nico Hischier nun einen, aber das gibt es in der Schweiz mit Sicherheit nicht jedes Jahr. Es ist ein Prozess mit jungen Spielern zu arbeiten. Sie müssen sich durchsetzen, etablieren und dann zu Leistungsträgern entwickeln. Das geht aber nicht auf Knopfdruck und nicht von heute auf morgen.

Zum Schluss, ihr Bruder Fabio spielt auch beim EVZ. Wie gehen Sie damit um, damit es nicht zum Vorwurf kommt: Der spielt nur weil der Bruder Sportchef ist.

Egal ob im Sport oder im normalen Berufsleben, solche Vorwürfe wird es immer geben. Da kann Fabio mit seiner Leistung auf dem Eis die beste Antwort geben. Ich habe ihn damals zu uns aus dem College geholt, weil die Situation damals gepasst hat. Er hat zugestimmt, unter der Bedingung, dass er sein Studium hier beenden kann. Und solange er das zusammen mit seiner Leistung auf dem Eis unter einen Hut kriegt, bin ich froh ihn bei uns zu haben.

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Zuger Jubel

Die EVZ-Spieler Dominik Schlumpf, Reto Suri und Fabian Kläy (der jüngere Bruder des Sportchefs) bejubeln ein Tor. Foto: Philipp Hegglin