Auf dem Bau

15.9.2017 - Von SLAPSHOT/Matthias Müller - SLAPSHOT Ausgabe Nr. 1, Sept./Okt. 2017

Mittlerweile weiss es jeder: In Lausanne wächst ein Titan heran, der spätestens mit dem Einzug in die neue Arena 2019 um die Meisterschaft spielen will. Deshalb haben die Verantwortlichen nicht nur in den Stadionbau, sondern auch in neue Eckpfeiler der Mannschaft investiert. Einer davon ist der Berner Nordamerika-Rückkehrer Joël Vermin (25).

Als Joël Vermin im Frühjahr 2014 seine Zelte in der Schweiz abbrach, um das Abenteuer Nordamerika in Angriff zu nehmen, war mancher zeitgenössische Szenebeobachter skeptisch. Vermin, der noch ein Jahr zuvor Meister und als grosses Talent gefeiert worden war, hatte mit dem SCB eine schreckliche Saison hinter sich und die Playoffs verpasst. Der damals 22-jährige Flügel mit den jugendlichen Gesichtszügen schien zu wenig durchsetzungsfähig und körperlich zu wenig robust. Ein Bub unter Männern – kann das gut gehen?

Heute, etwas mehr als drei Jahre später, ist Joël Vermin zurück in der Schweiz. Im Rucksack hat er 24 NHL-Spiele mit den Tampa Bay Lightning, zuletzt war er mit deren Farmteam Syracuse im AHL-Final gestanden. Er hat die Skeptiker Lügen gestraft. Er sagt: «Ich wusste nicht, was mich erwartete. Ich wusste nur, dass ich in der NHL spielen wollte. Das habe ich geschafft und das bedeutet mir sehr viel.» Und: «Ich bin eine offene Person und diese Zeit hat Hunger auf mehr gemacht. Ich habe viele tolle Eindrücke mitgenommen, deshalb will ich nun auch in der Schweiz etwas Neues sehen.»

Auch deshalb hat Joël Vermin zum Ende des letzten Jahres seine Unterschrift unter einen Fünfjahresvertrag in Lausanne gesetzt, während in Bern wohl der eine oder andere im Stillen erwartet hatte, dass der 25-Jährige als «verlorener Sohn» zurückkehrt. Doch für ihn war das Angebot des aufstrebenden Klubs aus der Waadt einfach verlockender. Natürlich dürften dabei materielle Dinge wie eine NHL-Ausstiegsklausel oder ein individuelles Sommertraining eine Rolle gespielt haben. Doch mehr noch ist sein Entscheid mit der Aussicht zu erklären, ein zentraler Teil eines grossen, sich im Bau befindlichen Projekts zu sein. Mit dem Lausanne HC hat ihn ein ambitionierter Klub aus einer sehr schönen Stadt langfristig als Top-6-Stürmer verpflichtet – das ist bequem und herausfordernd zugleich. «Ich hatte in Nordamerika mit der Unsicherheit gelebt, nicht zu wissen, wann ich wo spielen werde. Nun habe ich diesbezüglich Beständigkeit. Gleichzeitig ist das hier ein Projekt, bei dem sich noch zeigen muss, wohin es sich entwickelt », erklärt er. Wohlwissend, dass die Richtung auch massgeblich von seinem Beitrag abhängen wird.

Die Schwächen ausgemerzt
Selbstredend ist Joël Vermin heute ein anderer Spieler als derjenige, als der einst ausgezogen war, um in Nordamerika ins «kalte Wasser» zu springen. Ja, der Sohn eines Physiotherapeuten hat sich auf den kleineren Eisfeldern behaupten und deshalb auch zwangsläufig an seinen Schwächen arbeiten müssen. Man merkt ihm das gewonnene Selbstvertrauen durchaus an. «In Sachen Durchsetzungsvermögen habe ich sicher Fortschritte gemacht», sagt er. «Das Verhalten vor dem Tor, die 1:1-Situationen und das Abdecken des Pucks – in all diesen Bereichen habe ich mich verbessert.» Nun sei er bereit, seinen Teil der Verantwortung zu übernehmen, bringt er es auf den Punkt. Auch dass sie in Lausanne offensiv kommunizieren, scheint ihm nicht unangenehm zu sein. Auf die Frage, wann sein neuer Klub denn Meister werde, meint er direkt: «Ja, hoffentlich diese Saison.»

Geboren: 5. Februar 1992.
Grösse: 180 cm. Gewicht: 87 kg. NHL-Draft: 2013, Tampa Bay Lightning, 186. Stelle, 7. Runde. Vertrag: bis 2022.
Stationen: bis 2014 Bern (Junioren, NLA), 2014-2015 Syracuse (AHL), 2015-2017 Syracuse (AHL), Tampa Bay (NHL), seit 2017 Lausanne (NL).
Statistik: 230 NLA-Spiele (41 T, 64 A), 189 AHL-Spiele (44 T, 55 A), 24 NHLSpiele (4 A).
International: U18-WM 2010 (6 Sp, 3 T, 2 A), U20-WM 2010/2011, 2011/2012 (total 12 Sp, 4 T, 2 A), 4 A-Länderspiele (0 P).
Grösste Erfolge: Schweizer Meister mit dem SC Bern 2013.

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Joël Vermin

Der Stürmer Joël Vermin kämpft im Dress der Schweizer Nationalmannschaft gegen die USA um die Scheibe. Foto: Christoph Perren

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