Hischier macht sich Draft-klar

5.6.2017 - Von Martin Merk

Beim NHL Combine wurden die Kandidaten für den NHL-Draft auf ihre Fitness geprüft und konnten Gespräche mit den potenziellen Teams führen. Mittendrin war der Walliser Nico Hischier, der so früh wie noch kein Schweizer gedraftet werden dürfte als Nummer 2, oder gar als Nummer 1? Hier gibt es ein paar Fragen und Antworten dazu die wir mit unserer Einschätzung oder Hischier gleich selbst in einem Mediengespräch beantworten.

Hischier in den Fitnesstests in Buffalo:
< In einigen der elf Tests ist Nico Hischier in den Top-25 aufgeführt. Bei den Klimmzügen schaffte er als einer von drei Spielern den Höchstwert von 13. Keiner ist perfekt, jeder Spieler hat andere Vorzüge bei solchen Tests. Und am Schluss zählen nicht zuletzt die technischen Fähigkeiten auf dem Eis. Die Tests können jedoch helfen aufzuzeigen, in welcher Hinsicht sich die Spieler körperlich verbessern können.

Wann wird gedraftet?
Am 23. und 24. Juni findet der NHL-Draft in Chicago statt. Hischier wird ganz früh am 23. Juni drankommen. Wobei früh relativ ist. Der Draft beginnt um 19 Uhr Ortszeit, also um 1 Uhr nachts Schweizer Zeit.

Wo könnte Hischier landen?
Die schwächsten Teams der Saison, jedoch durch die Draft-Lotterie um einige Ränge verschoben, kommen wie immer zuerst dran. Als Erstes dürfen die New Jersey Devils einen Spieler auswählen. Die grosse Frage lautet: Nolan Patrick oder Nico Hischier? Der Kanadier und der Walliser gelten als die beiden Top-Kandidaten, wobei Beobachter in Nordamerika eher zu Patrick neigen. Als Zweite kommen dann die Philadelphia Flyers dran. Es ist anzunehmen, dass Hischier bei einem dieser beiden Teams landet. Ansonsten hätten die Dallas Stars als nächstes Team das Wahlrecht.

Seine Gespräche mit New Jersey:
«Sie sprachen mit mir über New Jersey, die Organisation, die Stadt. Es war interessant. Wir hatten ein gutes Meeting.»

Seine Gespräche mit Philadelphia:
«(Ron Hextall) gab mir einige Informationen, wie sie spielen möchten, über die Organisation und ihre Geschichte. Es lief gut.»

Seine Woche im NHL Combine in Buffalo:
«Ich genoss diese Woche. Es geschieht nur einmal im Leben.»

Wir er sich fühlen würde als Nummer 1 gedraftet zu werden:
«Natürlich würde ich sehr glücklich sein. Aber ich weiss, dass ich am Schluss so oder so glücklich sein werde.»

Fühlt sich Hischier bereit gleich in der NHL einzusteigen?
«Ich möchte mich zuerst auf das Sommertraining konzentrieren und Gewicht zulegen, danach kann ich mich in den Trainingslagern mit den anderen Spielern vergleichen und sehe, wie ich mich auf dem Eis fühle.»

Wird Hischier nächste Saison schon in der NHL spielen?

Nicht selten erhalten die Top-Spieler im Draft unmittelbar die Chance, eine Saison in der NHL zu spielen. Anderenfalls droht einem aus den kanadischen Juniorenligen OHL/QMJHL/WHL gedrafteten Spieler gemäss Reglement die Rückversetzung ins Juniorenteam, die Farmteam-Liga AHL ist für solche Spieler nicht möglich. Bei Hischier gäbe es auch eine dritte Möglichkeit: Sein NHL-Team könnte 2017/18 noch auf eine Vertragsunterzeichnung verzichten, womit er nach dem NHL-Trainingslager auch für ein Jahr in Europa spielen könnte. Der SC Bern zeigt sich an einer Rückkehr für ein solches «Lehrjahr» interessiert und hat die Fühler ausgestreckt.

Was er in Bern von Guy Boucher und in Halifax von seinem Trainer André Tourigny gelernt hat:
«Ich lernte viel. Beide sind kanadische Trainer. Bei Guy Boucher sah ich, wie ein kanadisches Training und der kanadische Stil so ist. André lehrte mir viel und zeigte, wo ich mein Spiel verbessern kann.»

Wo sich Hischier in seinem Jahr in der kanadischen Juniorenliga QMJHL verbessert hat:
«Ich bin ein besserer Hockeyspieler gewonnen. Mein Trainer sagte mir, dass ich mich im Spiel vor dem Tor und in den Ecken weiterentwickelt habe.»

Wo er sich für die NHL verbessern müsste:
«Ich muss alle meine Fähigkeiten verbessern, insbesondere vor dem Tor. Da wird es härter in der NHL. Auch mein physisches Spiel muss sicher besser werden.»

Ob er es sich früher vorstellen konnte, als Nummer 1 oder 2 gehandelt zu werden:
«Ich würde lügen, wenn ich sagen würde ich sei nicht überrascht. Es ging so gut für mich dieses Jahr, es hätte nicht besser laufen können. Doch was zählt ist, dass ich ein besserer Hockeyspieler geworden bin. Ich bin wirklich glücklich, wo ich bin. Aber es ist noch ein langer Weg.»

Was er zur Entwicklung des Schweizer Eishockeys sagt:
«Die NLA ist eine wirklich gute Hockeyliga. Es hat viel Tempo und Talent. Swiss Ice Hockey macht einen guten Job um junge Hockeyspieler zu entwickeln.»

Was er um den Kampf der Nummer-1-Position sagt:
«Für mich ist es nicht wirklich ein Kampf. Ich hatte eine gute Saison, über die ich glücklich bin, und fokussiere mich bereits auf mein Sommertraining. Ich werde einfach Spass haben am Draft-Tag und setze mir keine Erwartungen. Nolan ist ein guter Hockeyspieler, ich habe ihn nun kennengelernt. Am Schluss kommt es drauf an, auf welche Qualitäten die Teams setzen.»

Könnten weitere Schweizer gedraftet werden?
Quantitativ ist erneut nicht von einem guten Jahrgang auszugehen, dafür qualitativ mit Hischier als neuen Schweizer Rekordhalter, der Nino Niederreiter (2010 als Nummer 5 gedraftet) ablösen könnte. Als weitere Schweizer Junioren kommen am ehesten die Zuger Tobias Geisser und Sven Leuenberger in Frage. Auch die Lions-Spieler Raphael Prassl und Roger Karrer sowie der Lausanne-Goalie Matteo Ritz wurden zumindest in Wertungen aufgeführt. Gerade die letzten Runden sind aber immer für Überraschungen gut, auch für ein paar Jahre ältere Spieler, die bislang übergangen wurden.

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Hischier

Nico Hischier spielte zuletzt im April bei der U18-Weltmeisterschaft in der Slowakei. Foto: Andreas Robanser