Geht der Stanley Cup nach Pittsburgh oder Nashville?

28.5.2017 - Von Maurizio Urech

In der Nacht auf Dienstag ist es soweit: Das Finale um den Stanley Cup beginnt. Involviert sind auch vier Schweizer. Zwei von ihnen sind mittendrin auf dem Eis, ein Dritter könnte als Joker noch eine wichtige Rolle spielen und ein Vierter fiebert aufgrund einer Verletzung hinter dem Eis mit. Egal wer gewinnt, die Trophäe dürfte diesen Sommer den Weg in den Kanton Bern finden.

Zum ersten Mal in den NHL-Playoffs treffen die Pittsburgh Penguins auf die Nashville Predators. Pittsburgh wird versuchen den Vorjahreserfolg zu wiederholen, Nashville träumt vom grossen Coup bei der ersten Finalteilnahme.

Auf dem Papier startet das Starensemble um Sidney Crosby als klarer Favorit in das Finale, denn offensiv ist Pittsburgh zweifellos besser besetzt als Nashville. Evgeni Malkin und Phil Kessel sind zusammen mit Crosby die punktbesten in diesen Playoffs, Jake Guetzel ist der beste Torschütze. Nashville hat mit Kevin Fiala und Ryan Johansen zwei wichtige Offensivkräfte verloren, doch Ihre Ersatzleute sind bisher in die Bresche gesprungen und haben wichtige Tore auf dem Weg ins Finale geschossen. Auch in Sachen Erfahrung hat Pittsburgh klare Vorteile. Nashville kann aber den Schwung und den Enthusiasmus und auch die Euphorie über das erreichte in die Waagschale werfen.

Das Prunkstück von Nashville ist die Defensive, angefangen bei Goalie Pekka Rinne, der schon mehr als ein Spiel „gestohlen“ hat, und falls ihm das auch gegen die Pens gelingt, steigen die Chancen für Nashville. Er ist in praktisch jeder Statistik der heisseste Playoff-Torhüter mit 12 Siegen, einer Fangquote von 94,1 Prozent, 1.7 Gegentore im Schnitt und zwei Shutouts. Und für kein anderes Team in der NHL gilt, dass die Defensive auch für die offensive Musik sorgt. Jeder der vier Top-Verteidiger Nashvilles ist jederzeit für einen Torerfolg gut. Angefangen bei Ryan Ellis der mit seinem knallharten Schuss genauso wie P.K. Subban schon mehr als ein Spiel entschieden hat. Und in diese Kategorie gehört natürlich auch der Berner Roman Josi, der bisher überragende Playoffs gespielt hat. 5 Tore und 5 Assist sprechen eine deutliche Sprache – nur sein Teamkollege Ellis und Ottawas Erik Karlsson hatten in den Playoffs mehr Scorerpunkte unter den Verteidigern. Josi ist nicht nur defensiv eine Bank, sondern hat auch den Instinkt, wann er sich ins Angriffsspiel einschalten muss. Mit 25:56 Minuten pro Spiel erhielt er mehr Eiszeit als jeder andere Feldspieler der beiden Finalteams. Mattias Ekholm ist der vierte Trumpf der Nashville Verteidigung, mit acht Assist und einer Plus-10-Bilanz. Und wir wollen natürlich Yannick Weber nicht vergessen, der in diesen Playoffs vielleicht das beste Eishockey seiner Karriere spielt. Stand er im Sommer noch vor der Wahl nach der geringen Eiszeit in Vancouver überhaupt in der NHL weitermachen zu wollen, so hat er diese Saison fast alle Spiele der regulären Saison sowie alle Playoff-Spiele bestritten, wenn auch in der dritten Linie.

Nicht auf dem Eis dabei ist Kevin Fiala, der sich in den Playoffs verletzte. Sollten die Nashville Predators auch diese Serie als Aussenseiter gewinnen, würde auch sein Name in den Stanley Cup eingraviert.

Im Gegensatz zu seinen Landsleuten hat Mark Streit keine Stammplatz-Garantie. Von den 19 Playoff-Spielen hat er bisher nur drei bestritten. Der kurz vor den Playoffs aus Philadelphia geholte Verteidiger hat in Pittsburgh eine Jokerrolle. Weil sowohl Trevor Daley als auch Justin Schultz angeschlagen sind, ist ein Einsatz aber nicht auszuschliessen. Einen solchen im Finale würde Streit auch benötigen, damit sein Name im Falle eines Triumphes der Penguins auch auf der Trophäe landet, da er als Neuzuzug nicht genug Spiele in der regulären Saison für sein neues Team bestritten hat.

Es wird ein absolut offener Final, in dem auch für Nashville alles möglich ist. Denn Ottawa hat gezeigt, dass auch Pittsburgh nicht unschlagbar ist trotz seiner Offensiv-Armada. Daher trauen wir Nashville aus der Position des Aussenseiters den Coup zu und glauben an einen Triumph der Preds in sechs Partien.