Tanner Richard: „NHL bleibt mein Ziel“

14.5.2017 - Von Maurizio Urech

Der Name Richard ist in der Schweiz kein unbekannter. Sein Vater Mike Richard spielte in der NLA und bestritt für die ZSC Lions, den EHC Olten und den Rapperswil-Jona Lakers insgesamt 459 Partien in denen er 240 Tore und 315 Assist erzielt, mehr als einen Punkt pro Spiel. Und nun steht Tanner Richard im Scheinwerferlicht.

Tanner Richard spielte bei Rapperswil ab der Kategorie Mini, bevor er sich in der Saison 2011/12 für einen Wechsel nach Nordamerika entschied. Jetzt bestreit er in Paris seine erste WM mit der Schweizer Nationalmannschaft und ist einer von acht WM-Debütanten im Schweizer Team.

Tanner Richard, wieso haben Sie sich so früh für den Wechsel nach Nordamerika entschieden, war dies mit Ihrer Familie abgesprochen?

Mein Ziel war von Anfang an die NHL und ich war überzeugt dass der Wechsel in eine kanadische Juniorenliga (OHL) die richtige Option darstellen würde.

Man kennt Sie daher in der Schweiz nicht so gut. Wie würden Sie sich als Person charakterisieren?

Ich bin eine sehr offene Person habe es gerne immer sehr lustig. Ich bin der Clown, derjenige, der immer dafür sorgt, dass eine gute Stimmung herrscht, gerne Witze reisst, aber dann auch seriös ist, wenn es ernst gilt. Ich weiss genau was ich will, verfolge meine Ziele hartknäckig und lasse mich durch nichts von meinem Weg nicht abbringen. Ich will immer gewinnen, dies war schon als Kind so als ich mit meinem Vater Karten oder Monopoly gespielt habe, da ist es ein paar Mal passiert, dass das Monopoly-Brett vom Tisch geflogen ist. Ich bin extrem ehrgeizig, ich kann nur schlecht verlieren.

Nach ein paar Spielen 2012/13 mit Syracuse waren Sie in den nächsten vier Jahren Stammspieler in der AHL bei Syracuse. Die AHL hat den Ruf eine rauhe Liga zu sein, in der mit harten Bandagen gekämpft wird und einem nichts geschenkt wird.

Dies ist effektiv so. Bei dem Spiel oder Training musst du immer die Ellbogen hoch halten. Unter den Spieler heisst die AHL der Dschungel. Du musst immer aufpassen, denn du wirst immer wieder mit Stockschlägen bearbeitet, es herrscht immer Krieg auf dem Eis. Im Prinzip ist jeder ein Einzelkämpfer, auch wenn du im Team Erfolg haben willst. Aber alle deine Teamkollegen sind gleichzeitig deine Konkurrenten, denn normalerweise erhält ja nur einer den Call-up für die NHL. Und jeder möchte dieser Spiel sein der ausgewählt wird. Während dem Spiel ziehen alle am gleichen Strick, im Training sieht dies wieder anders aus. Jedes Training ist wie ein Spiel, du musst jeden Tag Vollgas geben und um jeden Platz kämpfen, wenn du einen Schritt zurück machst kommt sofort ein anderer, du kannst dir kein Nachlassen erlauben. Immer den Kopf schön oben halten und nach rechts und links schauen was passiert.

Diese Saison kamen Sie zu drei NHL-Einsätzen, sicherlich eine spezielle Sache in grösseren Stadien und gegen Spieler antreten zu können die man sonst nur am Fernsehen sieht?

Damit erfüllte sich ein Traum von mir. Ich habe immer an mich selbst und an meine Stärken geglaubt. Es ging zwar etwas länger als ich es mir vorgestellt hatte, lieber spät als nie. Es war eine Supererfahrung für mich, genauso wie ich es mir erträumt habe, davon träumt man als Kind bevor man einschläft. Es ist die beste Liga der Welt und ich bin hungrig auf noch mehr Einsätze in der NHL, dort ist für mich «the place to be.

Laut Gerüchten kehren Sie ja für die nächste Saison in die Schweiz zurück. Aber wir nehmen jetzt an, dass der NHL-Traum bleibt?

Genau, auch wenn ich in die Schweiz zurückkehren sollte, werde ich eine Ausstiegsklausel im Vertrag haben. Nach vier Jahren in der AHL habe ich viel gelernt und viel gesehen und habe mich auch als Person weiterentwickelt sowohl auf als auch neben dem Eis und habe Sachen gelernt auf die man in der Schweiz nicht so viel Wert legt. Und ich glaube diese Qualitäten kann ich hier mitbringen. In Nordamerika wird viel mehr auf jedes Detail geschaut, es wird viel mit Videos gearbeitet. Man hat einen ständigen Dialog mit dem Trainer. Er will ja, dass du besser wirst. In der NLA willst natürlich erfolgreich Eishockey spielen, aber in Nordamerika ist der Konkurrenz-Kampf viel grösser, da du ja dein Ziel noch nicht erreicht hast, sondern noch einen weiteren Schritt nach oben machen willst. Dies ist sicherlich der grösste Unterschied. Ich freue mich auf die neue Herausforderung in der Schweiz, auch hier kann ich sicherlich noch einiges lernen.

Kommen wir zur Nationalmannschaft. Dies ist Ihre erste WM mit der A-Nationalmannschaft, doch Sie haben das Dress mit dem roten Kreuz schon vorher getragen?

Ich habe an einer U18-WM und an zwei U20-Weltmeisterschaften für die Schweiz gespielt. Auf dem Eis war es bisher eine Super-WM, wir sehen ein Turnier auf hohem Niveau, es hat viele gute Spieler hier. Und die WM ist sicher eine ganz gute Plattform um sich zu präsentieren. Auch für die Spieler, die ins Ausland wechseln wollen, Schweden, KHL oder im Idealfall auch in die NHL. In diesem Jahr gibt es ja die Extension-Draft, es sind ja neu 31 Teams am Start. Und es ist klar, dass von den NHL-Scouts jedes Spiel genau verfolgt wird und jeder Einsatz von dir wird unter die Lupe genommen und jedes Mal wenn du den Puck berührst, wird etwas notiert. Aber natürlich ist auch wichtig was du ohne Scheibe machst. Ich freue mich, dass ich meine Qualitäten ins Team einbringen kann und möglichst zu vielen Siegen beitragen kann. Langsam finde ich meine Rolle im Team und habe mich auch auf das Spiel auf dem grösseren Eisfeld eingestellt. Ich versuche immer sehr physisch zu spielen. Ich mache meine Checks immer fertig und hoffe, dass ich in den nächsten Partien noch mehr Eiszeit erhalte. Was ich bisher nicht zeigten konnte waren meine Qualitäten, wenn ich den Puck habe. Ich hoffe dies gelingt mir im weiteren Verlauf des Turniers.

Wie weit kann diese Nationalmannschaft kommen? Persönlich haben wir vom Minimal-Ziel Viertelfinal geschrieben.

Ich habe gesehen, dass allgemein in der Schweiz sowohl bei den Fans auch als bei den Medien eine falsch Mentalität herrscht. Wir machen uns ja damit selber klein. Wir als Team glauben an uns, wir haben die Qualitäten um gegen jeden Gegner zu schlagen. Im Prinzip unterschätzen uns alle. Wir haben eine geile Truppe, mit der wir viel erreichen können. Und wir haben ja auch tolle Fans, die voll hinter uns stehen und noch zusätzliche Energie bringen werden.