U18-WM: Am Exploit geschnuppert

21.4.2017 - Von Fabian Lehner

Die Schweiz hat es auf dem U18-Level immer schwer. Die Kluft zu den grossen Sechs ist da noch grösser als an der U20-WM und die Mannschaft ist noch mehr von den Jahrgängen abhängig. Deswegen kann die Arbeit von Thierry Paterlini, seinem Staff und den Spielern nicht hoch genug gelobt werden. Ja die Schweiz hat nur gegen die Letten gewonnen. Ja die Schweiz hat es auch nicht geschafft die Slowaken zu schlagen. Ja die Schweiz hat gegen die Finnen und die Kanadier hohe Niederlagen kassiert. Man kann die Leistung nicht einfach nur am Erfolg messen. Erfolg ist: Glück plus Eigene Leistung minus Leistung des Gegners. Und den Teil dieser Formel, welche die Schweiz beeinflussen kann, hat für diese WM gestimmt.

Die Schweiz hatten in allen Spielen mindestens ein gutes Drittel gehabt auch gegen die Topnationen. Die höchste Niederlage gab es gegen die Kanadier, wo man lange Resultatmässig dran war. Doch ausgerechnet in den stärksten Phasen, trafen die Kanadier fast nach belieben.

Vergleicht man mit dem letzten Jahr in Grand Forks und den Resultaten vom Sommer ist eine klare Leistungssteigerung ersichtlich. Letztes Jahr konnte man die Letten nur mit Ach und Krach bezwingen. Heuer war es eine Machtdemonstration. Die Letten hatten zu keinem Zeitpunkt auch nur eine Chance, den Match zu gewinnen. Alle vier Linien konnten zeigen, was für Potenzial in ihnen steckt.

Doch wo man die Leistungssteigerung am besten festmachen kann ist das Viertelfinale. Musste man letztes Jahr noch zittern, das es nicht ein Stängeli gibt gegen die USA in der Gruppenphase, war es eine verdammt knappe Angelegenheit. Das erste Drittel war zum Vergessen. Doch was auffällig war: Eines der Ziele vor der Saison war, einen guten Job im eignen Slot zu erledigen. Und genau das ist ihnen in diesem Drittel gelungen. Letztes Jahr gingen viele der Chancen der Amerikaner rein, weil eben der Slot nicht gut verteidigt wurde. Das haben die Jungs in diesem Jahr hervorragend gemacht. Kaum eine Scheibe blieb vor Akira Schmid liegen. Man liess somit viele Schüsse zu, aber die richtig gefährlichen Rebounds wurden konsequent verteidigt

 Zusammen mit der guten Leistung von Schmid wurde, so paradox es klingt, im ersten Drittel die Grundlage für den möglichen Exploit gelegt. Man kann also sagen, die Schweiz hat einen Schritt nach vorne gemacht. Es sind noch einige Schritte zugehen, bis man regelmässig um Medaillen spielen kann und nicht nur in Ausnahmejahren, aber der Weg ist einen Schritt kürzer geworden.

Wenn das jedes Jahr gelingt und zusätzlich ein guter Jahrgang kommt, wird Thierry Paterlini früher oder später mit seinen Jungs um eine Medaille spielen können. Es muss aber weiterhin viel in diese Altersstufe investiert werden. Nicht nur vom Verband SIHF, sondern auch von den Klubs. Wir dürfen nicht vergessen: Die Ausbildung findet hauptsächlich in den Klubs statt und die Nationalmannschaften sind nur eine zusätzliches Element in der ganzen Ausbildungsmaschinerie.

Diesbezüglich findet für Talente eine gute Entwicklung statt in der Schweiz mit den Farmteams: Beispielsweise die Ticino Rockets und die EVZ Academy, welche mit den GCK Lions nun eine kleine Gilde in der NLB bilden. Die „normalen“ NLB-Klubs haben zwar wenig Freude an diesen Anti-Zuschauermagneten, langfrisitg werden aber auch sie von der Entwicklung profitieren. Wenn es mehr gute Schweizer Spieler gibt, hat man eine bessere Verhandlungspositon mit allen Spielern. Das ist das grosse ganze Bild, das oftmals vergessen wird. Schaut man nach Finnland, sieht man wie viel möglich ist, wenn solche Veränderungen mitgetragen werden und die Liga und der Verband am gleichen Strang ziehen.

Fazit: Es war schön zu sehen, wie die Mannschaft gelebt und gearbeitet hat. Es war eine Freude die Entwicklung seit der letzten U18-WM und dem Ivan-Hlinka-Turnier mitzuverfolgen. Es ist noch ein langer weg zur Spitze, aber man geht den Weg stehten Schrittes. Es ist eine Juniorenstufe, welche mehr Unterstützung im sportlichen verdient hätte und definitiv auch mehr Aufmerksamkeit von den Zuschauern in der Schweiz.

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Aus im 1/4-Finale

Die Schweizer bejubeln ein Tor im Viertelfinale gegen die USA, doch dank Toren kurz vor Spielende setzten sich die Amerikaner durch. Foto: Andreas Robanser