Arcobello als Super-Fang

28.2.2017 - Von Martin Merk

Er bestritt alle 50 Spiele als Center der ersten Linie, war mit 25 Toren und 30 Assists der PostFinance Topscorer des SC Bern – und der gesamten Liga. Mark Arcobello ist in der Schweiz bestens angekommen und hat sich für den Titelverteidiger als Top-Transfer erwiesen.

«Topscorer zu sein hat Vor- und Nachteile. Man bekommt teilweise mehr Aufmerksamkeit vom Gegner als man möchte, man kann sich nicht verstecken. Andererseits bedeutet es auch, dass man etwas richtig macht», sagt der Amerikaner zum Auftritt, der für Nordamerikaner oft gewöhnungsbedürftig ist, an den er sich aber längst gewohnt hat, denn Mark Arcobello trägt seit längerem das Trikot und den Helm des PostFinance Topscorer bei seinem Club.

Ein bisschen überrascht sei er schon, dass er nun ganz zuoberst steht in der Liga. «Auch wenn ich nicht über meine Fähigkeiten überrascht bin. Aber Topscorer der Liga zu werden ist nicht etwas, das ich mir vorgenommen hatte. Ich möchte gutes Eishockey spielen und etwas zum Erfolg beitragen. Ich war glücklich, dass ich gute Mitspieler hier habe, daher kamen die Punkte. Es ist sicher eine Ehre der beste Scorer zu sein», sagt der Mann aus Connecticut.

Erst Ende Mai wurde sein Transfer bekannt. Es war die erste Europa-Erfahrung für den 28-Jährigen, sieht man von der WM 2015 in Tschechien ab, als er mit den USA Bronze holte. Davor arbeitete er sich als College-Spieler der Yale University als ungedrafteter Spieler von der raubeinigen Drittklassigkeit der ECHL bis in die NHL hoch. In vier Jahren bestritt er 139 NHL-Spiele. Mehr gab es trotz seiner Spielmacherqualitäten und Offensivinstinkt nicht. Das physische Spiel galt zumindest für NHL-Verhältnisse als seine Schwäche, mit einer Körpergrösse von 175 cm gilt er dort als klein. Dementsprechend verbrachte er die letzte Saison in Toronto zumeist nicht im Scheinwerferlicht der Maple Leafs, sondern beim Farmteam, den Marlies, in der AHL. Statt im Alter von 28 Jahren in der «Entwicklungsliga» der NHL zu bleiben, zog er daher den Schritt nach Europa vor und hat ihn nicht bereut.

«Ich wusste, dass die NLA eine gute Liga ist, eine der besten in Europa, und die Erwartungen wurden erfüllt. Es war eine gute Saison und es hat viele gute Spieler hier», sagt er und ist froh, dass er sich so gut akklimatisieren konnte. Denn Arcobello ist nicht nur als Stürmer ganz oben, sondern auch mit dem SC Bern Qualifikationssieger – und dies mit grossem Abstand zur Konkurrenz mit der Ausnahme der ZSC Lions.

«Es schaute am Schluss vielleicht einfach aus, aber so einfach war die Saison nicht», sagt er zur Saison in der Bundesstadt. «Wir hatten zeitweise mit Verletzungen zu kämpfen und benötigten viel Fleiss um diesem Ungemach standzuhalten.»

Auch neben dem Eis hat sich Arcobello in seiner ersten Saison auf dem alten Kontinent gut eingelebt. «Hier in der Schweiz sind wir so nahe zu allem, wir konnten schon viel entdecken. Ich entdecke gerne die Stadt, neue Restaurants, ein bisschen wie zuvor als ich in Nordamerika spielte», sagt er über seine Zeit ausserhalb der Arenen.

Während er Bern und die Schweiz als ruhig empfindet, bietet die PostFinance-Arena ein passender Kontrast und er zeigt sich begeistert über die Atmosphäre in der Schweiz und in seiner Heimstätte. «Die Bern-Fans sind die besten der Liga. So etwas wie hier mit dieser Mauer an Fans in der Arena habe ich noch nie gesehen. Es ist wirklich cool», sagt Arcobello.

Der Amerikaner kam mit einem Zweijahresvertrag nach Bern. Bei seinen Leistungen dürfte mancher SCB-Fan Angst haben, dass er nach der Saison von seiner NHL-Ausstiegsklausel Gebrauch machen könnte. Ein Wechsel würde sich gewiss weniger wie ein verfrühter Aprilscherz anhören als beim Langnauer Chris DiDomenico gestern. Doch Arcobellos Worte zum Thema wirken beruhigend.

«Ich spielte hier. Ich bin hier aus einem Grund, um ein neues Kapitel zu schreiben», sagt er. «Ich weiss nicht, was nach der Saison geschieht, aber nun bin ich auf Bern und auf die Playoffs konzentriert.»

Der Beweis, dass er auch in den Playoffs glänzen kann, steht noch aus. Nicht jeder Topscorer schafft das. Vor einem Jahr musste Auston Matthews in den ersten Playoffs seiner jungen Karriere eine bittere Erfahrung einstecken, als die ZSC Lions als Qualifikationssieger gegen den Achten – den SC Bern – ausschieden. Arcobello bringt jedoch aus der AHL mehr Erfahrung mit.

«Ich habe mich an die Liga gewöhnt, nun muss ich mich an die Playoffs gewöhnen. Es wird wohl wie überall sein, alle wollen mehr und es wird härter gespielt», sagt er.

Können die Berner nach dem Meistertitel letztes Jahr und der erfolgreichen Qualifikation am Schluss wieder jubeln?

«Wir fokussieren uns nun auf Biel und wenn wir so spielen, wie wir die ganze Saison gespielt haben, sollten wir weiterkommen. Es wird Spass machen gegen Biel. Jedes Spiel wird hart gegen den Achten. Man sah das letzte Saison. Jeder muss nun etwas mehr geben», sagt Arcobello. «Wir wissen, dass wir uns gegen jeden Gegner auf unseren eigenen Plan konzentrieren müssen. Es ist Playoffs, hier müssen wir alle unser bestes Eishockey spielen und hoffentlich haben wir einen guten Start.»

Am Samstag geht es los mit den Playoffs. Demnächst folgt unsere Vorschau auf die vier Serien.