Ambrì-Piotta: Farmteam gesucht

21.9.2015 - Von Urs Berger

"Ohne Farmteam haben wir in Ambrì keine Zukunft. Und uns werden die jungen Spieler weiter davon laufen, wenn wir nicht bald reagieren" sagt der neue Sportchef Ivano Zanatta. Um dies zu verhindern will er in naher Zukunft eine Partnerschaft mit dem HC Biasca eingehen. "Die Gespräche verlaufen gut und ich hoffe, dass wir hier bald eine Einigung erreichen können."

Es ist keine Neuigkeit, dass Ambrì ein Farmteam sucht. Vor allem für die Jungen macht dieses einen Unterschied. „Wir verlieren pro Jahr bis zu 12 Spieler, da wir sie nicht in der ersten Mannschaft integrieren können und ihnen dort eine Zukunftsperspektive aufzeigen können,“ sagt Zanatta. „Dies ist für jeden Klub tödlich. Und speziell hier in Ambrì brauchen wir dies unbedingt. Ansonsten wird es auf lange Sicht kein NLA Team mehr in der Leventina geben.“ Mit dieser Einschätzung liegt der Italo-Kanadier richtig. Denn nur mit einem guten Partnerteam kann das Überleben des Klubs in der höchsten Spielklasse gewahrt werden. 

„Wir können die jungen Spieler in der NLB weiterbilden und bekommen so die benötigte Tiefe im Kader. Dies hilft und auch bei Verletzungen, bei welchen wir schnell reagieren können und den Spieler sofort ersetzen,“ führt Zanatta weiter aus. Ein Blick in die Deutschschweiz zu den ZSC Lions bestätigt dies. Seit Jahren haben die Zürcher zusammen mit dem Partnerteam, den GCK Lions, die Möglichkeit ihre Spieler bei Bedarf in die NLB zu senden und dort wichtige Erfahrungen zu sammeln oder ungenügende Spieler abzugeben. Dies lassen sich die Zürcher auch etwas an Geld kosten. Geld, dass dem HC Ambrì-Piotta fehlt. „Wenn ich einen guten Spieler verpflichten möchte, kann ich nicht mit den Grossen der Liga mithalten. Das ist nun mal so und damit kann ich leben. Aber ich habe ein Problem, wenn sich bei mir ein Ausländer verletzt und ich diesen dann zum Aufbau in ein anderes Team geben möchte. So muss ich ihn bei einer Verletzung schon früher auf das Eis zurück bringen, als die der Heilungsverlauf zulassen würde.“ Dies ist nur einer der negativen Aspekte, welche der Klub zurzeit beschäftigt. 

„Blicke ich auf unsere jungen Spieler, so sehe ich, dass viele noch nicht gut genug sind, um in der NLA zu bestehen. Hier brauche ich unbedingt ein Team, in welchem ich dies jungen Aufbauen und sie zu viel Praxis kommen. Es bringt mir nichts, wenn ich sie hier in Ambrì in der vierten Linie einsetzen kann und sie sich nicht weiterentwickeln können, da andere Spieler mehr Eiszeit und Verantwortung bekommen, weil ich ja zum Erfolg verpflichtet bin. In der NLB kann ich ihnen das nötige bieten und sie dort fordern und fördern.“ 

Natürlich ist dies alles auch eine Frage des Geldes. Um in der NLB ein Team zu finanzieren, braucht ein Klub unterdessen circa 4 Millionen Schweizer Franken. Gerade dies ist aber in der Leventina nicht einfach zu finden. Immer wie mehr hat die Leventina mit der Industrialisierung und der Abwanderung von Firmen zu kämpfen. Seit Jahrzehnten müssen die Tessiner immer wieder die eine oder andere Bettelaktion starten um überhaupt in der NLA überlebensfähig zu sein. Und dies soll mit einem Farmteam besser werden? „Es geht uns dabei nicht um das Geld,“ schränkt Zanatta ein. „Wir wollen einfach nicht so viele Spieler in jungen Jahren verlieren. Dies ist mein Hauptaugenmerk und hier will ich nun verstärkt aktiv werden.“ 

Eine Frage die sich bei all diesem Enthusiasmus stellt ist indes, kann der Kanton Tessin einen NLB Klub überhaupt finanzieren? Der infrastrukturelle Wandel der letzten Jahre ging nicht spurlos vorbei. Immer wieder liest man in den Medien von einem strukturellen Problem, welches vor allem das Nord-Tessin betrifft. Dies färbte in den letzten Jahren vermehrt auch in das Eishockey ab. Sind aus dieser Sicht überhaupt Sponsoren für den HC Biasca in Sicht? „Der Klub hat ein realistisches Budget aufgestellt und wird noch dieses Jahr einen Antrag machen um aus der ersten Liga in die NLB aufsteigen zu können. Wir rechnen aktuell mit einem Budget um die 3 Millionen. Damit wären wir zwar am Ende des Spektrums, aber einen Schritt weiter als auch schon,“ meint Zanatta abschliessend.