Genf: Wenige Wechsel, offener Ausgang

9.9.2015 - Von David Leicht

Eigentlich ist es normal, dass es in der GSHC-Eishalle und den Büros am Ufer der Arve zwischen Saisons jeweils zu etlichen Wechseln kommt. So aber nicht heuer: Der westlichste Schweizer Klub setzt für einmal auf Stabilität, was sich in der zweiten Saisonhälfte ausbezahlen könnte.

Um es vorweg zu nehmen: Die Baustellen im Team von Chris McSorley sind derweil immer noch die Gleichen und dürften sich besonders anfangs der Qualifikation noch manifestieren. In den fünf Vorbereitungs-, und vier CHL-Spielen konnte Genf nur zwei Siege davontragen, davon einer gegen das NLB-Team La Chaux-de-Fonds. Besonders in den CHL-Partien, vor denen McSorley die Saisonvorbereitung als beendet erklärte, zeigten sich alte Sorgenkinder vergangener Saisons: Die Grenat schafften es meist nicht, augenfällige Spieldominanz und (scheinbare) Überlegenheit in Tore umzumünzen, derweil man defensiv fehleranfällig blieb und schlussendlich an sich selbst scheiterte.

Auf der anderen Seite spricht vieles dafür, dass die anvisierte Stabilität den Klub diese Saison weiterbringen dürfte. Mit nur drei Transfers baut Genf auf dem starken Kern der bisherigen Mannschaft auf: Von den abgestiegenen Lakers kamen Verteidiger Johan Fransson und Flügel Marco Pedretti, während von den Elite-Junioren des schwedischen Teams Malmö das offensive Eigengewächs Damien Riat nach Genf zurückkehrte. Auch bleibt bei den Ausländern in der Offensive, abgesehen vom Rücktritt von Taylor Pyatt, alles beim Alten: Die spielstarken Matthew Lombardi, Matt d'Agostini und Tom Pyatt, sowie der kampfstarke Alexandre Picard werden auch diese Saison für offensives Feuerwerk sorgen. Und ungleich der letzten Saison, als durch die Verletzung von Robert Mayer im ersten Vorbereitungsspiel und später auch von Backup Christophe Bays eine Rochade von zwischenzeitlich fünf verschiedenen Torhütern ausgelöst wurde, starten die Grenat in dieser Position verletzungsfrei in die neue Saison.

Unter Chris McSorleys hochintensivem Spielsystem ist es indes unabdingbar, dass das Team frei von Verletzungen bleibt. Letzte Saison, als man im Halbfinal letztendlich deutlich an den ZSC Lions scheiterte, fehlten gleich sechs Schlüsselspieler: Rod, Lombardi, Taylor Pyatt, Picard, Rivera und Marti, abgesehen von Letzterem übrigens alle wegen Gehirnerschütterungen. Der Rest des Teams, von Captain Goran Bezina bis Materialwart Jimmy Omer, war dazu noch zusätzlich durch eine grassierende Magen-Darmgrippe geschwächt. Diese Saison soll alles anders werden: "Dank" dem frühen Ausscheiden in der CHL und dem Verzicht auf den diesjährigen Spengler-Cup werden Schlüsselspieler wie zum Beispiel Kevin Romy, der letzte Saison inklusive internationaler Einsätze 80 Partien spielte, mehr Energie für die zweite Saisonhälfte haben. Und dies könnte den welschen Klub, nach einer sicherlich zwischenzeitlich schwierigen Qualifikationsphase, in der die erwähnten Schwächen ausgemerzt werden müssen, im Kampf um den Titel sehr weit bringen. Es scheint, als ob Genf-Servette mit seinem starken und breiten Kader vieles selber in der Hand hat, insbesondere in der Post-Season.

 

Torhüter

Mit einem Robert Mayer in Bestform hat Genf einen sehr starken Rückhalt, dazu mit Christophe Bays und dem jungen Gauthier Descloux zwei starke Backups.

Verteidiger

Mit Romain Loeffel, Goran Bezina und Johan Fransson haben bei den Calvinstädter gleich die drei wichtigsten Defensivspieler offensive Aspirationen. Im Idealfall bringt dies wichtige Tore, im schlimmsten Fall verursacht dies Niederlagen. Die Defensive ist nicht schwach, trotzdem aber der schwächste Teil der Mannschaft. Dass Chris McSorley dazu mit nur sieben Verteidigern in die Saison startet, ist ein weiteres Risiko.

Stürmer

Genfs Prunkstück. Mit Matthew Lombardi und Matt d'Agostini haben die Grenat zwei der kreativsten und spielstärksten Ausländer der Liga, dazu mit Kevin Romy und Cody Almond zwei valable Nationalspieler. Auch Spieler wie Daniel Rubin, Tom Pyatt und Alexandre Picard können die Marke von 25 Skorerpunkten überschreiten. Dazu hat Genf mit den kämpferischen Chris Rivera, Tim Traber, Roland Gerber und neu Marco Pedretti Spieler, die den gegnerischen Stars auf die Pelle rücken können und werden. Ein besonderes Augenmerk gilt daneben noch Timothy Kast und Jeremy Wick, zwei junge und filigrane Spieler, die mit ihren offensiven Geistesblitzen Partien entscheiden können. Können die Grenat ihre Effizienz noch verbessern, haben sie eine der besten Offensiven der Liga.

Coaching

Chris McSorley hält nicht nur den Klub, sondern de facto auch das Schicksal eines Spielers in seinen Händen. Dies musste Juraj Simek letzte Saison erfahren, als McSorleys Laune plötzlich gegen ihn ausschlug und er die Wahl hatte zwischen Reservistenrolle oder Transfer. Diese Haltung des kanadischen Patrons kann, wenn es nicht läuft wie gewünscht, weitere Instabilität im Klub kreieren. Dazu wird McSorley sein eigenwilliges Spielsystem, das mittlerweile jeder Gegner kennt, weiterentwickeln müssen. Kann er dies nicht, wird Genf nicht um den Titel kämpfen.

Umfeld

Bezüglich Organisation ist über keinen Klub sowenig bekannt, wie über den GSHC. Zwar eine AG, schweigt man sich über genaue Besitzstrukturen und Geldflüsse stets aus. Dies muss aber nicht zwingend schlecht sein, denn ungleich dem Fussballklub aus der Calvinstadt kam das Eishockeyteam zuletzt nie auch nur annähernd in Liquiditätsprobleme. Präsident Hugh Quennec und Mitbesitzer Chris McSorley wissen eine starke Gruppe von internationalen Geldgebern hinter sich, was auch in den kommenden Jahren eine wettkampfstarke Mannschaft am Lac de Genève garantieren sollte.

 

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