NHL: Das grosse Finale

12.06.13 - Von Maurizio Urech

Zur Überraschung vieler Fans und Experten waren die Conference-Finals bei weitem nicht so umkämpft und spannend wie man hätte erwarten können. Pittsburgh kassierte zum Auftakt gleich zwei schallende Ohrfeigen und verlor beide Heimspiele klar und diskussionslos, während man beide Partien in Boston ausgeglichen halten konnte, doch einmal Bergeron und einmal McQuaid sorgten für die Differenz und die Finalqualifikation der Bruins.

Die Serie zwischen Chicago und dem Titelverteidiger Los Angeles war von den Resultaten her ausgeglichener. Chicago legte die Basis mit den zwei Heimsiegen zum Auftakt, während man das Break in Spiel 4 in Los Angeles schaffte. Zu Hause machte man in Spiel 5 das an Spannung kaum zu überbieten war dank einem Tor von Kane den Finaleinzug perfekt.

Nun kämpften diese beiden Traditionsclubs um den heiligen Gral des nordamerikanischen Eishockeys, den Stanley Cup.

Chicago Blackhawks (1) vs Boston Bruins (4)

Falls die Vorzeichen nicht auf den Kopf gestellt werden, dann dürfte die Finalserie zu einem echten Thriller und zum Höhepunkt dieser NHL-Playoffs werden, denn beide Teams haben ähnliche Qualitäten. Interessant zu wissen, dass sich beide Teams diese Saison nicht begegnet sind, doch die Späher werden sicherlich schon die Schwächen und Stärken des Gegners analysiert haben.

Torhüter

Bisher hat Tuukka Rask für Boston ganz einfach sensationell gespielt und niemand in Boston spricht mehr von Tim Thomas. Er kann auch im Finale das Zünglein an der Waage spielen.

Corey Crawford wirkte in den bisherigen Spielen nicht immer stilsicher. Das Finale wird eine ganz neue Erfahrung für ihn werden. Man darf gespannt sein, wie er dem Druck standhält.

Verteidigung

Wenn jemand noch Zweifel an der Qualität der Abwehr der Bruins hatte, wurden diese in der Serie gegen Pittsburgh endgültig zerschlagen. Nicht nur neutralisierte man den Sturm der Superstars, sondern die Abwehrspieler sorgten auch für wichtige und entscheidende Tore. Ausser drei Spielern haben in den Playoffs bisher alle mindestens ein Tor erzielt und dies könnte auch im Finale eine wichtige Waffe werden.

Die Abwehr der Hawks hat sicherlich nicht die Breite Bostons, doch defensiv gab es bisher wenig zu kritisieren. Offensiv haben drei Verteidiger bisher je zwei Tore erzielt. Vor allem im Powerplay müssen die Verteidiger torgefährlicher werden um Boston zu fordern.

Sturm

Bei beiden Teams gehört die Offensive zu den ganz grossen Stärken. Bei den Bruins ist auf die Führungsspieler immer Verlass. Imponierend wie viele Spieler schon wichtige Tore geschossen haben. David Krejci und Nathan Horton haben bisher mehr als einen Punkt pro Spiel erzielt, Brad Marchand und Milan Lucic sind immer für ein Tor gut und Patrice Bergeron, der während des Lockouts für den HC Lugano gespielt hat, ist ein absoluter Leader dieses Teams mit mehreren Siegestoren. Einzig Jaromir Jagr und Tyler Seguin, der den Lockout in Biel verbrachte, haben bisher Ladehemmungen, doch an ihrer Stelle springen andere Spieler in die Lücke.

Auch Chicago ist offensiv breit abgestützt, bisher haben fünf Spieler zehn oder mehr Punkte in den Playoffs erzielt. Wenn man dies von Patrick Sharp, Marian Hossa oder auch Patrick Kane, der ebenfalls in Biel spielte, erwartet werden durfte, ist die positive Überraschung bisher Bryan Bickell, der mit 8 Toren auf das gleiche Total wie Sharp kommt. Das einzige Sorgenkind ist Jonathan Toews, der bisher nur ein mickriges Tor erzielt hat.

Doch Chicago hat bisher eine Saison auf ganz hohem Niveau gespielt und mit diesem Selbstvertrauen und dem schnellen Umschalten von Abwehr auf Angriff werden die Hawks auch die Defensive Bostons vor Probleme stellen. Bei den Powerplay- und Boxplay-Linien sind beide Teams auf dem gleichen Niveau. Für Spannung ist also gesorgt.

Prognose: Boston gewinnt den Stanley Cup in sieben Spielen.