„Das Turnier ist ja noch nicht fertig...“

19.05.13 - Von Leroy Ryser

Zurück dorthin, wo alles begann: Die Schweizer tragen gegen ihren ersten Gegner an dieser WM das Finale aus. Alleine die Tatsache, dass die Schweizer im Final sind, ist der grösste Erfolg der Geschichte. Gold gab es noch nie, WM-Silber nur einmal, 1935. Jetzt wollen die Schweizer dem Gastgeber das Gold aber aus den Fingern nehmen.

Die Tatsache, dass die Schweiz heute gegen den Gastgeber Schweden im Finale antreten wird scheint schwer in Worten fassbar zu sein.

„Unglaublich aber wahr“, „einfach nur stark“ oder „da fehlen die Worte“ – alles eigentlich durchaus passend und immer noch nicht genug. Die Schweiz hat Geschichte geschrieben. Eine Geschichte, welche nicht nur die Heimat, sondern auch die ganze Hockeywelt begeistert. Niemand hätte ein solcher Erfolg dem kleinen Land zugetraut. Niemand hätte davon zu träumen gewagt. Und jetzt? Jetzt stehen die „Simpsons“, wie die Spieler der Schweizer Nationalmannschaft unter ihrem Nationalcoach Sean Simpson immer mal wieder genannt werden, nur eine Stufe vom Königsthron entfernt. Es fehlt nur ein Sieg zum ersten Weltmeistertitel der schweizerischen Eishockeygeschichte.

Doch wie weit ist dieser Schritt noch? Ist er überhaupt machbar? Zieht man das erste Spiel dieser Weltmeisterschaft als Referenz bei, als die Schweden und die Schweizer bereits aufeinander trafen, stehen die Chancen gut. Schweden hatte in diesem Spiel Mühe, gegenüber der massierten Defensive der Eisgenossen Antworten zu finden.

Seit dem 3:2-Erfolg und dem damit verbundenen wichtigen Start ist aber auf beiden Seiten viel Zeit verstrichen. Dank der Ankunft von den Sedin-Zwillinge im letzten Gruppenspiel hat sich in dieser schwedischen Mannschaft eine neue Dynamik entwickelt. Insbesondere der vielgelobte Star Loui Eriksson, der zu Beginn ein Schatten seiner selbst war, taut neben Henrik und Daniel immer mehr auf. Und auch Jonas Enroth, Keeper des Drei-Tronen-Teams, hat sich von Spiel zu Spiel massiv gesteigert.

Dennoch sagt Martin Plüss, der Stürmer der Schweizer Nationalmannschaft, dass der Weg zum historischen Gold-Erfolg nicht mehr weit sei. „Es ist nur ein Spiel“, sagt der SCB-Captain und doppelt nach: „Wenn wir uns auf uns konzentrieren und einen weiteren guten Match spielen, dann stehen die Chancen gut.“

Dass die Schweizer nun vermehrt auf das eigene Spiel achten, anstatt sich hinter dem grossen Gegner zu verstecken hat einen einfachen Grund, den Plüss gleich selber offenlegt. „Es ist nicht nur die Tatsache, dass wir im Final spielen, die begeistert. Es ist vor allem auch die Art und Weise, wie wir spielen. Wir mauern nicht unser Tor zu, kassieren 18 Pfostenschüsse in jedem Spiel und gewinnen 1:0. Wir waren meist das bessere Team und haben jeweils verdient gewonnen.“

Können die Schweden im Finale nun Revanche für die Startniederlage nehmen? Oder müssen sie sich im eigenen Land, vor den eigenen Zuschauern, mit Silber begnügen? Die Chancen für die Schweiz sind zweifelsfrei gut. Denn in Sachen Energie stehen die Schweizer gut da, nachdem sie konsequent mit vier Linien agieren konnten. Eines ist daher auch für Martin Plüss klar. Die Schweiz gehört an diesem Turnier ohne Zweifel unter die besten zwei Teams. Auf die Frage, ob dieser bisherige Erfolg, der grösste seiner Karriere sei, antwortete Plüss mit einem Schmunzeln und beantwortete zugleich die Frage nach dem Ziel am Finaltag: „Das Turnier ist ja noch nicht beendet...“

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