Die Liga wurde ausgeglichener
Die Schweizer National League A ging am vergangenen Dienstag mit den letzten beiden Spielen zu Ende. Der SC Bern wurde Meister, die SCL Tigers steigen ab und der Lausanne HC wird diesen ersetzen. Unser Rückblick.
Es war eine Saison, welche bei den Hockeyfans lange in Erinnerung bleiben wird. Denn wann sieht man Spieler wie John Tavares, Patrick Kane, Taylor Seguin oder Henrik Zetterberg wieder einmal in der Schweiz spielen? Frühestens in zehn Jahren hat man diese Chance wieder, wenn die NHL wieder ein Lock-Out möglich wäre. Dabei wurde von vielen Fans eine Meisterschaftsverfälschung kolportiert. Vor allem die Fans der Clubs, welche offenbar kleine Budgets haben, schienen sich benachteiligt. Dabei vermochte der eine oder andere Klub durchaus einen guten Deal zu machen und konnten sich die Dienste der „Ausgesperrten“ erwerben. Vor allem wenn man bedenkt, zu welchen Löhnen die Spieler teilweise engagiert waren. So konnten die Berner John Tavares für einen Bruttolohn eines kaufmännischen Mitarbeiters anstellen. Dazu kamen die Abzüge, welche jeder ausländischer Spieler hat. Am Ende bekam der Stürmer ein gutes Taschengeld um zu spielen. Bis zum Spätherbst hatte denn auch jeder Klub mindestens ein NHL-Spieler in ihren Reihen.
Servette begann stark - Kloten mit Play-Out
Trotz dieser neuen Situation konnte sich zu Beginn Genf-Servette durchsetzen. In den ersten elf Spielen vermochte das Team von Chris McSorley immer siegreich zu bleiben. Als Zuschauer hatte man das Gefühl, als würde das Team vom Lac Leman die ganze Saison auf solch hohem Niveau spielen. Dabei konnte das Team auf eine starke Defensive zählen. Mit der Zeit durchschauten die Gegner dies und die Genfer beendeten die Qualifikation auf Rang 7. Lange war diese Kampf offen. Denn die Kloten Flyers und Biel mussten lange um die Play-outs zittern. Die Flyers hatten beim Start der Saison keine grossen Probleme. Der Beinahe-Konkurs, die Unsicherheit, ob die Flughafenstädter überhaupt in dieses Spielzeit starten konnten, lähmte die Mannschaft nicht. Im Gegenteil, man rückte noch mehr zusammen. Nach 20 Spielen war man auf Platz drei. Nur einen Punkt hinter dem ersten Platz. Danach fielen die Klotener in ein Loch. Und mussten danach in die Play-outs. Dazu kam, dass der Trainer zu wenig Erfahrung hatte. Was sich am Ende als zu hohe Hypothek erweisen sollte. Denn Tomas Tamfal wurde am Ende von Felix Hollenstein abgelöst, welcher die Flyers im Play-out am Ende bewahren konnte. Das gleiche Schicksal erreichte Harry Rogenmoser mit seinen Lakers. Anders als Tamfal wurde der ehemalige Spieler erst in den Play-outs „entmachtet“. Anders Eldebrink übernahm eine Mannschaft, welche verunsichert und kaum richtig zu kämpfen vermochte. Doch im Playout-Finale konnte sich das Team vom Obersee die Liga sichern. Zuvor musste man sich gegen die Leventiner aus Ambrì geschlagen gegeben. Auch bei diesen war die Saison anders als erwartet verlaufen. Bereits vor der ersten Nationalmannschaftspause wurde der ehemalige Trainer Kevin Constantin freigestellt. Neu wurde das Team von Serge Pelletier übernommen. Unter diesem vermochten sich die Tessiner etwas zu steigern und vor allem in der Defensive besser zu spielen. Dies wurde denn auch ausgenützt um in Playout innerhalb von 5 Spielen den Ligaerhalt zu sichern.
Berner Klubs unterschiedlich
Bei den Berner Klubs hätte die Saison nicht unterschiedlicher verlaufen können. Schon früh waren die SCL Tigers abgeschlagen und mussten am Ende absteigen. Die Frage drängt sich auf, ob die Verantwortlichen im Emmental zu spät gehandelt hatten, als man Fust durch Reinhard und in der Ligaqualifikation Reinhard durch Köbi Kölliker ersetzte. Ausgerechnet Kölliker, der im Verlaufe der Saison dem einen oder anderen Spieler sagen musste, dass im Emmental nicht mehr mit ihm geplant würde. Dies lässt die Vermutung aufkommen, dass nicht mehr alle Spieler alles gaben, um die Tiger in der NLA zu halten. Nach dieser katastrophalen Saison müssen sich die Verantwortlichen von Langnau entscheiden, wie das Kader in Zukunft aussehen soll. Die meisten Spielerverträge wurden für die NLA abgeschlossen und verlieren ihre Gültigkeit. Nur zwei Spieler haben dabei einen gültigen Vertrag in der NLB. Sicher gehen wird Simon Moser. Er will sein Glück in Nordamerika versuchen.
34 Kilometer entfernt von Langnau wurde am gleichen Tag wie der Abstieg die Meisterschaft gefeiert. Der SC Bern konnte sich seinen 13. Titel sichern. Ironischerweise gegen den HC Fribourg-Gottéron, welcher nun seit der Einführung der Play-offs zum vierten Mal im Finale scheiterten und sich gegen den EHC Biel erst im siebten Spiel nach einer vergebenen 3:0-Führung in den Viertelfinals durchzusetzen vermochte. Die Seeländer ihrerseits vermochten die Liga erneut zu überraschen. In einem spannenden Finish konnte man sich für den Viertelfinale qualifizieren. Dennoch wird für den EHCB die Zukunft nicht einfach werden. Mit Reto Berra geht der Grundstein der Erfolge der letzten beiden Saisons. Und ob sein Abgang gleich gut ersetzt wurde, ist zu bezweifeln.
Zug bleibt sich treu – Zürich kämpfte
Wie der EHC Biel muss sich wohl der EV Zug auf die Suche nach einem neuen Torhüter machen. Jussi Markkanen spielte die besten Play-offs seit seiner Ankunft in der Schweiz. Dank ihm konnte der EV Zug den späteren Meister im Halbfinale über sieben Spiele zwingen. Zeitweise zeigten die Innerschweizer eine meisterwürdige Serie und hätten durchaus den Einzug in das Finale für sich entscheiden können. Trainer Doug Shedden hatte aber seine Schwäche für seine besten Spieler, forcierte diese über Gebühr und blieb dann kurz vor dem Zielstrich mit leeren Tanks stehen. Schon während der Saison forderte der charismatische Bandengeneral seine Spieler. Nach dem Abgang der Lockout-Spieler blieb der EV Zug nach wie vor stark. Anders als die ZSC Lions. Diese konnten nach dem Lockout, von dem sie ohnehin kaum profitiert hatten, zulegen. In der Rangliste nach dem Lockout lagen die Löwen denn auch auf dem ersten Platz. Nach dem Abgang von Meistertrainer Bob Hartley merkte man, dass die Spieler wieder mehr Freiheiten hatten und sich diese auch nahmen. Dennoch konnte sich die ZSC Lions nach der Qualifikation nur auf dem vierten Platz einreihen. Die Stadtzürcher mussten denn auch lange um den Einzug ins Halbfinale bangen und konnten diesen erst im entscheidenden siebten Spiel im Hallenstadion erreichen, als man sich gegen den HC Davos durchsetzen konnte.
Davos und Lugano im Umbruch
Im Landwassertal unterzieht sich die Mannschaft von Arno del Curto einem Generationenwechsel. Die langjährigen Leitwölfe Reto von Arx und Sandro Rizzi werden vermutlich in den kommenden beiden Saisons ihren Rücktritt erklären und eine andere Aufgabe im Klub übernehmen. Josef Marha kehrt in seine Heimatstadt Pardubice zurück. Doch wird es dabei bleiben? Die jungen Spieler unter der Führung von Dario Bürgler sind bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen. Es ist kein grosser Beinbruch, dass der HC Davos in den letzten zwei Jahren nicht mehr ins Finale kam. Anders beim HC Lugano. Mit einer Mannschaft, die auf dem Papier stärker als letztes Jahr war und unter der Führung von Larry Huras das Halbfinale anstrebte, musste man sich erneut mit dem Viertelfinal-Aus begnügen. Auch Huras gelang es nicht, die Spieler zu mehr Leistung anzutreiben und die Chemie in der Kabine zu durchbrechen. So werden die Tessiner den Umbruch der Mannschaft anstreben. Das erste Zeichen wurde mit der Trennung von Larry Huras gesetzt.
Neue Spielergeneration am kommen
Die abgelaufen Saison hat gezeigt, dass im Schweizer Eishockey ein Generationenwechsel ansteht. Die Kader der verschiedenen Klubs werden gezielt durch jüngere Spieler aufgefrischt. Neben dem HC Davos und dem SC Bern sieht man dies auch bei den ZSC Lions oder den Kloten Flyers. Dadurch wird den Spielern unter 25 Jahren viel Verantwortung übergeben, welche dies dann auch zu nutzen wissen. Blickt man auf die Scorerliste, so sieht man Andrej Bykow, Dario Bürgler, Dennis Hollenstein und Joël Vermin in den vorderen Rängen. Und diese konnten von den Lockout-Spielern profitieren. So gesehen wurde der Lockout für die jungen Spieler zum Anschauungsunterricht der Professionalität. Dies werden in den kommenden Jahren davon profitieren können und die Ausgeglichenheit der Liga noch verstärkt.
