Gottéron auf den Spuren der 90er
Fribourg-Gottéron beendete die Qualifikationsphase als Sieger und Bykov war Topscorer, diesmal Sohn Andrei. Diese Situation gab es in den 90er-Jahren mehrfach. Können die Copains an die Erfolgszeiten anknüpfen, oder gar den ersten Meistertitel gewinnen?
Unter Trainer Paul-André Cadieux schafften es die Freiburger von 1992 bis 1994 dreimal in Serie ins Finale und gewannen zweimal die Qualifikation, doch Bern und Kloten waren im Finale Endstation. Seither hat sich einiges geändert. Viele Spieler und Trainer sind gekommen und gegangen. Mittlerweile ist man nicht mehr so stark von einer Linie abhängig wie einst jene um Slava Bykov und Andrei Khomutov. Papa Bykov, mittlerweile nicht mehr Trainer in Russland sondern Berater der polnischen Nationalmannschaft, wird vor Ort mit seinem Sohn und seinem langjährigen Club mitfiebern.
„Es ist schön, dass er die Möglichkeit mich spielen zu sehen, was früher selten möglich war“, sagt Andrei Bykov. „Er weiss aber auch, dass er nicht mein Trainer ist. Daher sagt er mir auch nicht ständig, was ich tun muss. Er ist ein wirklich cooler Papa.“
Als sein Vater die grössten Erfolge in Fribourg feierte, war Andrei ohnehin noch ein kleiner Knirps. „Ich erinnere mich nicht so gut an diese Zeiten, aber es ist cool, dass wir nun in einer ähnlichen Situation sind“, so Bykov. „Wir sprechen miteinander aber nicht unbedingt darüber.“
An die internationalen Erfolge seines Vaters wird er zwar kaum herankommen können, doch auf nationalem Level tritt der 25-Jährige, der in seiner Statur und seiner Spielweise so sehr an seinen Vater erinnert, langsam aus dessen Schatten. Die reguläre Saison beendete er mit 13 Toren und 33 Assists und mit dem Helm und Trikot des PostFinanance Topscorers seiner Equipe. Mit Julien Sprunger und Benny Plüss bildet er ein gefährliches Sturmtrio und ist weiterhin ein Kandidat für eine erste WM-Teilnahme.
„Ich habe das Glück, dass ich Julien und Benny in meiner Linie habe, die eine gute Arbeit für mich machen“, sagt der Center.
Unter Trainer Hans Kossmann ist in den letzten Jahren mehr Stabilität eingekehrt. Die technisch versierte Verspieltheit, die dem Club und dem welschen Eishockey angehaftet und von den Fans geliebt wird, kombiniert der Kanada-Deutschschweizer mit Härte und Taktik. In seiner Trainerkarriere hat ihn vor allem Chris McSorley nach sieben Jahren als Trainer in Genf beeinflusst. In seinem zweiten Jahr in Fribourg will er nun alte Erfolge in der Saanestadt aufleben lassen. Im Gegensatz zu früher auch in den Playoffs?
„Wir zeigten in der regulären Saison, dass wir die Mittel haben, jeden zu schlagen“, sagt Bykov. „Jetzt wissen wir, dass es härter wird und wir physischer sein müssen für die Playoffs. Nun beginnt für uns eine neue Saison und leider ohne Julien. Damit fehlt uns ein wichtiges Stück im Team.“
Sprunger fehlt dem Team aufgrund seiner langen Sperre weiterhin und so muss Bykov auf einen wichtigen Sturmpartner verzichten. „Es ist eine Gewohnheitssache. Wir hatten darüber auch in Norwegen diskutiert in der Nationalmannschaft und es klappte. Wir müssen nun ohne ihn auskommen und hatten auch zu Saisonbeginn Spiele ohne ihn gewonnen“, sagt Bykov.
Doch bevor man überhaupt von alten Zeiten träumen kann, steht der EHC Biel als Gegner an. Dieser schaffte es erneut im letzten Augenblick in die Playoffs. Bykov zollt dem Gegner viel Respekt zu.
„Wir wissen sehr gut, dass Mannschaften, die sich gerade noch für die Playoffs qualifiziert haben, sehr gefährliche Mannschaften sind. Wir wissen, dass uns ein starker Gegner erwarten wird, der für uns extrem hart sein wird“, sagt Bykov. „Es waren einige knappe Spiele gegen sie. Wir wissen, dass wir es gegen die Bieler nie einfach hatten.“
Trotzdem wäre alles Andere als ein Weiterkommen anhand der Tabelle und der Direktbegegnungen eine Überraschung. Fribourg gewann fünf von sechs Spielen. Die einzige Niederlage kassierten die Freiburger vor heimischem Publikum, gewannen auswärts dreimal. Allerdings endeten drei der sechs Spiele mit nur einem Tor Unterschied. Damit wird das Duell der zweisprachigen Städte für Fribourg zu einer Reifeprüfung, während die Seeländer hoffen, weiterhin als Überraschungsteam für Furore zu sorgen.
