Nach Schlussspurt der Startschuss

01.03.13 - Von Martin Merk

Am Samstagabend geht die spannendste Phase der Saison los. Acht Mannschaften steigen im Playoff-Viertelfinale ins Titelrennen. Ein Blick auf die Paarungen.

Fribourg-Gottéron vs. EHC Biel (13:5 Punkte)

Fribourg als Qualifikationssieger und Bykov als Topscorer – das gab es schon, in den 90er-Jahren. Zum Meistertitel reichte es den Copains aus der Saanestadt trotzdem nie. Seither hat sich einiges getan. Der Name Bykov wird vom Sohnemann Andrei aufs Eis getragen und die Mannschaft ist nicht bloss abhängig von einer Sturmreihe. Und nach dem – nicht unbedingt gemeinhin erwarteten – Gewinn der Qualifikation, ist die Stimmung in Fribourg im Hoch, trotz des Verlusts von Julien Sprunger aufgrund seiner langen Sperre.

„Es ist imponierend, wie gut die Stimmung im Team ist. Wir gehen jeden Tag mit viel Freude in die Halle“, sagt Bykov. „Doch Biel kommt mit Euphorie. Sie haben einen starken Schlussspurt gehabt und die letzten drei Spiele mit Shutouts gewonnen.“

Erneut machte es der EHC Biel spannend im Zweikampf um den achten Rang gegen die Kloten Flyers. Die Vorzeichen stehen gut, dass die Seeländer ein unangenehmer Gegner sein kann, der nichts zu verlieren hat.

„Wir wussten nicht, was wir in den letzten Runden erwarten konnten, aber am Schluss hatten wir es in den eigenen Händen“, so der Bieler PostFinance Topscorer Jacob Micflikier. Dabei hatte nicht alles für die Bieler gesprochen. Sie wurden vom Ende des Lockouts härter getroffen als andere Mannschaften. Der Trainer Kevin Schläpfer hatte zudem den Tod seiner Mutter zu verkraften und brach im entscheidenden Spiel in einem Meer an Emotionen zusammen.

„Wir fühlten mit ihm, da wir nah zum Trainer stehen. Es war hart für ihn und auch für uns. Aber wir wussten intuitiv, was zu tun war“, sagt Micflikier und hofft, dass seine Mannschaft gegen Fribourg an die letzten Leistungen anknüpfen und weiterhin eine Überraschungsmannschaft sein kann. Einmal in sechs Spielen konnten die Bieler ein Spiel gegen Fribourg gewinnen und zweimal in der Verlängerung zumindest einen Punkt abtrotzen. Eine lange Playoff-Geschichte zwischen den zweisprachigen Städten gibt es indes nicht. Das einzige Duell gewann Fribourg 1992 mit 3:1.

SC Bern vs. Genf-Servette (12:6 Punkte)

Als der SC Bern 2010 letztmals Meister wurde, führte der Weg über Genf in einer Finalserie über sieben Spiele. Auch diese Saison hatten die Berner gegen die Mannschaft von Chris McSorley die Oberhand. Sie gewannen alle drei Partien in der PostFinance-Arena, doch in der Vernets-Halle setzten sich die Genfer zweimal durch. Zuletzt hatte der SCB mit einem Abwehr-Lazarett zu kämpfen, das sich auf den Playoff-Start am Samstag etwas lichten dürfte. Entsprechend waren zuletzt die Resultate.

„Wir gaben Führungen aus der Hand, doch nun geht es von vorne los. Wir haben einige Spieler, die zurückkommen werden“, freut sich Byron Ritchie.

Doch auch Genf-Servette hat Sorgen. Zu Beginn der Saison war die Mannschaft lange Leader, teils mit grossem Abstand. Doch nach neun Siegen in Serie folgte ein harter Winter inklusive sieben Niederlagen in Folge im Januar. Doch die Mannschaft mit kanadischer Handschrift wird sich kämpferisch zeigen und alles geben, um dem Favoriten ein Ärgernis zu sein. „Bern ist eine sehr gute Mannschaft und es wird eine grosse Herausforderung“, sagt der Nationalstürmer Kevin Romy. „Es wird eine gute Serie.“

In vier Playoff-Duellen hat sich bislang aber immer der SC Bern durchgesetzt. Ob das auch in diesem Frühling so sein wird?

EV Zug vs. HC Lugano (10:8 Punkte)

Der EV Zug hat hohe Ambitionen. In der Innerschweiz träumt man schon länger davon, erstmals seit dem einzigen Titelgewinn 1998 das Finale zu erreichen. In den letzten vier Jahren ging jedoch im Halbfinale jeweils die Puste aus. Dieses Jahr kommt zudem mit dem HC Lugano kein einfacher Gegner in der ersten Runde. Die Luganesi haben in drei Playoff-Serien gegen Zug noch keine verloren und auch die Punkteverteilung in dieser Saison schaut eher ausgeglichen aus. Es wird ein Duell, das viel Offensivspektakel verspricht. Und auch eines der beiden PostFinance Topscorern mit den meisten Punkten.

„Wir stehen in einer guten Saison für uns und es ist grossartig mit den Jungs zu spielen“, sagt Linus Omark, der nach dem Abgang der NHL-Stars zum Topstürmer im EVZ-Dress avanciert ist. Kann der schwedische Künstler den Unterschied machen?

Auf der anderen Seite kommt es für Glen Metropolit zu einem Duell gegen seinen Ex-Club. In den Schlussminuten am Dienstag konnte man gerade noch die Punkte holen, um auf den sechsten Rang zu klettern und damit Zug statt Bern als Viertelfinalgegner zu erhalten. Und wer die Luganesi kennt, weiss, dass die Ambitionen höher sind als ein sechster Rang.

„Wir sind motiviert. Für uns sind die Playoffs wie eine neue Saison“, gibt sich Metropolit erfreut über das bevorstehende Duell.

ZSC Lions vs. HC Davos (6:12 Punkte)

„Wir sind gleich motiviert, egal wie der Gegner heisst“, liess HCD-Trainer Arno Del Curto am Dienstag in seiner unverkennbaren Manier wissen. Wirklich? Wer den Bündner kennt, mag ihm das glauben. Doch für viele Spieler, Mitarbeiter und Fans beim HC Davos und den ZSC Lions wird es ein Duell voller Emotionen zwischen zwei Clubs, die sich auf und neben dem Eis nicht gerade lieb haben. In den Playoffs gab es das eine oder andere gehässige Duell, doch vor einem Jahr im Viertelfinale liessen die ZSC Lions ihren Gegner alt aussehen, gewannen die Serie nach bloss vier Spielen mit 4:0.

„Wir kennen Davos gut. Für uns ist es eine grosse Rivalität“, sagt der ZSC-Nationalstürmer Thibaut Monnet. „Es wird ein schöner Viertelfinal. Sie wollen die Revanche, doch wir wollen gewinnen.“

In der laufenden Saison sieht es jedoch anders aus. Der HCD gewann vier der sechs Spiele, jeweils zwei daheim und zwei im Hallenstadion.

„Es wird eine schwierige Serie“, sagt der HCD-Topscorer Dario Bürgler. „Sie sind der Titelverteidiger und haben eine ausgeglichene Mannschaft. Doch wir spielten sechsmal gegen sie. Es gibt keine Geheimnisse.“

Kampf gegen den Abstieg

Noch vor dem Sturz unter dem Strich der Kloten Flyers standen Ambrì-Piotta, die Rapperswil-Jona Lakers und die SCL Tigers auch dieses Jahr als Playout-Teilnehmer fest. Und alle möchten die Saison so schnell wie möglich hinter sich bringen, um einem Duell gegen den NLB-Meister um die Ligaqualifikation zu entgehen.

Bei den Kloten Flyers gilt es den verlorenen Playoff-Kampf zu verdauen. Tommi Santala hofft dabei, nach seiner Verletzungspause gegen die SCL Tigers wieder spielen zu können. „Es wird eine harte Serie. Sie haben sich länger darauf vorbereiten können“, so der Finne.

„Natürlich hatten wir mehr Vorbereitungszeit. Aber sie sind ein sehr gutes Team und werden ein harter Gegner sein“, entgegnet Kuris McLean von den SCL Tigers. Als abgeschlagenes Schlusslicht wollen die Tiger die bislang schwache Saison korrigieren.

Auch Ambrì-Piotta und Rapperswil-Jona konnten sich schon länger vorbereiten und wussten seit geraumer Zeit, dass sie aufeinandertreffen würden. Die Tendenzen sind unterschiedlich. Die Lakers stürzten in der Tabelle ab, während in Ambrì nach dem Trainerwechsel zu Serge Pelletier eine neue Euphorie zu spüren ist. Ambrìs Jason Williams erwartet eine ausgeglichene Serie: „Sie spielten sehr hart. Wir gewannen zwei Spiele und sie zwei. Nun müssen wir uns auf uns konzentrieren.“

Lakers-Stürmer Robbie Earl zeigte sich heute mit einer Schnittwunde im Gesicht - Spuren von hartem Training und einer Schlittschuhkufe.

„Wir kamen leider vom Weg ab“, sagt Earl zum Saisonverlauf, „doch wir werden einen Weg finden, um die Saison gut abzuschliessen.“

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