NLA/NLB: Kommt der direkte Auf-/Abstieg?
Die Diskussion gibt es seit über zehn Jahren. Soll es wie zu alten Zeiten einen direkten Aufstieg in die NLA geben? Eine geschlossene Liga? Oder eine Kompromisslösung, wie man sie nun seit längerer Zeit mit der Ligaqualifikation hat? Die NLB-Clubs spannen zusammen und wollen eine Abstimmung über einen direkten Auf- und Abstieg auf den Tisch bringen.
Offiziell gibt man sich von Ligaseite her noch wortkarg, denn einen offiziellen Antrag gibt es noch gar nicht. Dafür gibt es Probleme. Der Graben zwischen der NLA und NLB ist gross, weil es wenig Durchlässigkeit gibt. Die Einnahmen in der NLB und das Geld aus den Fernsehtöpfen im Schweizer Eishockey für die Clubs der zweithöchsten Liga sind deutlich geringer. Ein Aufstieg ist dadurch schwierig, denn ein gutes Kader kostet letztendlich auch entsprechend Geld. Der EHC Biel hat es nach vielen Versuchen und juristischem Drohgebärde geschafft. Genf-Servette und Basel schafften es davor etwas schneller, aber nur mit einem reichen Onkel im Hintergrund.
Hinzu kommen nach wie vor ungelöste Komplikationen mit der Ligaqualifikation. Dieses Jahr haben sich sechs NLB-Clubs für den Aufstieg beworben, damit sie mit bis zu drei Heimspielen in der Ligaqualifikation einkassieren und an Präsenz gewinnen können. Dass alle sechs Clubs wirklich aufsteigen wollen, können, dürfen und würden, wird weitgehend bezweifelt. Einige Hallen sind weit weg davon entfernt dem zu entsprechen, was der Fan vom Stehplatz-Zuschauer bis zum VIP als NLA-Standard bezeichnen würde. Das finanzielle Umfeld ist eine andere Geschichte.
Ein Verzicht auf den Aufstieg wäre möglich oder könnte im Lizenzierungsverfahren herausbeschworen werden. Auch eine späte Lizenzverweigerung ist theoretisch möglich. Technisch gesehen bliebe dann in beiden Fällen der NLB-Club in der NLB und der NLA-Letzte müsste absteigen. Die NLA würde mit elf Clubs ausgetragen. Der NLA-Club wäre am Boden und könnte höchstens mittels Sonderabstimmung und Dreiviertelmehrheit in der NLA gehalten werden, falls dies im Spätfrühling oder gar Sommer überhaupt noch Sinn macht.
Nun haben sich die NLB-Clubs zusammengetan und wollen einen Antrag für einen Modus mit einem direkten Aufstieg des NLB-Meisters - falls dieser NLA-Anforderungen erfüllt - stellen und damit der direkte Abstieg des NLA-Letzten. Damit würden einige Probleme gelöst.
"Ich weiss, dass die NLB-Clubs nicht zufrieden sind mit der jetztigen Lösung und hinter einem direkten Auf- und Abstieg stehen. Die Diskussionen entstehen jedes Jahr und die Clubs haben das Recht, dies zur Diskussion zu bringen," erklärt Ueli Schwarz, Director Elite Sports bei der Swiss Ice Hockey Federation und damit höchster Mitarbeiter bei der Nationalliga. "Man muss den Ansatz jedoch zu Ende denken mit allen möglichen Konsequenzen. Ein Grund, wieso sich die Ligaqualifikation über Jahre durchgesetzt hat, ist vielleicht auch, dass bislang keine bessere Lösung gefunden worden ist."
Ein direkter Auf- und Abstieg würde die NLB aufwerten und könnte vor allem bei Spitzenclubs mehr Euphorie generieren. Die NLB-Clubs alleine können jedoch keine Änderung herbeirufen. Die elf NLB-Clubs haben je zwei Stimmen, die zwölf NLA-Clubs je drei. Doch langsam scheinen auch erste NLA-Clubs unzufrieden über die Situation zu sein. Mit einem direkten Abstieg gäbe es zwar Absteiger, die Hoffnung auf einen direkten Aufstieg könnte jedoch Schlimmeres verhindern. Als Chur und Herisau über die Ligaqualifikation abstiegen, fehlten Geldgeber und die Clubs gingen Konkurs. Auch Basel und La Chaux-de-Fonds standen nach dem Abstieg aus der NLA vor der Pleite, konnten sich aber retten. La Chaux-de-Fonds brauchte aber Jahre, um wieder ein NLB-Spitzenclub mit gesunden Finanzen zu werden, Basel war davon noch weit entfernt.
Mehr Durchlässigkeit würde Ängste beseitigen und könnte Eishockey am Graben zwischen den hinteren NLA-Clubs und den NLB-Spitzenclubs attraktiver machen. Die Hoffnungen der NLB-Clubs sind daher berechtigt, dass auch der eine oder andere NLA-Club sich dem Antrag anschliessen könnte.
"Ich denke, dass man den direkten Aufstieg pushen kann", sagt Sébastien Pico, der CEO des EHC Visp. "Alle NLB-Clubs sind dafür. Wenn einige NLA-Clubs dies auch so sehen, kann die Ligaqualifikation ab nächster Saison beseitigt werden."
Findet die Ligaqualifikation dieses Frühjahr zum letzten Mal statt? Dies wird sich bald zeigen.
"Wir diskutieren im Sommer über den Modus", sagt Pius-David Kuonen, Vizepräsident der Swiss Ice Hockey Federation. Gemeint ist die Liga-Versammlung am 13. und 14. Juni.
