Eis im Blut

19.12.12 - Von Julia Obst

Lino Martschini ist mit seinen 19 Jahren einer der auffälligsten Jungstürmer in dieser Saison. Beim EV Zug lernt er von einer Mannschaft, die grosse Namen zu bieten hat.

Kaum einer wirbelt in dieser Saison so übers Eis wie Lino Martschini. In der Scorerliste seines Vereins EV Zug steht er momentan mit 10 Punkten (6 Tore, 4 Assists) auf Rang sieben. Nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass er derzeit neben den erfahrenen NLA-Spielern noch mit Grössen wie dem Liga-Topscorer Damian Brunner, Linus Omark oder den NHL-Cracks Raphael Diaz und Henrik Zetterberg spielt. Man sollte ihn eben nicht unterschätzen. Auch wenn er noch jung ist und mit 167 cm Körpergrösse weit unter dem Ligadurchschnitt liegt. Dies tun weder seine Team-Kollegen noch seine Gegner. Das hat er mit seinem schnellen und wendigen Spiel klar gemacht.

Der Luzerner stammt aus einer sportlichen Familie. Sein Bruder Luca spielt beim HC Luzern und auch sein Vater stand auf dem Eis. Lino Martschini selber spielt seit seinem dritten Lebensjahr, da seine Mutter ihn immer mit an die Spiele von Vater und Bruder nahm. Dieser sei sein grösster Fan, der ihn immer unterstütze, so Martschini. Futterneid sieht anders aus. Auch der Rest der Familie gibt ihm Kraft und unterstützt das junge Talent wo es nur geht. Von seinen Anfängen beim HC Luzern durch die Jugendabteilungen des EVZ bis hin zu seinem Ausflug in die kanadische Juniorenliga OHL.

Martschini wechselte in der Saison 2010/2011 zu den Peterborough Petes nach Kanada. Dort erzielte er in zwei Saisons in 124 Spielen 114 Scorerpunkte (41 Tore, 73 Assists) und avancierte zum Publikumsliebling. Martschini sagt, Petes-Trainer Mike Pelino sei für ihn sehr wichtig gewesen. Es sei zwar eine grosse Herausforderung für ihn gewesen, so jung ins so ferne Ausland zu gehen. Dennoch wollte er diese Erfahrung unbedingt machen. Martschini: „Ich habe gelernt, mich gegen grosse und starke Spieler durchzusetzen. Zudem konnte ich mich auch menschlich weiterentwickeln.“

Jedoch sah er dieses Jahr die Zeit für einen weiteren Schritt in seiner Karriere. Anfang 2012 kam Martschini zu einem Gespräch mit dem damaligen Sportchef des EVZ, Patrick Lengwiler, zusammen. So kam es, dass das junge Stürmertalent auf die aktuelle Saison wieder zum EVZ in die NLA wechselte. Der Start in diese Saison barg jedoch auch seine Rückschläge. Im August verletzte er sich beim European Trophy Spiel gegen den Färjestads BK am Knie und fiel für sechs Wochen aus. Er blieb jedoch positiv eingestellt und arbeitete hart daran, dennoch in die Startaufstellung zu gelangen.

Neben Doug Shedden und Waltteri Immonen arbeitet er auch wieder mit seinem Trainer aus den Jugendabteilungen, Leo Schumacher, zusammen. Er ist neben Mike Pelino einer seiner wichtigsten Trainer. Doch nicht nur das Trainergespann hilft den jungen Spielern beim EVZ diese Saison. Vor allem bei den schon erwähnten Top-Namen können sie sich eine Menge abschauen und lernen. Ohnehin findet Martschini auch seine guten Seiten am diesjährigen NHL-Lockout: „Für die Liga bringt der Lockout natürlich Spektakel. Für uns sind die Spieler eine grosse Verstärkung und ich kann sehr viel lernen und profitieren.“

Daher kann er auch die Frage, gegen wen beziehungsweise mit wem er gerne spielen möchte kaum beantworten. Die Chance mit Zetterberg, Brunner und Diaz zu spielen sei schon fantastisch genug. Und war es früher die kanadische Legende Wayne Gretzky, den er bewunderte, so schaut er heute gerne verschiedenen Spielern zu.

Martschini, der nie etwas anderes werden wollte als Eishockeyspieler, konzentriert sich derzeit voll und ganz auf sein Engagement beim den Zugern. Über ein NHL-Aufgebot für die Zukunft würde er sich aber durchaus freuen. Nun steht aber erstmal einmal die U20-WM im russischen Ufa an, wohin er und seine Teamkollegen der U20-Nationalmannschaft am Mittwochabend abgereist sind.

Obwohl es bereits seine vierte WM (U18/U20) unter Junioren wird, ist er auch diesmal voller Vorfreude.

„International zu spielen ist immer etwas Besonders“, sagt Martschini. „Ich freue mich jedes Mal mit den Jungs aus der ganzen Schweiz zusammen zu kommen und mich mit Nationen aus der ganzen Welt zu messen.“

Der Stürmer, der mit der Rückennummer 46 aufs Eis geht, hat den Sport im Blut. Was er sonst im Leben anstellen würde, kann er deshalb nicht sagen. Halten wir also ein Auge auf ihn und schauen, was die Zukunft bringt.

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