Spezza: Lebensqualität statt Rubel
Mit Jason Spezza konnten sich die Rapperswil-Jona Lakers ein grosses Stück aus dem Lockout-Kuchen herausschneiden. Der Stürmer der Ottawa Senators belegte letzte Saison den vierten Platz in der Scorerliste. Die Lakers sicherten sich damit einen Top-Star der NHL.
Gross war der Rummel am 28. Oktober, als Jason Spezza sein Debut bei den Lakers gab. Nicht einmal bei der letzten Playoffteilnahme der Lakers vor vier Jahren sah man so viele Journalisten auf der Pressetribüne. Wie wir von Pressechef René Schmid erfahren konnten, will in diesen Tagen jeder etwas vom neuen Lakers-Star. Selbst ein österreichischer Fernsehsender wollte ein Telefon-Interview mit Spezza. Dieser lehnte jedoch ab: „No Phonecall.“ Man stellt sich unweigerlich die Frage, was einen Superstar wie Jason Spezza ins kleine Rapperswil bringt. Die Antwort heisst Doug Gilmour. Die kanadische Hockeylegende spielte beim Lockout 1994 einst selbst beim damaligen SCRJ. Er habe Gilmour in seiner Sommerresidenz in Toronto kennen gelernt meint Spezza. „Als ich mich die Lakers kontaktierten, sprach ich mit Doug. Er erzählte mir, dass die Stadt grossartig sei“, erinnert sich Spezza.
Bleibt die Frage, warum er den Lockout gerade in der Schweiz verbringt und nicht etwa ein lukrativeres Angebot aus Russland annahm. „Ich verdiene in der NHL gutes Geld. Während des Lockouts geht es lediglich darum sich in Form zuhalten. Eine gute Lebensqualität war für mich und meine Familie daher viel wichtiger“, begründet Spezza und meint weiter: „Die Schweiz kenne ich noch von der WM 2009. Damals verbrachte ich eine super Zeit in Zürich und Bern. Bereits damals war für mich klar, dass ich in diesem Land einen allfälligen Lockout verbringen möchte.“
Dank geschickter Auswahl der neuen Spielstätte, war es für Spezza und seine Familie auch nicht schwierig sich in Rapperswil zurecht zu finden. „Es ist hier alles ein bisschen kleiner als in Kanada, das ist wirklich cool. So kann ich jeden Tag mit meiner Familie in der Altstadt spazieren gehen“, schwärmt Spezza von seiner neuen Heimat. Dabei fügt er an, dass er in den nächsten Tagen Besuch von seinen Eltern erhalten wird. Neben dem Eis scheint es dem NHL-Star also an nichts zu mangeln.
Spielerisch immer besser
Auf dem Eis konnte Spezza seine Mitspieler mit seinen Skills von Anfang an beeindrucken. „Ich kannte ihn bisher nur von der Playstation. Ich muss aber sagen, dass er in Wirklichkeit mindestens so gut ist wie im Spiel“, zeigte sich Mauro Jörg nach der Ankunft Spezzas beeindruckt. Auch Trainer Harry Rogenmoser war nach dem Debüt des Kanadiers beeindruckt: „Das ist mit Abstand der beste Spieler, der jemals das Rapperswiler Dress getragen hat. Ich wusste gar nicht, dass man einen so langen Stock haben kann. Damit zeigt er eine unglaubliche Puckbehandlung.“
Trotz seiner herausragenden Skills konnte Spezza jedoch nicht verbergen, dass er infolge des Lockouts nicht in der Form seines Lebens war. Rogenmoser verordnete ihm deshalb ein zusätzliches Lauftraining. Spezza kommt seither immer besser in Fahrt. So steht er mit fünf Toren und acht Assists bereits an zweiter Stelle der teaminternen Scorerliste. Zwar dominiert er die Scorerliste der NLA nicht in gleichem Masse, wie zum Beispiel Henrik Zetterberg, doch muss man berücksichtigen, dass dieser wesentlich kaltblütigere Linienpartner hat.
Wenn immer ein NHL-Spieler in die Schweiz kommt, stellt sich auch die Gretchenfrage, wie stark er die helvetische Liga einschätzt. „Das läuferische Niveau in der NLA ist sehr hoch. Trotzdem passiert der Spielaufbau etwas langsamer als in der NHL. Dazu ist das Spiel in Nordamerika physischer. Ein Vergleich mit einer nordamerikanischen Liga ist schwierig, weil hier die ‚Big Guys’ fast gänzlich fehlen. Dies führt dazu, dass das Hauptaugenmerk auf den technischen Fähigkeiten und nicht auf der Physis liegt. Verglichen mit einer Liga würde ich sagen, dass das Niveau gutem AHL-Niveau entspricht“, antwortet Spezza auf diese, heikle Frage.
Was bringt Spezza den Lakers?
Im Gegensatz zu vielen anderen NHL-Spielern wird Spezza bei den Lakers nicht fremdfinanziert. Da der Kanadier nichts verdient muss einzig seine Versicherung gedeckt werden sowie die Wohnung und das Auto. Geschäftsführer Roger Sigg war zu Beginn des Engagements davon überzeugt, dass Spezza alleine durch die Mehreinnahmen bei den Eintritten und den Fanartikeln refinanziert werden könne. Mit dem Debut Spezzas wurden so eigens neue Fanartikel kreiert. So entstanden gleich zwei neue Spezza-Fanshirts, ein Spezza-Baseballcap und ein Spezza-Fanschal. Eine spezielle Aktion war auch die Lancierung der Spezza-Wurst. Dabei handelt es sich um ein überdimensioniertes und gut gewürztes Wienerli, das ganz amerikanisch in einem Hotdogbrot daher kommt.
Die Ideen waren also vorhanden, was die Aktion finanziell bringen wird, zeigt sich spätestens beim nächsten Geschäftsbericht. Bereits heute kann man derweil die Zuschauerzahlen analysieren. Diese sind zur Zeit tatsächlich um 600 Zuschauer höher als noch in der letzten Saison. Dieser Zuwachs dürfte jedoch vor allem durch die besseren Resultate begründet sein. Gerade auf diese Resultate hat Jason Spezza mit seinen Scorerpunkten aber sicherlich auch einen positiven Einfluss.
