Einen Monat zur Einigung

14.8.2012 - Von Urs Berger

In etwas mehr als einem Monat läuft der aktuelle Gesamtarbeitsvertrag (CBA) in der NHL aus. Können sich die beteiligten Parteien vorher einigen? Falls nicht, hat die NHL bereits mit dem nächsten Lockout gedroht. Wir bleiben optimistischer und stellen die heissen Eisen der Verhandlungen vor.

Noch sind beide Parteien, die NHL mit ihren Clubs sowie die Spielergewerkschaft NHLPA, in den Vorverhandlungen und haben ihre jeweiligen Positionen klar gemacht. Vieles deutet auf einen kurzen, aber heftigen Kampf hin. Dabei müssen beide Seiten das eine oder andere Zugeständnis machen. Denn ohne diese würde der Arbeitskampf sehr lange dauern. Und dies können sich beide Seiten nicht erlauben. Aus diesem Grund denken wir, dass ein Lockout, wenn es einen gibt, eher kurz sein wird und nur wenige Wochen dauern könnte. Doch welches werden die Schlüsselpunkte in den Verhandlungen eines neuen CBA sein? Wir stellen die vier heissesten Eisen vor und wägen die Seiten ab.

1. Entry Level Contract

Aktuell dauert dieser Vertrag für die neuen Spieler drei Jahre. Danach werden diese RFA (Restricted Free Agents) und können einen höheren Lohn einfordern. Dies ist den Besitzern ein Dorn im Auge. Sie würden diesen finanziell sehr limitierten Entry Level Contract gerne um zwei weitere Jahre erhöhen. Damit verbunden wäre somit eine weitere Gehaltsreduzierung der jungen Spieler. Auch sollen die Bonuszahlungen für die Unterschreibung eines Vertrages oder andere zusätzliche Zahlungen reduziert oder untersagt werden. Dies ist wohl ein Punkt, in welchem die Spieler eher etwas nachgeben könnten. Vorteil NHL: Es betrifft eher die Spieler der kommenden Generation als die aktuellen Gewerkschaftsmitglieder.

2. Verlängerung des RFA-Status

Die NHL-Klubs möchte den Status RFA auf zehn Jahre erhöhen. Bis anhin dauerte es sieben Jahren an aktiver Spielzeit in der NHL oder spätestens im Alter von 27 Jahren, wenn Spieler den Status UFA erhielten und den Club kompensationsfrei wechseln können. Dies wäre also eine Verlängerung gegenüber dem vorgängigen CBA vor 2004/05 um zwei Jahre. Die Spieler könnten sich bereit erklären, auf die vor dem aktuellen CBA gültigen 8 Jahre einzulenken.

3. Vertragsdauer von maximal 5 Jahren

Die Clubbesitzer schlagen im ersten Entwurf den Spielern vor, die Dauer der Verträge auf maximal fünf Jahre zu beschränken. Ebenfalls wollen die Besitzer die Verträge gleichmässig und besser strukturieren. Dies ist als direkter Vorschlag der Causa Ilya Kovalchuk. Die Spieler sehen dies anders und wollen hier keine maximale Vertragsdauer im neuen CBA haben. Realistisch könnte sein, dass die Spieler auf sieben bis zehn Jahre einschwenken würden.

4. Hockey Related Revenue Sharing auf unter 50%

Die Clubbesitzer wollen die Spieler am „Kuchen NHL“ weniger beteiligen und das Hockey Related Revenue Sharing (HRR) vom im Jahre 2005 verhandelten Wert weiter runterdrücken. Aktuell ist dieser bei 57%. Gemäss den Vorstellungen der Clubbesitzer soll er, je nach Lese- und Rechnungsart, auf 46% oder 43% gedrückt werden. Natürlich sind die Spieler dagegen. Dies würde die Spieler auf ein tieferes Niveau zurücksetzen als beim letzten Lockout und hätte eine sofortige Lohnkürzung zur Folge. Dies ist der wohl heisseste Punkt der Verhandlungen. Die Spieler wollen am aktuellen Kuchen, der ja dank ihnen und ihrem Produkt gewachsen ist, mit teilhaben. Sie wollen aber sicher nicht auf unter 50 Prozent zurückfallen. Eine Einigung hier wird schwieriger werden als bei allen anderen Punkten.

Auf den ersten Blick scheinen diese Forderungen der Teambesitzer für die Spieler nicht annehmbar. Dies ist verständlich. Denn die NHL setzte in diesem Jahr 3.2 Milliarden Dollar um. Allein dieser Umsatz wird es der NHL, vertreten durch Garry Bettman, erschweren ihre Forderungen durchzusetzen. Auch die langen Verträge mit Shea Weber, Ilya Kovalchuck und weiteren Spielern sind nicht zum Vorteil der Besitzer. Ein weiterer Knackpunkt in den Verhandlungen mit den Spielern dürfte die Forderung der Spieler sein, auch an zukünftigen Olympischen Spielen teilnehmen zu wollen. Dies ist für Sotschi 2014 immer noch offen.

Bettman oder Fehr - Der Verlierer wird wohl gehen müssen

Nicht nur für die Clubs und für die Spieler geht es in den kommenden Wochen um die beste Position in den Verhandlungen. Auch für die beiden Verhandlungsführer, Gary Bettman und Donald Fehr, geht es um viel. Bettman hatte viel Erfolg in den letzten beiden Verhandlungen mit der NHLPA. Beide Male konnte der smarte Commissioner einen Erfolg verbuchen.

Diesmal jedoch steht ihm einer der hartnäckigsten und erfahrensten Gewerkschaftsvertreter gegenüber. Fehr, der in den letzten Wochen in Nordamerika wie auch in Europa mit Spielern zusammensass, hat für die MLBPA, die Gewerkschaft der Baseballspieler, den aktuellen CBA verhandelt. Und dieser wird unter Kennern der Szene als einer der wohl besten Gesamtarbeitsverträge im Profisport in Nordamerika gehandelt. Und dieses eine Mal könnte Bettman auf der Verliererseite sein. Müsste er dann gehen? Oder werden erneut die Spieler auf der Verliererseite sein? Die kommenden Wochen werden es weisen.