Böhmische Knödel sind zu wenig

17.4.2012 - Von Andreas Robanser

Die Schweizer U18-Nati fährt trotz guter Leistungen dem Erfolg bei dieser Weltmeisterschaft hinterher. Wo liegen also die Probleme? Eine Fehlersuche die nicht ganz einfach ist.

Das diesjährige Schweizer U18-Nationalteam wurde bei dieser Weltmeisterschaft in Tschechien von der Realität eingeholt. Gegen Schweden spielte man ein Drittel sehr gut und der erste Abschnitt gegen Russland war wohl das beste Eishockey, dass diese Mannschaft bei dieser U18-WM in der schönen kleinen tschechischen Stadt Znojmo nahe der österreichischen Grenze gezeigt hatte.

Gut gespielt und trotzdem verloren, wie passt das zusammen? Am gesamten Ausbildungssystem der Schweiz kann es sicherlich nicht liegen, gehören doch die jeweiligen Auswahlen seit Jahren zum Stamm der jeweiligen A-Weltmeisterschaften und selbst der deutsche Fussballbund (!) hat sich dieses Ausbildungssystem bereits genauer angesehen. Also muss man dieses Problem woanders suchen. Geht man dabei in die Statistiken dieser U18-WM in Tschechien etwas tiefer, stösst man auf Zahlen, die dem Problem schon näher kommen.

So stellt die Schweiz mit einem Durchschnitt von nur 179,14 Zentimeter die kleinste Mannschaft bei diesem Turnier. Dabei ist Nicola Brandi mit 170 cm mit vier weiteren Spielern überhaupt einer der kleinsten bei diesen Wettkämpfen.

Doch auch beim „Kampfgewicht“ fehlt den Eidgenossen einiges und so belegt man mit nur 76,64 Kilogramm bei den zehn Mannschaften ebenfalls den letzten Platz. In der Einzelwertung findet man auch hier mit Ramon Diem einen Schweizer unter den Top-5 der leichtesten Spieler. Als Center hat man damit sicherlich nicht gerade den leichtesten Stand vor dem gegnerischen Tor.

Diese Zahlen bestätigte auch Trainer Alfred Bohren nach dem Spiel gegen Russland als er meinte: „Heute haben Männer gegen Buben gespielt.“ Schliesslich stellt die russische Mannschaft die schwerste und auch grösste Mannschaft bei dieser Weltmeisterschaft.

Wie kann man diesem Problem entgegentreten? Eine Blitzlösung gibt es wohl nicht. Man könnte hier wohl mit den guten und zahlreichen Böhmischen Knödeln das Kampfgewicht sprunghaft nach oben treiben, doch diese nicht gerade leichte Kost würde sich wohl schwer auf die Schnelligkeit und Spritzigkeit der Spieler niederschlagen.

Auch an der Grösse der Spieler kann man nichts ändern und so bleibt in Zukunft nur an die jeweiligen Nachwuchsspieler zu appellieren noch mehr in die Kraftkammer zu gehen und noch mehr an ihrer Ernährung und persönlicher Einstellung zu arbeiten als sie es eh schon tun.

Ein positives Zeichen sind aber sicherlich die beiden ersten Abschnitte gegen Schweden und dem Startdrittel gegen Russland zu sehen. So konnte das Spieltempo dieser beiden Topteams über eine gewisse Zeit ohne wirkliche Probleme und mit viel Disziplin mitgegangen werden, doch umso länger diese Begegnungen dauerten kam das körperliche Manko immer sichtbarer zu tragen.