Saisonvorschau: Und wer lernt Biel Demut?
Träume sind Schäume, sagt ein altes Sprichwort. Und Träume soll man nicht zerstören. Doch wer aufs Kader der Bieler schaut, wird für die Zielsetzung der Clubführung, die Playoff-Qualifikation, eher ein Kopfschütteln übrig haben.
Ranglisten-Tipp:
| 1. | |
| 2. | ZSC Lions |
| 3. | Bern |
| 4. | |
| 5. | Zug |
| 6. | Lugano |
| 7. | Fribourg |
| 8. | |
| 9. | |
| 10. | |
| 11. | Biel |
| 12. | Ambri |
Wir geben es gerne zu. Mit den Vorschauen des EHC Biel haben wir meistens die grösste Mühe. Aber wieso ist dies so? In einem Wort: Diskrepanz. Die Clubführung will alle Jahre wieder in die Playoffs kommen, gibt aber Jahr für Jahr wertvolle Spieler ab und verkannt dabei, dass sie, wie Ambri oder die Lakers, ein „Ausbildungsklub“ auf hohem Niveau sind. Dies mag der wohl gewichtigste Abgang verkörpern. Kevin Lötscher verliess den EHC Biel in Richtung Bern. Oder man gibt gute Ausländer (Rico Fata) an die Konkurrenz ab. Beide Spieler waren wichtig für das Teamgefüge. Dass man mit Marc Wieser, Gaetan Haas und Marco Truttmann gute, aber keine spektakuläre Zuzüge getätigt hat, ist nicht von der Hand zu weisen. Schlagen sie aber ein?
Torhüter muss beständiger werden
In die nun dritte Saison geht Reto Berra. Der ehemalige Goalie von Davos und der GCK Lions muss nun aber mit einer speziellen Situation fertig werden. Marco Streit steht Kevin Schläpfer zur Verfügung. Dies wird Berra sicher Beine machen und seine Leistung gegenüber dem letzten Jahr noch steigern. Ansonsten wird Schläpfer nicht darum herumkommen, den ehemaligen U20-Torhüter mir Streit zu ersetzen und ihm die eine oder andere Pause zu geben. Denn dass Berra mehr kann als er in den letzten Jahren zeigte, wissen wir. Und wir schätzen ihn gut ein, sehen aber in ihm (noch) keinen Leonardi Genoni. Dies obwohl die meisten Experten in den Juniorenjahren Jahren Berra vor Genoni sahen. Nun ist dies eindeutig anders.
Ausländer müssen Last tragen – Kommt Rotationsprinzip?
Eine delikate Aufgabe hat Trainer und Sportchef Kevin Schläpfer. Er muss die fünf Ausländer alle bei Laune halten und ihnen jeweils den Grund einer Nichtnominierung nennen. Denn mit Ahre Spylo-Nittel, Sébastien Bordelau, Tom Preissing, Eric Beaudoin und Mario Scalzo verfügen die Bieler über respektable Ausländer. Am ehesten kommt daher ein Rotationsprinzip für die Bieler in Frage. Der Trainer entscheidet daher, welchen Spieler er gegen welchen Gegner eingesetzt wird. So könnten wir uns vorstellen, dass er gegen die Ligaspitze eher die Verteidiger Scalzo und Preissing aufspielen lässt, um dann gegen die Playout-Kandidaten eher mit den drei Stürmern Spylo, Bordeleau und Beaudoin antreten wird, um nach vorne eine geballte Feuerkraft zu haben. Nur wenn alle der fünf Beteiligten am gleichen Strick zieht, wird die mögliche Qualifikation für die Playoffs erreicht werden.
Noch zwei schwere Saisons?
Neben den Ausländern müssen auch die Schweizer an ihre Leistungsgrenzen gehen. Denn der Kader scheint uns etwas dünn besetzt zu sein. Und ob Biel längere Ausfälle problemlos überstehen kann, ist fraglich. Und was Geschieht, wenn man von Beginn an mit dem Rücken zur Wand spielen muss? Können dann die heissblütigen Fans ihren Lieblingen verzeihen? Dass man in Biel schnell nervös wird, hat man vor der Ära Schläpfer bewiesen. Und Schläpfer selber steht nun vor einer wegweisenden Saison. Denn einen Abstieg kann sich der EHC Biel nicht leisten. Ansonsten wird es schwierig sein, den angestrebten Neubau des Stadions auch wirklich zu realisieren. Dieser ist zwar geplant, aber noch fehlen weitere Investoren und es wurden erst 60 Prozent der neuen Geldgeber gefunden. Um das Stadion zu verwirklichen braucht es aber, gemäss Aussagen der beteiligten Bauunternehmer, mindestens 70 Prozent verkaufte Ladenfläche. So gesehen wäre ein Abstieg des wichtigsten Sportclubs in der Uhrenstadt schlimmer als alles andere. Das Ziel des EHCB kann mit diesem Kader nur der Erhalt der Liga heissen. Alles andere wäre Augenwischerei. Doch wer sagt das der zuständigen Führung und lernt dem EHC Biel die nötige Demut? Denn erst wenn das neue Stadion Wirklichkeit wird und man neue Geldquellen erschliessen kann, kann man mit der grossen Kelle anrichten und mit dem Mittelfeld der Liga konkurrieren. Wenn alles gut geht, sollte dies in zwei Jahren der Fall sein. Vorher muss man sich mit dem Erhalt der Liga zufrieden geben.
