Niederreiter will eine offensivere Rolle einnehmen

10.8.2022 - Von Pascal Zingg

Nino Niederreiter machte im letzten Monat durch seinen Wechsel zu den Nashville Predators von sich reden. Um sich bei Arbeitsantritt in optimaler Form zu präsentieren, hält sich der Churer in der Schweiz fit. Ein Teil dieses Sommertrainings bestreitet der Stümer mit den SCRJ Lakers. Dort gab uns Niederreiter Auskunft über die stressigen und spannenden letzten Tage.

Wer diese Woche die SCRJ Lakers im Training besucht, der wird es sofort merken: Da ist einer auf dem Eis, der nicht ins Bild passt. Gut zu erkennen ist der Gast durch seinen gelben Helm. Dabei handelt es sich nicht etwa um einen Topscorer-Helm, nein, es ist der Nashville-Helm von Nino Niederreiter. Der Churer bestreitet einige Trainings mit den Lakers, um sich so auf die neue Saison vorzubereiten. «Bereits in den letzten drei Jahren durfte ich hier trainieren», erklärt der Stürmer. Es sei nicht so schwierig einen solchen Trainingsplatz zu bekommen. Bisher hätten sich immer Gelegenheiten ergeben, um in Rappi oder Davos zu trainieren. «Wichtig ist, dass du dich richtig verhältst. Du kommst als Gast und darfst nicht eine zu grosse Rolle einnehmen. Zudem ist es wichtig, dass dich die Coaches mögen», ist sich der Churer bewusst. Da Niederreiter voll des Lobes für den Trainerstab und die Organisation der Lakers ist, scheint ihm dies aber nicht allzu schwer zu fallen.

Der Heimat noch immer verbunden

Nicht zuletzt dank den Trainings in Rappi verfolge er auch von Übersee die heimische Meisterschaft. «Wenn du hier trainierst, lernst du die Spieler kennen, da nimmt es dich natürlich wunder, wie sich in der Meisterschaft schlagen», gibt Niederreiter zu bedenken. Ein besonderes Augenmerk liege dabei auf seinem Jugendfreund Leandro Profico. «Wir sind zusammen aufgewachsen, da verfolgt man die Karriere des andern logischerweise», erklärt der Bündner. Schnell wird klar, Niederreiter verfolgt nicht nur die National League, nein, er ist nach 13 Jahren in Nordamerika seiner Heimat noch immer verbunden. «Ich komme jeden Sommer gerne in die Schweiz, um die Zeit mit Familie und Freundin zu geniessen», erklärt er. Ebenfalls spiele er in der Sommerpause gerne Golf. Daneben spielt aber auch das Training eine wichtige Rolle. «Nashville hat mir bereits gesagt, welche Tests ich machen muss. Diese sind ähnlich wie in Carolina. In einem neuen Verein will man jedoch zeigen, dass man ein guter Spieler ist», gibt sich der Stürmer kämpferisch.

Der Wunsch nach einer offensiveren Rolle

Der Vereinswechsel ist ein Thema, das Niederreiter in diesem Sommer auf Trab gehalten hat. «Bereits vor der Free Agency habe ich darüber nachgedacht, ob ich in Carolina bleibe oder doch einen neuen Verein suchen soll», erklärt er. Gerade weil er in diesem Sommer erstmals viele Freiheiten bei der Wahl seines neuen Vereins hatte, sei es sehr stressig gewesen. «Die Anrufe kamen meist um eins oder zwei Uhr in der Nacht. Danach galt es mit André Rufener (Niederreiters Agent, die Red.) zu prüfen, ob das Angebot passt oder nicht», erinnert sich der Churer. In diesen Gesprächen wurde klar, dass sich der Stürmer eine Rückkehr zu den Carolina Hurricanes nicht vorstellen kann. «In der letzten Saison habe ich vor allem mit Jordan Staal und Jesper Fast gespielt. Die beiden sind eher Defensivspezialisten. In den Playoffs war unsere Rolle deshalb die Toplinie des Gegners zu neutralisieren», erklärt der Stürmer. Niederreiter selbst behagte diese Rolle jedoch zu wenig. «Vielleicht entwickle ich mich in den nächsten drei bis vier Jahren zu einem defensiveren Spieler. Aktuell bin ich jedoch noch genug parat, um vorne mitzumischen und Tore zu schiessen», präzisiert der Churer.

Wiedersehen mit alten Bekannten

«In Nashville sehe ich die Möglichkeit in den nächsten beiden Jahren eine Rolle in den ersten beiden Linien einzunehmen», führt er weiter aus. Neben dem Wunsch eine offensivere Rolle zu erhalten, hätten aber auch zukünftige Teamkollegen den Ausschlag für die Predators gegeben. «Mit Ryan Johansson habe ich bereits in der Juniorenliga zusammengespielt. Mikael Granlund kenne ich aus meiner Zeit in Minnesota. Mit Roman Josi habe ich einige Schlachten in der Nati geschlagen, er ist auch sonst ein guter Kollege», gibt Niederreiter Auskunft. Gerade Landsmann Josi spielte beim Transfer eine wichtige Rolle. Der Captain der Preds legte beim Management ein gutes Wort für seinen Kumpel ein und fragt auch beim Churer immer wieder nach, wie die Verhandlungen stehen. «Dass mir auch noch Matt Duchene geschrieben hat, dass mich die Predators unbedingt wollen, erachte ich ebenfalls als gutes Zeichen», gibt Niederreiter zu bedenken.

Nashville hat Potential

Neben persönlichen Fortschritten, erhofft sich Niederreiter in Nashville auch den sportlichen Erfolg. «Ich durfte das Team zwar noch nicht kennenlernen, doch haben wir vor zwei Jahren in den Playoffs gegen sie gespielt. Dies war eine sehr harte und physische Serie», erinnert sich Niederreiter. Dabei ist sich der Büdner bewusst, dass die Saison in der NHL lang und hart ist. «In die Playoffs zu kommen ist nicht einfach. Wenn du aber mal drin bist, ist alles möglich», gibt er zu bedenken. Neben der sportlichen Herausforderung freut sich der Stürmer auch über Erfahrungen in einer neuen Stadt. «Mit Minnesota waren wir in der gleichen Division wie Nashville. Auch beim Playoffduell mit Carolina durfte ich die Stadt etwas besser kennenlernen. Ich freue mich bereits jetzt die Fanbase kennenzulernen und die Stadt noch genauer zu erkunden», erklärt Niederreiter.

Kommen die Grosseltern nach Bern?

Noch bevor sich der Churer in die Herzen der Nashville-Fans spielen kann, gibt er ein Gastspiel bei seinen Schweizer Fans. Am 3. Oktober bestreiten die Predators bekanntlich ein Testspiel in Bern gegen den SCB. «Das wird mein erstes Spiel in der Schweiz, seit ich 2009 mit dem HCD in den Playoffs gespielt habe. Das ist natürlich ein sehr grosses Ereignis für mich», freut sich Niederreiter. Dabei wünscht er sich, dass auch seine Grosseltern im Stadion sein werden. «Sie haben noch nie ein professionelles Spiel von mir live in der Arena gesehen», führt er aus.

Wie es scheint, hat Nino Niederreiter während der Free Agency eine Lösung gefunden, die für ihn sehr viel Sinn macht. Nun kann er unter sehr guten Bedingungen zeigen, dass er mit 29 Jahren noch immer zu den besten Schweizer Stürmern gehört. Für die hiesigen NHL-Fans gibt es derweil einen Grund mehr sich die Spiele der Predators anzuschauen.

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Nino bei den Lakers


 


NHL-Star Nino Niederreiter im Training bei den SC Rapperswil-Jona Lakers. Foto: Pascal Zingg