Topscorer Malgin

21.5.2022 - Von Maurizio Urech

Der Stürmer Denis Malgin ist der aktuelle Topscorer der Schweizer und in der Scorerwertung nur einen Punkt hinter dem in der Schweiz bestens bekannten Tschechen Roman Cervenka. Wir sprachen vor dem Spiel gegen Kanada mit ihm.

Denis Malgin: Ihre Wurzeln sind in Russland. Erklären Sie uns doch bitte wieso Ihre Familie in die Schweiz gezogen ist?
Mein Vater Albert war ein Eishockeyspieler und hat lange in Russland gespielt, nachher ging er nach Slowenien und 1993 in die Schweiz zum EHC Chur, ich wurde in Olten geboren. Es hat uns in der Schweiz gefallen daher haben wir uns entschieden hier zu bleiben.

Hier an der WM sind Sie im Moment so etwas wie König Midas, alles was Sie anfassen wird zu Gold. Hat sicher mit Ihrem Selbstvertrauen zu tun aber auch mit Ihren Sturmpartnern?
Wir haben ein gutes Team und ich habe sicher exzellente Partner in meiner Linie mit Pius und Dario. Wir helfen uns gegenseitig, kommunizieren viel und wir versuchen uns in jedem Training und in jedem Spiel zu verbessern um uns Blind verstehen zu können.

Aufgrund der bisherigen Eindrücke an dieser WM ist es richtig Ambitionen zu haben auch wenn man Spiel für Spiel nehmen muss.
Stimmt, wir schauen nicht zu viel nach vorne, das nächste Spiel ist immer das Wichtigste. Wir sind ein junges Team, das ein schnelles und modernes Eishockey spielt; dies passt zu uns.

Persönlich habe ich Sie zum ersten Mal an der U18-WM in Zug spielen sehen, auch Jonas Siegenthaler war in dieser Mannschaft. Als Sie nach zwei Saisons bei den ZSC Lions den Schritt nach Nordamerika wagten, glaubte kaum jemand an Ihre Chance, doch Sie haben es geschafft. Ist es ein Traum, der Realität wurde?
Es war sicher megacool, dass ich es ins Team der Florida Panthers geschafft habe, aus dem Camp direkt in die NHL. Im Prinzip ist es egal, was die Zeitungen schreiben, jeder hat seine Meinung. Leider gibt es Viele, die nicht an uns glauben, aber so kannst du ihnen zeigen, dass sie falsch lagen, aber dies ist jetzt sechs Jahre her, dies beschäftigt mich nicht mehr, aber es hat mich definitiv weitergebracht.

Als Sie an der U18-WM gespielt haben, war es Ihr Ziel in der NLA und in der Nationalmannschaft zu spielen oder war Nordamerika schon ein Thema?
Ich glaube die NHL ist für jeden jungen Spieler ein Traum, du musst natürlich auch realistisch sein, aber du darfst dieses Ziel haben. Ich habe es geschafft, mir diesen Traum erfüllt und fast 200 Spiele (192) in der NHL bestritten. Ein einmaliges Erlebnis für jeden. Coach Gerard Gallant gab mir als junger Spieler das Vertrauen.

Was für eine Rolle spielte Ihr Vater für Ihre Karriere? War er eher der Förderer oder gab es durch die Konstellation einen Druck?
Nein, ich wurde nie von meiner Famile unter Druck gesetzt. Meine Familie liess mir immer freie Hand. Ich konnte machen was ich wollte. Mein Vater und mein Bruder spielten Eishockey, dadurch war ich am Eishockey schon früh interessiert und es gefiel mir und habe meinen Weg gefunden. Ich erhielt nur Hilfe von meiner Familie auch wenn ich schon früh mit dem «Virus» Eishockey infiziert wurde.

Wenn Sie nicht Eishockey spielen, wie verbringen Sie Ihre Freizeit?
Diese Zeit verbringe ich mit meiner Frau, wir mache, lange Spaziergänge zusammen mit unserem Hund. Es ist wichtig auch vom Eishockey abschalten zu können, man muss den Kopf durchlüften. Ich bin sportbegeistert und betreibe auch andere Sportarten, so kann ich mich auch ablenken.

Sie spielen bereits auf einem hohen Niveau, aber wo glauben Sie liegt Ihr grösstes Steigerungspotential?
Es ist sicher nicht nur ein Punkt. Wenn du besser werden willst, musst du überall wachsen. Du willst noch schneller werden, noch besser schiessen, deine Partner noch besser machen, defensiv besser sein. Du willst immer wachsen. Ich glaube nur wer diese Einstellung hat, wird zu den Besten gehören, egal wo.

In diesen Tagen wird viel darüber spekuliert, ob eine Rückkehr in die NHL ein Thema sein könnte.
Diese Frage wurde mir schon gestellt, aber meine Konzentration gilt momentan der Schweizer Nationalmannschaft hier in Finnland. Wir haben ein gemeinsames Ziel. Wir werden sehen, was passiert. Ich schaue nicht viel weiter in die Zukunft. Ich nehme immer Schritt für Schritt und wir werden sehen was nach der WM passiert.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Patrick Fischer, ein junger Coach, der eine moderne Vision vom Eishockey hat?
Dies stimmt, man sieht es ja wie wir Eishockey spielen. Wir sind kreativ mit der Scheibe. Er ist eine sehr gute Person mit positiven Ideen. Ich kann nur Positives über ihn sagen.

Falls Sie nächste Saison in der Schweiz spielen kann das Ziel mit den ZSC Lions nur der Titel sein.
Wir sind so knapp gescheitert, aber dies ist Eishockey und es geht megaschnell. Ich glaube jede Mannschaft hat anfangs Saison das Ziel Meister zu werden. Wenn du als Mannschaft hart trainierst, auf dem Eis hart arbeitest, die kleinen Sachen richtig machst, dann wirst du früher oder später dafür belohnt.

Letzte Frage, welches Idol hatten Sie als Kind?
Ich habe viele Spieler gesehen, Crosby, Ovechkin, Datsyuk und natürlich auch meinen Vater, den ich in Aktion sah. Es war nicht nur ein Idol, sondern ich versuchte von jedem etwas zu lernen. Ich spielte auch Fussball, aber habe mich fürs Eishockey entschieden und habe es nie bereut.