Fischer leitet Verjüngungskur ein

19.4.2022 - Von Martin Merk

Das Ende einer Olympiade ist üblicherweise auch der Neuanfang. Laut dem Nationaltrainer Patrick Fischer wird sich diesen Frühling der Kern der Nationalmannschaft stark verändern.

Geht es nach den Resultaten, so dürfen Schweizer Eishockeyfans für die WM zuversichtlich sein. 4:1 und 4:2 besiegten die Schweizer die französische Nationalmannschaft. Doch um Schlüsse zu ziehen ist die WM-Vorbereitung noch zu jung und bis zum finalen WM-Aufgebot wird es noch einige Kaderänderungen geben. An einigen Mechanismen wie dem Powerplay wird der Fokus erst gelegt, wenn das WM-Kader weiter Form anlegt und bei der Toreffizienz liegt Verbesserungspotenzial vor, stand doch die Partie in Basel trotz klarer Überlegenheit bis acht Minuten vor Schluss 1:1 ehe die Schweizer davonzogen.

Fischer zeigte sich nach den Spielen zufrieden, dass die Mannschaft gewonnen hat und sich niemand verletzte. Die Siege freuten ihn vor allem auch deswegen, weil er die Spieler ohne Rücksicht auf Resultate hart auf und neben dem Eis trainieren liess, also auch viel im Kraftraum und mit einer Boxsession. «Wir machen alles zusammen, wir leiden zusammen, das ist auch Teambuilding», so Fischer. Geändert haben sich die Eistrainings etwas, so fanden die ersten 30 Minuten individuell statt bevor es Übungen mit der Mannschaft gibt.

Am Ostermontag hatten die Spieler einen Tag Pause bevor sie heute in Cham wieder zusammenkommen. «Wir gehen nach Deutschland, der Gegner wird sicher auch härter. Wir freuen uns», sagt Fischer.

Was jetzt schon gesagt werden kann ist, dass das Gesicht der Schweizer Nationalmannschaft bei der kommenden WM in Finnland andere Züge tragen wird.

«Nach den Olympischen Spielen gibt es eine Neuausrichtung, ein neuer Zyklus geht los. Der Kern, der diese Mannschaft geführt hat, wird sicher verändern. Er hat einen ausgezeichneten Job gemacht in den letzten Jahren, spielte erfolgreich. An den Olympischen Spielen waren wir im Durchschnitt 30, 31 Jahre. Wir müssen das runterkorrigieren», so Fischer, der insbesondere die jungen Verteidiger erwähnt, wo insbesondere auf der linken Seite viele Spieler nachkommen und einige neue auf der rechten Seite integriert werden müssen.

Gerade im Sturm erwähnt er die jüngeren NHL-Stürmer wie Nico Hischier, Philip Kurashev, Pius Suter, Timo Meier und Kevin Fiala. Spricht von den starken 96er- und 97er-Jahrgängen, von Spielern die nun 25, 26 Jahre alt sind.

«Es wird Zeit, dass diese Generation die Mannschaft übernimmt und der Kern wird. Das heisst nicht, dass alle alten Spieler weg sein werden, aber der Kern wird sich verändern», prophezeit Fischer.

Ob konkret Routiniers abgesagt haben, wie das alle vier Jahre bei Olympischen Winterspielen und der WM in derselben Saison nicht unüblich ist, möchte Fischer nicht sagen. Bislang sickerte einzig durch, dass Gaëtan Haas vom EHC Biel erklärte sich nicht fit zu fühlen. Der Rekordspieler Andres Ambühl, immerhin 38 Jahre alt, könnte hingegen seine 17. Eishockey-WM bestreiten. Er hat Fischer zugesagt, erhält jedoch noch eine weitere Woche Erholungspause und wird erst nächste Woche zum Team stossen ebenso wie sein Davoser Teamkollege Enzo Corvi und Gottéron-Goalie Reto Berra.

Von den jüngeren Spielern bleibt Jonas Siegenthaler ein Thema nach seinem Handbruch. «Er ist extra nach Ohio geflogen zum besten Handspezialisten», sagt Fischer, wo er mit einer neuen Technik behandelt wird in der Hoffnung früher einsatzbereit zu sein als bei dieser Verletzung üblich. «Die Chance besteht, dass er fit sein könnte für die WM. Ich hoffe es, er hat eine sehr gute Saison gespielt und würde defensiv sicher helfen.»

Potenziell könnte auch ein Bruderpaar den Altersschnitt senken. Nico Hischier von den New Jersey Devils könnte nach dem Saisonende zum WM-Kader stossen, während derzeit sein Bruder Luca um einen Platz im Kader kämpft. Er wäre ein WM-Neuling.

«Ich habe schon mit ihm über die Nati gesprochen. Nun bin ich da, gebe mein Bestes und mal schauen, wie lange ich dabei bin», sagt der Biel-Stürmer. «Es wäre sicher schön eine WM mit ihm zu spielen. Nun bin ich dabei und gebe sicher alles.»

Vor einem Jahr schafften es immerhin zwölf Spieler aus dem ersten Aufgebot zur WM, darunter mit den Verteidigern Lukas Frick und Romain Loeffel sowie den Stürmern Christoph Bertschy und Tristan Scherwey auch vier Spieler, die heute auf Basler Eis standen. In den nächsten Wochen wird sich zeigen, wer dabei sein wird.

Die Schweizer trainieren bis morgen in Cham bevor sie für zwei Länderspiele in Rosenheim gegen Deutschland (21./23.4.) abreisen.

Nächste Woche finden am 30. April und 1. Mai in Weinfelden zwei Vorbereitungsspiele auf heimischem Eis gegen Lettland statt. Es hat noch wenige Tickets im Verkauf. Diese können hier bestellt werden.

Background-Portal

Verjüngung


Jüngere Spieler wie Lukas Frick und Ken Jäger kämpften wie in Basel gegen Frankreich um einen Platz im WM-Kader. Foto: Christoph Perren