Olympia-Fazit – von und mit Colin Muller

16.2.2022 - Von Simon Wüst

Wir schauen mit dem Nationaltrainer zurück auf ein bewegtes Olympiaturnier der Frauen.

Die Enttäuschung war gestern riesig. Es sind Tränen geflossen. Natürlich. Der vierte Platz ist undankbar und bitter. Aber wenn wir die Leistung der Schweizerinnen nüchtern betrachten und auch ins Verhältnis zu den Voraussetzungen setzen, ist dieser vierte Platz ausgezeichnet. Man hat zwei Spiele gewonnen, Finnland in der Vorrunde und Russland im KO-Spiel, und gegen die Favoritinnen aus Kanada im Halbfinale besser gespielt denn je. Das Team ist an seinen Aufgaben stetig gewachsen, mehr kann man momentan nicht erwarten.

Die Schweiz hatte die jüngste Mannschaft des Turniers am Start. Viele nur mit Erfahrung aus der Women’s League. Colin Muller: «Ich bin so stolz auf alle Spielerinnen. Die Leistung, welche sie hier gebracht haben, ist Wahnsinn. Wir haben ein wirklich gutes Turnier gespielt. Am Anfang konnten wir noch nicht alles umsetzen, aber wir sind mit jedem Spiel gewachsen und konnten uns verbessern. Höhepunkt waren sicher die Spiele gegen Finnland in der Vorrunde und Russland im Viertelfinal. Auch gegen Kanada haben wir sehr gut gespielt – aber was will man gegen die weltbeste Mannschaft ausrichten?» Man darf nicht vergessen, mit welchen Voraussetzungen die Spielerinnen eingerückt sind und was von ihnen erwartet wird.

Colin Muller: «Wir erwarten immer mehr, noch mehr Einsatz, noch mehr Siege. Und irgendwann ist das Limit erreicht. Als Beispiel: unsere dritte Verteidigungslinie – sie sind 17 und 22 Jahre alt und hatten schon so viel Verantwortung während des ganzen Turniers – sie waren am Schluss ausgebrannt.» Um in der Nationalmannschaft spielen zu können, opfern sie sehr viel. Jede arbeitet oder studiert neben dem Hockey, investiert ihre Ferien für Turniere und Trainingscamps und macht noch individuelle Krafttrainings um immer besser zu werden. «Es ist sehr hart. Ich verstehe jede, die sich überlegt ob sich der Aufwand rechnet, ob sie auf Ferien mit Freund oder Familie verzichten will. Verdienen können sie dabei ja nichts.» Am Freitag reisen unsere Frauen zurück in die Schweiz. Für einige geht es dann gleich weiter nach Schweden oder Nordamerika um dort mit ihren Teams die Meisterschaft zu beenden. Colin Muller selbst weiss noch nicht, wie seine Zukunft aussieht. «Ich muss zuerst Gespräche führen. Wir müssen schauen wohin es gehen soll mit der Nati, auch was die Frauen überhaupt wollen.»