Rappi ist das Team der Stunde

26.11.2021 - Von Pascal Zingg

48 Punkte aus 26 Spielen, Platz fünf in der Tabelle, acht der letzten neun Spiele gewonnen und fünf Auswärtssiege aneinander gereiht. Die Zahlen der SCRJ Lakers sind aktuell wirklich beachtlich. So beachtlich, dass sogar langjährige Spieler wie Leandro Profico zugeben müssen, dass sie überrascht sind, wie gut es dem Team im Moment läuft. Wo aber liegen die Gründe für den Aufschwung am Obersee?

Ein Grund für die guten Resultate der Lakers ist bestimmt beim neuen Trainer Stefan Hedlund zu suchen. Der Schwede hat es geschafft den Rapperswilern in Kürze ein neues Spielsystem zu verpassen. «Dass dies so schnell geht, hätte ich auch nicht gedacht», gibt sich Hedlund überrascht. Geändert habe man neben Spielsystem auch die Trainingsgewohnheiten. Hedlund ist es gelungen die Leistungskultur noch einmal zu erhöhen. Hatte man in der vergangenen Saison nach Dienstagsspielen oft frei, kommt es unter dem Schweden nicht selten vor, dass am Mittwoch die härtesten Trainings der Woche stattfinden. Die Spieler hätten es jedoch sehr schnell verstanden diese neuen Gewohnheiten zu adaptieren, meint der Trainer. Dass die Spieler verstehen, was Hedlund will, zeigt sich auf dem Eis, wo die Rapperswiler mit äusserst attraktivem Spiel zu überzeugen wissen. Anders als noch unter Jeff Tomlinson trägt man der Scheibe mehr Sorge, zudem ist auch die Laufbereitschaft der Spieler um einiges höher.

Die Jugend weiss zu überzeugen

Auffällig ist bei den Rapperswilern auch die Tatsache, dass sie viele junge Spieler haben, die zu überzeugen wissen. Während Nando Eggenberger zu Beginn der Saison das Topscorer-Shirt trug, scheint nun auch Gian-Marco Wetter immer besser in Form zu kommen. Noch mehr zu beeindrucken weiss die Verteidigung der Lakers. Schaut man Nathan Vouardoux, David Aebischer und dem derzeit verletzten Inaki Baragano zu, kann man kaum glauben, dass diese drei Spieler ohne grosse Erfahrung in die Saison gestartet sind. Der SCRJ beweist damit, dass man solch junge Spieler sehr wohl in die erste Mannschaft integrieren kann. Man muss ihnen einfach das nötige Vertrauen schenken. Entscheidend scheint dabei, dass die jungen Verteidiger auch Fehler machen dürfen. «Solche Fehler werden analysiert, danach weisst du, was du nicht mehr tun darfst», bemerkt Vouardoux. Neben dem Vertrauen scheint es aber auch wichtig zu sein, dass man die richtigen Talente gefunden hat. Dabei ist Sportchef Janick Steinmann zu loben, der ehemalige Scout des EV Zug hat in den letzten Jahren bewiesen, dass er sehr wohl weiss, welche Junioren in diese Liga Potential haben. Wenig überraschend bezeichnet Stefan Hedlund seinen Sportchef dann auch als den besten der Liga.

Sehr gute Transfers

Das diese Aussage nicht von ungefähr kommt zeigen auch die Transfers der erfahrenen Spieler, so gehören Sandro Zangger, Yannick-Lennart Albrecht oder Dominik Lammer bereits zu den Teamstützen in Rapperswil. Steinmann hat es ganz offensichtlich verstanden dem Team gegenüber der letzten Saison mehr Breite zu verleihen. Als logische Folge dieser Massnahme konnte der Anteil der Ausländertore drastisch gesenkt werden. Zudem verfügen die Rapperswiler aktuell über vier Linien die Tore schiessen und den Unterschied machen können. Das dies nicht irgendeine Floskel ist, zeigte sich beispielsweise am Dienstag, als die dritte Reihe um Nico Dünner und Jeremy Wick die entscheidenden Tore in Langnau schoss.

Obwohl die Rapperswiler vor allem als Kollektiv überzeugen können, gibt es einen Spieler, der aus der Mannschaft herausragt. Roman Cervenka zeigt mit bald 36 Jahren, dass er einer der talentiertesten Spieler der Liga ist. Dabei scheint seine Laufbereitschaft in dieser Saison noch etwas höher zu sein, als unter Jeff Tomlinson. Einmal mehr überzeugt der Tscheche damit mit seiner Technik und Übersicht, die ihm den dritten Platz in der aktuellen Scorerliste eingebracht hat.

Mit Bescheidenheit in die Playoffs?

Blickt man auf das Gesamtpacket, erkennt man schnell, dass Janik Steinmann eine ausgeglichene Truppe zusammengestellt hat. Wichtig scheint auch, dass es dem Sportchef bereits früh gelungen ist mit Melvin Nyffeler zu verlängern. Nyffeler ist nicht nur die Lebensversicherung der Rapperswiler, nein er ist auch eine Integrationsfigur. Mit der frühen Vertragsverlängerung konnte der Sportchef daher aufzeigen, dass die nachhaltige Planung im Club funktioniert. Weiter ist es Steinmann gelungen einen Trainer zu finden, der genau zu der Mannschaft passt, die er sich in den letzten Jahren zusammengestellt hat.

Die Kombination zwischen Trainer und Team passt derart gut, dass die Spieler offenbar keine Mühe hatten, dass neue Spielsystem zu adaptieren.

Berücksichtigt man all diese Faktoren scheint es nicht mehr ganz so überraschend, dass der SCRJ aktuell vom fünften Platz der Tabelle grüsst. Es stellt sich sogar die Frage, ob man am Obersee in diesem Jahr sogar die direkte Playoffqualifikation anstreben kann. «Unser Ziel sind weiterhin die Pre-Playoffs», meint der Trainer. Für ihn ist klar, dass man auch in der aktuellen Situation bescheiden bleiben muss. «Es ist meine Aufgabe die Spieler auf dem Boden der Realität zu halten», erklärt er. Es sei deshalb wichtig, dass man seinem System in jedem Spiel treu bleibe.

Trotz grosser Bescheidenheit Seitens des Trainers scheint aus neutraler Sicht eines klar: Spielen die SCRJ Lakers im gleichen Stil weiter, gehören sie definitiv in die Playoffs. Dabei ist zu hoffen, dass spätestens in der Postseason wieder mehr Zuschauer ins Stadion strömen. Trotz Corona scheint es äusserst unverständlich, wieso man in der Rosenstadt nicht mehr Leute das attraktive Hockey des SCRJ sehen wollen.

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Ein Hoch über dem Obersee


Die SC Rapperswil-Jona Lakers und ihre Fans hatten zuletzt viel zu jubeln. Foto: Thomas Oswald