Frischer Wind im Emmental

7.9.2021 - Von Simon Wüst

Die SCL Tigers blieben letzte Saison einiges schuldig und müssen einen gewaltigen Schritt vorwärts machen, um die Liga-Schlusslaterne abzugeben. Wenigstens hat man bei Heimspielen nun sein treues und genügsames Publikum wieder im Rücken.

Sportlich haben die SCL Tigers eine ernüchternde Corona-Saison hinter sich, und eigentlich kann es in der neuen Spielzeit gar nicht schlimmer kommen. Das Management verordnete 2020 dem Club eine rigorose Sparpolitik – man kam mit rund 1 Mio. Verlust und viel Solidarität der Fans, Sponsoren und dem Staff mit einem blauen Auge davon – und setzte aus der Not auf den eigenen Nachwuchs. Coach Rikard Franzen machte aus der Situation das Beste und hielt sich lange über Wasser, konnte aber seinen Rausschmiss am Ende nicht verhindern. Neue Gesichter sollen nun im Emmental bessere Zeiten bescheren. Ob dies Sportchef Eichmann mit seinem ex Langenthal-Kumpel und Swiss League-Stratege Jason O’Leary gelingt, wird sich noch zeigen. Die Vorbereitungsspiele liefen nicht allzu schlecht und liessen durchblicken, dass er auf ausgeglichene Sturmreihen setzt und nur im Powerplay seine Ausländer gemeinsam forciert.

Kader

Mit Ivars Punnenovs steht eine weitere Saison ein sehr guter Goalie im Kasten der Emmentaler. Mit der lettischen Nati wird er auch an den Olympischen Spielen in Peking 2022 teilnehmen und war beim Quali-Turnier im August der MVP des Turniers. Allerdings ist er verletzungsanfällig und bekundet immer wieder Mühe mit den Adduktoren. Und seine Backups (Zaetta, Stettler) haben höchstens Swiss-League-Niveau. Die SCL Tigers hoffen also darauf, dass er gesund durchkommt.

Die Defensive war letzte Saison und wird auch in der Kommenden eine der Schwächsten der Liga sein. Man hat es klar verpasst, sich gezielt zu verstärken. Zwar sind Rückkehrer Zryd und Elsener verpflichtet worden, aber sie sind einfach Ersatz für Glauser und Lardi und bestimmt keine Verstärkung. Und falls – wie jetzt schon bei Zryd – die Verletzungshexe zuschlagen sollte, wird es extrem schwierig.

Offensiv ist man 2021/22 nominell stärker geworden. Nur schon die Tatsache, dass man alle Ausländerpositionen besetzen konnte, macht einen grossen Unterschied zum Vorjahr. Den Verlust des nimmermüden Kämpfers und Leitwolf Julian Schmutz müsste noch jemand wegmachen, Kandidaten sind Schweri oder Loosli – besonders auffällig war aber noch keiner der Beiden. Aber auch auf den jungen Spielern (Petrini, Weibel, Salzgeber) lastet gewisser Druck. Sie hatten letzte Saison gute Leistungen gebracht und viel Eiszeit bekommen und sollten dies nun bestätigen.

Das grösste offensive (Verbesserungs-)Potential liegt im Powerplay. Nur gerade aus jedem zehnten Überzahlspiel resultierte ein Goal, insgesamt 21 Treffer. Dazu kassierte man noch fünf Shorthander! Mit der Verpflichtung von Pesonen und Grenier herrscht in diesem Bereich eine gewisse Hoffnung und auch Olofsson hat eine relativ gute Ausbeute in Überzahl. Doch auch hier gilt: «Übung macht den Meister». Mal sehen, ob das Sommertraining gefruchtet hat…

Schwierig wird die kommende Saison für die Emmentaler auf jeden Fall, und es ist in Langnau sicher niemand böse, dass es auch nächste Saison keinen Absteiger geben wird.

Zuzüge: Jason O’Leary (Coach), Harri Pesonen (FIN), Jesper Olofsson (SWE), Aleksi Saarela (FIN), Alexander Grenier (CAN), Kay Schweri, Michael Loosli, Livio Langenegger, Janis Elsener, Miro Zryd

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Punnenovs


Die SCL Tigers werden auch vom Gesundheitszustand des Torhüters Ivars Punnenovs abhängen. Foto: Christoph Perren