Lugano & McSorley – eine erfolgreiche Kombination?

6.9.2021 - Von Maurizio Urech

Für einmal war beim HC Lugano nicht ein Spieler sondern der Coach der Königstransfer. Chris McSorley war von 2001/02 bis 2019/20 für Genf-Servette tätig und schaffte es aus dem Nichts eine erfolgreiche Organisation mit einer Eishockeykultur aufzubauen. Er war lange Zeit das Gesicht der Grenat und kümmerte sich um Vieles, nicht nur im Sportlichen sondern auch im geschäftlichen Bereich. Jetzt nach einem Jahr Pause nimmt er bei den Bianconeri eine neue Herausforderung an.

Unter Vorgänger Serge Pelletier spielten die Bianconeri eine ausgezeichnete Qualifikation, die man nach einem guten Endspurt sogar auf dem unerwarteten zweiten Platz beendete. In den Playoffs ging man als klarer Favorit gegen die SCRJ Lakers ins Rennen, doch nach dem Startsieg war man sich der Sache wohl zu sicher und als man in Rückstand geriet, fand der Staff kein Mittel mehr um die Wende herbeizuführen und man schied sang- und klanglos aus.

Sportchef Hnat Domenichelli war auf dem Transfermarkt sehr aktiv, dies trotz der Budgetreduzierung um 10 Prozent. Dies war möglich, weil man sich von einigen teuren Spielern trennte. Trotz der ausgezeichneten Saison entschied man sich vom schwedischen Verteidiger Tim Heed zu trennen, Thomas Wellinger wechselte zu seinem Stammklub HC Davos. Trotzdem hat man sich in der Verteidigung massiv verstärkt. Mit Mirco Müller (188 NHL Spiele) holte man einen neuen «Verteidigungsminister» in die Cornèr Arena. Vom Meister EVZ kam mit Santeri Alatalo ein weiterer Nationalverteidiger, dazu holte man auch Samuel Guerra vom HC Davos, der solides Handwerk garantiert.

Daher entschied man sich auf vier ausländische Stürmer zu setzen. Aus der NHL konnte man Daniel Carr zurückholen, der bei Washington keine reelle Chance bekam, dazu bestätigte man Troy Josephs, ein Spieler, der hart für die Mannschaft arbeitet und viele Face-Offs gewinnt. Vom Meister EVZ stösst mit Calvin Thürkauf ein junger, hungriger Spieler zur Mannschaft, der dorthin geht wo es weh tut und ein Energiespieler ist. Mit Yves Stoffel verpflichtete man einen weiteren Spieler aus der Organisation des EVZ, der letzte Saison für die Academy stürmte und jetzt in Lugano die Gelegenheit erhält sich auf NL-Niveau zu beweisen. Dazu holte man mit Evan Tschumi einen 24-jährigen Stürmer aus dem Team der Colgate University. Tschumi ist ein bekannter Name in der Schweiz, sein Vater Mike stürmte für den EVZ und sein Onkel Rick Tschumi verteidigte für Ambri-Piotta und Lugano. Tschumi ist ein weiterer Spieler, der mit seinem physischen Spiel bisher überzeugte.

In der traditionellen Vorsaison-Mediankonferenz sprachen sowohl Präsidentin Vicky Mantegazza wie auch CEO Marco Werder Klartext: Man versteckt sich nicht mehr und sprach das Ziel für die nächsten Jahre klar aus. Man will wieder einen Meistertitel nach Lugano holen. Dies ist nicht als Arroganz zu werten, sondern als klares Bekenntnis zu den sportlichen Ambitionen.

Das Ziel für die reguläre Saison ist die erneute Qualifikation für die Champions Hockey League, die Reise in den Playoffs soll logischerweise länger als letzte Saison dauern – also mindestens bis ins Halbfinale.

Der Eindruck aus den Vorsaisonspielen und der CHL ist durchaus positiv. Die Mannschaft setzt schon ein paar Prinzipien von McSorley erfolgreich um, das Boxplay ist aggressiv, nicht passiv wie in den letzten Jahren und dazu betreibt man auch ein aktives Forechecking um den Gegner schon im Aufbau zu stören und zu Fehlern verleiten. Natürlich bedeutet dies im Hinblick auf den Saisonstart noch nichts, doch wir glauben, dass die Bianconeri in jedem Spiel ein unangenehmer Gegner sein und aus der oberen Tabellenhälfte in die Playoff-Phase steigen werden.

hockeyfans.ch-Ranglistentipp
1.
2. ZSC Lions
3. Genf-Servette
4.
5. HC Lugano
6. EHC Biel
7.
8.
9. HC Davos
10. HC Ambrì-Piotta
11.
12.
13. HC Ajoie
 

 

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McSorley


Chris McSorley ist neu in Lugano statt Genf der Chef hinter der Bande. Foto: Vedran Galijas / JustPictures.ch